08. Februar 2019, 18:35 Uhr

»Fridays for Future«

Schüler demonstrieren in Friedberg für Klimaschutz

Nachdem vergangene Woche für Toleranz und Vielfalt demonstriert worden war, sind am Freitag in Friedberg erneut Schüler auf die Straße gegangen: Auf dem Europaplatz ging es um Klimaschutz.
08. Februar 2019, 18:35 Uhr
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Von Marion Müller
Organisatorin Eva Parbel (l.) demonstriert mit Schülern auf dem Europaplatz für mehr Aufmerksamkeit für den Klimawandel. Die Demonstration ist Teil der »Fridays for Future«-Bewegung. (Foto: Nici Merz)

Wir sind hier, wir sind laut, weil man uns die Zukunft klaut« oder »Wer nicht hüpft, der ist für Kohle«, schallte es am Freitag über den Europaplatz in Friedberg. Etwa 50 Schüler haben sich im Zuge der »Fridays for Future«-Bewegung versammelt und für die Wahrnehmung des Klimawandels, den Kohleausstieg und das Erreichen der Klimaziele demonstriert. Ich bin froh, dass einige da sind. Das ist schön«, sagte Organisatorin Eva Parbel von der Bad Nauheimer Sankt-Lioba-Schule. »Wir hoffen, möglichst viel Aufmerksamkeit zu kriegen. Es wird Zeit, dass die Politiker wirklich etwas tun.« Ihre Mutter habe die Demonstration angemeldet. »Sie hat mich inspiriert und unterstützt mich«, sagte die 16-Jährige.

Erwachsene haben zu lange nichts getan

Eva Parbel, Organisatorin

Die Schüler hatten selbst gebastelte Schilder mit Slogans wie »There is no Planet B«, »Ohne Bäume keine Träume«, »Fehlstunden verkraftet man, eine zerstörte Welt eher nicht so« und »Fehlstunden sind ok, Klimawandel nicht« dabei. Und genau zum Thema Fehlstunden haben Parbel und Mitstreiter Lennard Mertenz (16) von der Henry-Benrath-Schule eine klare Meinung: »Schwänzen ist der falsche Begriff. Wir nutzen unser Recht zu demonstrieren.« Parbels Mutter findet es nicht in Ordnung, dass sich Medien auf das Fehlen an den Schulen fokussieren. »Den Jugendlichen ist es wirklich ernst.«

»Demonstrationen sind eine nicht schulische Veranstaltung«, stellte Christine Stanzel, Pressesprecherin beim Staatlichen Schulamt in Friedberg klar. Daher müssten Eltern oder Erziehungsberechtigte ihr Kind bei der Schule beurlauben lassen. Das gehe aus wichtigen Gründen. »Die Schulpflicht und Bildung sind hohe Güter«, betonte Stenzel. Parbels Mutter schreibt der 16-Jährigen gerne eine Entschuldigung für die Schule. »Ich finde es sehr wichtig, dass sie sich so engagiert.« In den meisten Fällen werde eine Entschuldigung der Eltern akzeptiert, erklärte die Tochter. Manche Lehrer unterstützten die Schüler. Es gebe aber auch Schulen, die ihre Schüler für solche Demonstrationen freistellen würden.

 

Kleines Team zusammenstellen

 

In einer Pressemitteilung des Hessischen Kultusministeriums erklärt Kultusminister Alexander Lorz zu den »Fridays for Future«-Demonstrationen: »Das Engagement der Schüler für den Klimawandel rechtfertigt nicht das Fernbleiben vom Unterricht.« Allerdings habe er »großen Respekt« vor dem politischen Engagement der Schüler. »Das Demonstrationsrecht kann in der unterrichtsfreien Zeit ausgeübt werden«, heißt es in der Pressemitteilung weiter. »An Nachmittagen, Wochenenden und in den Ferien ist ausreichend Gelegenheit, zu demonstrieren oder sich anderweitig politisch zu betätigen. Und während des Unterrichts besteht für Schüler und Lehrkräfte Gelegenheit, aktuelle politische Debatten zu thematisieren, zu diskutieren und Kontroversen anzuzeigen«, äußerte sich Lorz. Am Wochenende zu demonstrieren, hält Parbels Mutter für falsch. Da erreichten die Jugendlichen keine Öffentlichkeit.

»Erwachsene haben zu lange nichts getan«, beklagte Eva Parbel. Manche Schüler halten auch Reden. »Wir haben genauso wie Erwachsene ein Recht auf eine Welt, in der wir gerne leben wollen«, sagte beispielsweise Rike von Bothmer (17) vom Friedberger Burggymnasium. Lena Binsack (19) der Linksjugend machte Folgendes deutlich: »Jeder Einzelne von uns kann etwas tun. Auf dem Mars sind Dollars nichts wert.« Mertenz und Parbel hoffen, dass sich ein kleines Team zusammentut, das regelmäßig die Demonstrationen organisiert. »Ich denke schon, dass wir das regelmäßig machen. Es ist uns ziemlich wichtig.«

Info

Weltweite Bewegung

Die »Fridays for Future«-Bewegung ist mittlerweile zu einer weltweiten Bewegung geworden. Erst im Januar haben etwa 1200 Schüler in Gießen demonstriert. Inspiriert wurde diese Aktion von der 16-jährigen schwedischen Schülerin und Klimaschutzaktivistin Greta Thunberg, die seit August des vergangenen Jahres so auf klimapolitische Missstände aufmerksam machen will. Auf der Homepage der Bewegung heißt es: »Der Klimawandel ist längst eine reale Bedrohung für unsere Zukunft. Wir werden die Leidtragenden des Klimawandels sein. Gleichzeitig sind wir die letzte Generation, die einen katastrophalen Klimawandel noch verhindern kann. Doch unsere Politiker unternehmen nichts, um die Klimakrise abzuwenden.« (mmf)



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