Wetterau

Schaurige Geschichten rezitiert

Auf der Kleinkunstbühne der Kulturwerkstatt präsentierte das Künstlerkollektiv Christa Wagner, Markus Karger und Wieland Arnold vor ausverkauftem Haus ein erlesenes Balladenprogramm. Vom »Knaben im Moor« bis zur »Bürgschaft« rezitierten, sangen und trugen sie die Texte szenisch vor, sodass die Zuschauer begeistert mitgingen. Den ersten Teil des Abends hatten die Schauspieler mit dem Titel »Die Sage schallt herüber aus längst vergessener Zeit« überschrieben. Christa Wagner begann mit »Der Knabe im Moor« (Annette von Droste-Hülshoff). Sie setzte eindrucksvoll die düstere, schaurige Stimmung um, die der zu Tode geängstigte Knabe durchleben muss.
05. November 2018, 18:33 Uhr
Redaktion

Auf der Kleinkunstbühne der Kulturwerkstatt präsentierte das Künstlerkollektiv Christa Wagner, Markus Karger und Wieland Arnold vor ausverkauftem Haus ein erlesenes Balladenprogramm. Vom »Knaben im Moor« bis zur »Bürgschaft« rezitierten, sangen und trugen sie die Texte szenisch vor, sodass die Zuschauer begeistert mitgingen. Den ersten Teil des Abends hatten die Schauspieler mit dem Titel »Die Sage schallt herüber aus längst vergessener Zeit« überschrieben. Christa Wagner begann mit »Der Knabe im Moor« (Annette von Droste-Hülshoff). Sie setzte eindrucksvoll die düstere, schaurige Stimmung um, die der zu Tode geängstigte Knabe durchleben muss.

Sodann trug Wieland Arnold, szenisch umgesetzt mit dramatisch großer Geste, den »Handschuh« (Friedrich Schiller) vor, ehe Markus Karger mit seiner bekannt starken Ausdruckskraft den »Zauberlehrling« (Johann Wolfgang von Goethe) auf der Bühne aufleben ließ. Als im Text das Wasser zu wallen begann, hatte man das Gefühl, es ströme über die Bühne.

Verbittertes Herz des Königs

Sein folgender Vortrag »Der Erlkönig« (Goethe) fesselte die Zuschauer und erzeugte höchste Spannung. Er ließ den Erlkönig und seine Töchter vor den Augen des Publikums scheinbar lebendig werden. Mit verteilten Rollen rezitierten die drei Akteure sodann zunächst »Des Sängers Fluch« (Schiller). Auch eine hochdramatische Ballade, in welcher der Sänger das verbitterte Herz des Königs rühren möchte. Der aber glaubt, dass ihm durch den Gesang sein Volk und seine Frau entfremdet würden und reagiert mit brutaler Gewalt: Er tötet den jungen Begleiter des Sängers. Der schleudert dem König einen Fluch ins Gesicht, der sich später erfüllen soll.

Es folgte die hochdramatische Ballade »Die Brücke am Tay« (Theodor Fontane). »Tand, Tand ist das Gebilde von Menschenhand«, so kreischen die drei aus Shakespeares »Macbeth« bekannten Hexen und rufen den Einsturz der Brücke herbei. Nach der Pause wurden unter dem Titel »Das Lied vom braven Mann« Heldenballaden zitiert. Dazu gehörten »Der Weichensteller« (Graf Karl von Berlepsch), einfühlsam umgesetzt von Christa Wagner, und »John Maynard« (Fontane). Hier konnte Wieland Arnold die Dramatik des Geschehens auf dem Eriesee überzeugend in Szene setzen.

Eine herbstliche Stimmung kam auf, als Wagner »Herr von Ribbeck« (Fontane) pointiert und launig vortrug. Manch Zuschauer, der in seiner Schulzeit Balladen auswendig lernen musste, erinnerte sich und sprach bei dieser und anderen begeistert mit.

Das Publikum spendete herzlichen Schlussapplaus und wurde dafür mit drei humorigen Zugaben belohnt.

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