25. Februar 2018, 12:00 Uhr

Schauspieler Zierl

Schauspieler Helmut Zierl tritt in Friedberg auf: »Ich habe über 300 Filme gedreht«

Er ist ein richtiges Fernsehgesicht: Tatort, Kokowääh und Rosamunde Pilcher: Der Schauspieler Helmut Zierl. Jetzt kommt er auf Einladung der Volksbühne nach Friedberg.
25. Februar 2018, 12:00 Uhr
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Von Sabine Bornemann
Mit Brille und grauen Haarsträhnen: Im Stück »Wir lieben und wissen nichts« spielt Helmut Zierl (M.) den sensiblen Sebastian. Mit dabei sind auf Einladung der Volksbühne Friedberg auch Sandrine Guiraud, Elisabeth Degen und Uwe Neumann (Fotos: Matthias Stutte/dpa)

Würden Sie Ihre Wohnung tauschen?

Helmut Zierl: Freunde von mir sind große Fans davon. Für mich käme es eher nicht infrage.

Das machen die Charaktere im Stück »Wir lieben und wissen nichts« mit dem Sie auf Einladung der Volksbühne Friedberg auftreten werden. Was mögen Sie an relativ kleinen Bühnen?

Zierl: Oft ausverkaufte Häuser, das Publikum ist nicht übersättigt und neugieriger als in der Großstadt. Sich immer wieder auf neue Bühnenverhältnisse einzustellen, ist sehr spannend, und man ist gezwungen zu improvisieren. Das ist eine tolle Herausforderung.

Was ist das Besondere an Moritz Rinkes Stück?

Zierl: Es ist absolut heutig. Es ist modern und befasst sich mit Themen, die jeden von uns angehen. Man kann sich dem nicht mehr entziehen. Es ist eine sehr intelligente Komödie, auf keinen Fall eine »Schenkelklopf-Komödie«. Gut zuzuhören ist Pflicht.

Egal, ob Klassiker oder Komödie. Der Probenprozess ist immer gleich hart

Helmut Zierl

Was charakterisiert Ihre Rolle? Sie spielen den »sensiblen Sebastian«.

Zierl: Sebastian ist ein Intellektueller, der mit der heutigen Welt hadert. Er ist ein verhinderter Autor, der nie wirklich Erfolg hatte. Er ist dadurch sehr sarkastisch geworden. Er liebt seine Bücher und ist unfähig, seiner Frau seine Liebe zu zeigen. Ein Verzweifelter in einer virtuellen Welt.

Man kennt Sie seit Jahren aus Film und Fernsehen. Haben Sie eine Lieblingsrolle?

Zierl: Nein.

Welche Produktion oder Rolle ist Ihnen besonders in Erinnerung?

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Helmut Zierl

Zierl: Ich habe 1984 einen Sechsteiler in Australien gedreht. Der Titel: »Flug in die Hölle«. Ich spielte einen verschollenen Piloten in den Kimberleys. Diese Rolle war sehr existenziell, und während der Dreharbeiten diesen unglaublichen Kontinent entdecken zu dürfen, war ein großes Geschenk.

Was machen Sie lieber? Theater oder vor der Kamera stehen?

Zierl: Das werde ich oft gefragt. Ich finde, es sind zwei total unterschiedliche Berufe. Die minimalistische Arbeit mit der Kamera ist genauso faszinierend, wie die große Geste auf der Bühne. Weil ich mich nicht entscheiden kann, mache ich einfach beides und bin froh, dass ich ausreichend Gelegenheit dazu bekomme.

Sie sind in Produktionen wie Inga Lindström oder Rosamunde Pilcher zu sehen. Bekommen Sie viel Fanpost?

Zierl: Es geht. Das hängt immer davon ab, wie präsent ich gerade bin. Aber ich lasse mich ungern auf Lindström und Pilcher reduzieren. Ich habe über 300 Filme gedreht. Da gab es auch diverse Literaturverfilmungen, Tatorte oder eigene Serien, wie Max Wolkenstein, Tisch und Bett, Zoff und Zärtlichkeit, Florida Lady usw..

Was sagt Ihre Partnerin zu den vielen weiblichen Fans?

Zierl: Sie kommt damit gut klar und freut sich, dass es durchaus auch männliche Fans gibt. (lacht)

Schaut sie sich auch Ihre Inszenierung in Friedberg an oder sind Sie derzeit mit der Produktion dauerhaft auf Tour?

Zierl: In Friedberg wird sie nicht dabei sein. Sie hat das Stück aber mindestens schon zehnmal gesehen. Ich bin bis 8. März auf Tournee, und wir spielen jeden Tag in einer anderen Stadt.

Für die kommende Saison sind Sie bei der Volksbühne Friedberg schon für Arthur Millers »Tod eines Handlungsreisenden« gebucht. Ein ganz anderer Stoff. Wie gehen Sie an Klassiker wie Millers Stück heran?

Zierl: Auf diese Rolle (Willi Loman) habe ich lange gewartet. In der Schauspielschule hatte ich den Sohn (Biff Loman) studiert. Vor drei bis vier Jahren wurde mir bewusst, dass ich mittlerweile das Alter für den Vater, also Willi, habe. Man bereitet sich nicht anders vor. Egal, ob Klassiker oder Komödie. Der Probenprozess ist immer gleich hart.

Unterscheidet sich die Arbeit zur Herangehensweise an eine Komödie wie bei Rinke?

Zierl: Sie unterscheidet sich in jedem Fall im Resultat. Wenn das Publikum viel lacht, heitert es mich auch privat auf. Beim Handlungsreisenden, der zum Schluss Selbstmord begeht, zieht es mich eher runter. Ich bin immer froh, wenn ich nach so einer Tournee Licht am Ende des Tunnels erblicke.

Info

Auftritt in Friedberg

Helmut Zierl ist Jahrgang 1954. Von 1972 bis 1975 besuchte er das Hamburger Schauspielstudio Hildburg Frese. Nach erfolgreichem Abschluss spielte er sieben Jahre lang Theater. Seit 1982 arbeitet er hauptsächlich als Fernsehschauspieler. Er spielte Hauptrollen in über 70 Fernsehspielen. Am Dienstag, 27. Februar, ist er 20 Uhr in der Stadthalle auf Einladung der Volksbühne Friedberg zu sehen. Er spielt in Moritz Rinkes Stück »Wir lieben und wissen nichts«. Darin treffen sich zwei Paare sich zum berufsbedingten Wohnungstausch. Karrierefrau Hannah (Katharina Friedl) muss als Zen-Coach für Bankmanager nach Zürich. Ihr Freund, der sensible Sebastian (Helmut Zierl) soll sie begleiten. In ihre Wohnung ziehen währenddessen die Tier-Therapeutin Magdalena (Sandrine Guiraud) und ihr Mann Roman (Uwe Neumann), ein. Karten gibt es unter anderem in den Geschäftsstellen der Wetterauer Zeitung oder beim Stadtmarketing in den Kolonnaden. Telefonische Reservierung unter 0 60 31/9 32 86 oder per E-Mail an volksbuehnefriedberg@gmx.de. (koe/pm)



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