04. März 2019, 15:00 Uhr

Herrensitzung

Schlager, Schoppen und Striptease bei der Herrensitzung in Dorheim

Ein Saal voller Männer, Schlager zum Mitgrölen, ein riesiger Vorrat an Hopfensmoothie und eine Dame, die sich entblättert: Beim Herrenabend in Dorheim war die Hölle los.
04. März 2019, 15:00 Uhr

Eine Herrensitzung in Dorheim ohne Theo? Das wäre, als ob die Eintracht ohne Ball spielt – aber trotzdem fünf-null gewinnt. Klar war der »Fußballgott mit Handicap« mit dabei, als die Wetterfrösche am Freitagabend das Bürgerhaus erbeben ließen – per »Live-Schalte« vom Krankenbett aus. Und sonst? Hat beim Finale eine Striptänzerin das getan, was Striptänzerinnen qua Amtes nunmal so tun: sich naggisch ausgezogen.

Kommen wir zur Sache: Der mit großem Sprachgefühl als »Höhepunkt« angekündigte Striptease war vor allem großartiger Slapstick. Die Stripperin stakste ins Publikum, wo die Herren der Erschöpfung freudig erregt darauf warteten, dass nicht sie selbst, sondern ihr Sitznachbar auf die Bühne gezerrt wird. Sodann durfte der Gespiele der schönen Blonden aus nächster Nähe beobachten, wie sie sich nach und nach entblätterte und ihn nach und nach bloßstellte. Männer, die mit heruntergelassener Hose von einer halbnackten Dame umtanzt werden, sehen peinlich aus, zum großen Pläsir des Publikums, das am Toben war.

Während der Vorführung gab die Tänzerin praktische Haushaltstipps. So lässt sich Sonnenmilch auf dem Bauch eines Mannes auch mit dem Po einer Dame einigermaßen gleichmäßig verreiben. Dass die Dame am Schluss ungefähr eineinhalb Sekunden lang splitterfasernackt auf der Bühne stand, fiel angesichts der Tatsache, dass einer der beiden Moderatoren aufgrund eines recht knapp bemessenen Muskelshirts den ganzen Abend über seine, ähäm, Tittchen präsentierte, nicht weiter ins Gewicht.

 

Mit Vollgas und Schädelspaltern

Aber keine Panik, alles lief weitgehend zivilisiert ab. Es galt das Motto: Die wollen doch nur spielen. War früher alles wilder oder täuscht der Eindruck? Marvin Wagner und Kevin Schwefel führten mit großer Lässigkeit und frecher Schnauze durch den Abend. Jedesmal, wenn sie die Bühne betraten, schallte es ihnen im Chor entgegen: »Zieh!« Dann wurde unter großem Jubel ein Humpen Bier geleert. Doch während sich die Narren im Publikum neben der altbewährten Hopfenkaltschale auch andere flüssige Gedächtnisradiergummis hinter die Binde kippten (nicht nur »Jacky Cola« floss in Strömen, angeblich wurde auch ein obskurer Schädelspalter namens »Maggi-Cola« ausgeschenkt), tranken die Aktiven auf der Bühne alkoholfreies Bier. »Sonst hält man das nicht durch«, sagte Wagner.

Das Publikum aber gab Vollgas. Müllmänner, Cowboys, Scheichs, ganze Fußballmannschaften und die Mitglieder diverser »Trinksportvereine« standen auf den Tischen, feierten und sangen zur Musik von Alleinunterhalter Helmut Lipka alberne Verse auf bekannte Melodien. »Alle Nutten sind Huren«, war immer wieder zu hören, eine Feststellung, der man nur schwer widersprechen kann. Der Karnevalswitz im 21. Jahrhundert hat sich vom Diktat der Pointe befreit.

Und das Programm? War kurzweilig, rasant und witzig. Die Garde der Wetterfrösche sowie die Tanzgruppen »Weathergirls« und »Fireflies« zeigten hervorragende Tänze. Hacki und Robbi von der Bad Nauheimer »Hiesbach« mit ihren schrägen Liedern und dem Evergreen von der »Flaaschworscht« sorgten ebenso für lautstarkes Mitsingen wie die Hardcore-Stimmungskanonen Oli und Rommy von der Band Reload. Coverhits präsentierten die Dorheimer Hofsänger, die wissen, was man an solchen Abenden bieten muss: Lieder zum Mitgrölen und Abfeiern. Deshalb gab es auch nur einen Wortvortrag: Die beiden Moderatoren präsentierten sich als Testosteron-gesteuerte Hengste, die ein Rein-Raus-Unternehmen im Frankfurter Bahnhofsviertel mit ihrem Besuch beehren. Da reimte sich »Dankbarkeit« auf »Beine breit«, und in kunstvoller Weise vereinigten sich jambische und trochäische Versfüße zu poetischen Sprachbildern von großer, erhabener Kraft: »Der Teufelskreis aus Sex und Suff / Treibt dich gradwegs in den Puff.«

 

Gruß vom Krankenbett

Und Theo alias Volker »Knusper« Frühschütz, diplomierter Kerbbursch und Obernarr der Wetterfrösche? Bekam das alles nicht mit, weil er nach einer OP das Bett hütet. Also erschien auf einer Leinwand »Tagesschau«-Sprecher Thorsten Schröder und berichtete von der Verletzung des Flügelflitzers. »Nächstes Jahr komme ich wieder, dann raucht die Hütt’«, kündigte Theo von der Couch aus an. Man darf ihm Glauben schenken. Ist ja schließlich ein Eintrachtgott.

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