Wetterau

Schüler werden zu Reportern

Unter den 29 häufigsten Freizeitbeschäftigungen von Kindern im Alter zwischen sechs und 13 Jahren hat es Zeitunglesen im Jahr 2016 gerade einmal auf den vorletzten Platz geschafft. Nur sechs Prozent schauten ein- oder mehrmals pro Woche in die Tageszeitung, zwei Prozent blätterten täglich darin. Unbeliebter war einzig der Gang ins Kino. Das ist das Ergebnis einer Studie des Medienpädagogischen Forschungsverbunds Südwest.
13. März 2019, 20:03 Uhr
Katharina Ganz
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Die Lehrer machen sich mit der Wetterauer Zeitung vertraut. Drei Monate lang wird sie nun zentraler Bestandteil ihres Unterrichts sein. (Foto: kgg)

Unter den 29 häufigsten Freizeitbeschäftigungen von Kindern im Alter zwischen sechs und 13 Jahren hat es Zeitunglesen im Jahr 2016 gerade einmal auf den vorletzten Platz geschafft. Nur sechs Prozent schauten ein- oder mehrmals pro Woche in die Tageszeitung, zwei Prozent blätterten täglich darin. Unbeliebter war einzig der Gang ins Kino. Das ist das Ergebnis einer Studie des Medienpädagogischen Forschungsverbunds Südwest.

»Dabei ist die Zeitung gerade in Zeiten von ›Fake News‹ und Social Bots, die absichtlich im Internet falsche Nachrichten streuen, ein wichtiges Medium, auf dessen Richtigkeit man sich verlassen kann«, sagt Dr. Winfried Spiegel vom Aachener Institut zur Objektivierung von Lern- und Prüfungsverfahren (IZOP). Um schon die jüngsten Schüler für ihr Medienverhalten zu sensibilisieren, begleitet das Institut Grundschullehrer pädagogisch beim Projekt »Zeitung in der Grundschule«, das ab Montag wieder in zahlreichen Wetterauer Grundschulen startet.

Artikel werden gedruckt

Gestern hat Spiegel im Alten Rathaus in Nieder-Wöllstadt die teilnehmenden Lehrer auf ihren Unterricht in den kommenden drei Monaten vorbereitet. Vom 18. März bis zum 19. Juni wird die Wetterauer Zeitung täglich und kostenlos auf den Schreibtischen von insgesamt 316 Schülern aus 17 teilnehmenden Klassen liegen und für spannenden Lernstoff sorgen. Damit die Kinder auch am Wochenende nicht auf die WZ verzichten müssen, bekommen sie die Zeitung – wenn gewünscht – auch samstags nach Hause geliefert.

Im Rahmen des WZ-Projekts, das mit Unterstützung der Ovag stattfindet, sollen die Schüler eine kritische Medienrezeption erlernen und sich selektives Lesen aneignen. Sie werden dabei herausfinden, dass sie vieles von dem, was man im täglichen Leben wissen muss, aus der Zeitung erfahren können. Dabei wird die WZ aber nicht nur im Deutsch- oder Sachunterricht als Grundlage für Lernstoff dienen, sondern auch andere Fächer können davon profitieren. So können im Kunstunterricht fantasievolle Initialen gemalt oder eine eigene Klassenzeitung entworfen werden. Im Mathematikunterricht dienen etwa die Angebotspreise der Beilagen als Rechengrundlage.

Die schönste Aufgabe für die Schüler wird aber sein, in einen der spannendsten Berufe reinzuschnuppern: den des Reporters. Jede Klasse darf sich aus einem bunten Potpourri ein Thema aussuchen, dem sie journalistisch auf den Grund gehen kann. Ob Ich-Reportage oder Interview – den Kindern sind keine Grenzen gesetzt. Die Ergebnisse werden dann in der WZ abgedruckt, so kann sich jedes Kind in der Zeitung wiederfinden.

Für die Lehrer bedeutet das viel Arbeit, aber vor allem auch viel Spaß. »Ich habe schon viel Gutes vom Projekt gehört und freue mich auf die kommenden Wochen«, sagt etwa eine Lehrerin. Eine andere erhofft sich Besserungen im Schriftsprachgebrauch ihrer Schüler. Einige Lehrer machen nicht zum ersten Mal mit: »Es war beim letzten Mal total klasse und hat viel Spaß gemacht«, heißt es da.

So wird mit dem Projekt ein wichtiger erster Schritt in der Medienerziehung getan: Der, Interesse zu wecken, und zu sehen, dass Zeitung nicht nur etwas für die »Großen« ist.

Artikel: https://www.giessener-allgemeine.de/regional/wetteraukreis/friedbergbadnauheim/Wetterau-Schueler-werden-zu-Reportern;art472,564270

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