28. November 2018, 20:21 Uhr

Schicksale der Luxushotels

28. November 2018, 20:21 Uhr
Präsentieren den 72 Seiten umfassenden dritten Teil der »Amerikanischen Spuren« (v. l): Armin Häfner, Jürgen Burdak, Präsident der Bürgerstiftung, Militärhistoriker Joakim Steinweden, Brigitte Faatz, Wolfgang Unkel, Gabriele Eilermann und Klaus Kreß. (Foto: cor)

Ab sofort ist der dritte Band der »Amerikanischen Spuren in Bad Nauheim« erhältlich – auch in den Geschäftsstellen der Wetterauer Zeitung. Am Dienstag wurde der Band im Rathaus vorgestellt. Im Mittelpunkt des 72 Seiten umfassenden Bandes stehen nach der Chronologie 1948 die einst größten Hotels der Stadt: »Hilberts Parkhotel« und das Hotel »Kaiserhof«.

Seit 2011 hat sich Stadtarchivarin Brigitte Faatz die Aufgabe gestellt, den »Amerikanischen Spuren in Bad Nauheim« nachzugehen. Mit großer Begeisterung erforscht sie dabei vor allem die Besatzungszeit nach 1945. Als Grundlage dient hier ein einzigartiges fotografisches Dokument, ein Fotoalbum aus dem Nachlass des US-Stadtkommandanten Colonel Paul R. Knight. Nach der Vorstellung des ersten und des zweiten Bandes (2016 und 2017) freuen sich die Bürgerstiftung »Ein Herz für Bad Nauheim« als Herausgeber, Autorin Faatz und Co-Autor Armin Häfner, den dritten Teil der vierteiligen Publikation »Amerikanische Spuren in Bad Nauheim« (Preis 9,80 Euro) nun der Öffentlichkeit zu präsentieren. Hinter den beiden früheren Luxushotels verbergen sich auch Schicksale.

Unter den Gästen, die der Einladung zur Vorstellung des neuen Bandes folgten, waren Gabriele Eilermann, Enkelin des Hoteliers Eilermann vom »Kaiserhof«, und Ernst Ludwig Haag, früherer Chefportier des »Hilberts«. Traditionell ist der chronologische Blick aber zunächst auf das Nachkriegsjahr 1948 gerichtet. »Hunger, Kälte und die Rationalisierung aller Bedarfsgüter bestimmen den Alltag«, sagte Stadtarchivarin Faatz. Wohnungsnot und Bemühungen zum Wiedererstarken der Kur beschäftigten die Gemüter. Doch gab es auch Optimismus, es herrschte geradezu ein Heiratsfieber. Die erste Anzeige zur deutsch-amerikanischen Eheschließung erschien in der Zeitung.

Gut 20 Seiten des dritten Bandes befassen sich schließlich mit »Hilberts Parkhotel«, vom einstigen Sprengel Parkhotel, das um 1900 schon 85 Zimmer zählte, bis hin zum Abriss 1989. Im Jahre 1909 erwarb Carl Hilbert das Parkhotel für eine Million Goldmark. Die folgenden Höhen und Tiefen, bislang nicht erforscht, werden nun im dritten Band erstmals ausführlich geschildert – ergänzt durch historisches Bildmaterial. Intensiv werden dazu die Zeiten der amerikanischen Beschlagnahmung erläutert, ebenso aber auch die Blütezeit des Hotels, nachdem Besitzer Hilbert es als Schenkung an das Land Hessen übergeben hatte.

Promis zu Gast

Spätere prominente Gäste waren Elvis Presley, Komiker Harald Lloyd und Tarzan-Darsteller Johnny Weismüller. Ernst Ludwig Haag erinnert sich noch gut an Weismüller, der im blauen Gang des Parkhotels ein Interview gab. Er sollte auf Geheiß seiner Frau seinen Tarzanruf zum besten geben. »Was aber nicht so ganz klappte«, sagte Haag.

Die Schicksale der Hotelierfamilien Eilermann und Hintzler im »Kaiserhof« werden ebenfalls erstmals erläutert. Die beiden Geschäftspartner agierten lange Jahre mit glücklicher Hand, gerieten aber am Ende des Zweiten Weltkriegs in eine Verkettung unglücklicher Umstände.

Gabriele Eilermann, Enkelin des Hoteliers Adolf Eilermann, und Beate Hintzler, Tochter des Hoteliers Hans Hintzler, steuerten hier wertvolle Erinnerungen bei. Weitere kleine Beiträge runden den dritten Teil ab – unter anderem ein Rückblick auf den Besuch der General-Enkelin Helen Patton.

Besonderen Dank galt den vielen Sponsoren, die die Publikationen der Amerikanischen Spurensuche unterstützt hatten. Zum Abschluss der vierteiligen Reihe soll unter anderem der Blick auf die alten Kolonnaden gerichtet werden, kündigte Faatz an. Die Veröffentlichung ist für Ende 2019 geplant.

Passend zur Präsentation hat über Wolfgang Unkel (Hauptamtsleiter a.D.) ein besonderes Exponat seinen Weg nach Bad Nauheim gefunden. Ein Zigarettenetui mit Gravur, das Colonel Paul. R. Knight seinerzeit genutzt hatte. Es wird nun seinen Platz im Bad Nauheimer Stadtarchiv erhalten.

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