30. August 2019, 17:41 Uhr

Von Florstadt nach Hollywood

Sascha Wolf lebt seinen Traum von Hollywood

Vor zwei Monaten hat Sascha Wolf seine Sachen gepackt und ist weggeflogen: Hollywood war sein Ziel. Dort will der Schauspieler aus Florstadt seinen Traum leben.
30. August 2019, 17:41 Uhr
Vor der Kamera: Der Schauspieler aus Florstadt hat unter anderem im Kurzfilm »Runner’s High« mitgespielt.

Sascha Wolf ist einer, der auszog, das Glücklichsein zu lernen. Doch ob Florstadt, Köln, Australien, London, Altenstadt oder Berlin - fündig wurde er nicht. Jetzt hat er den ganz großen Schritt gewagt: Vor zwei Monaten ist er nach Amerika geflogen, ohne viel Geld, ohne Kontakte. Sein Traum: Hollywood: Viel Geld hat er immer noch nicht. Bei den Kontakten sieht das anders aus: Er hat schon einige Stars kennengelernt.

Der Lebenslauf von Sascha Wolf ist lang, dafür, dass er erst 27 ist. Aufgewachsen in Florstadt, Fachabitur an der Berufsschule Nidda, keinen passenden Studiengang gefunden, dafür ein Praktikum gemacht, das aber nicht wie versprochen zur Ausbildung führte. Wolf wurde Schatzsucher. Er ersteigerte Koffer - ohne zu wissen, was drin ist, in der Hoffnung, den Inhalt mit Gewinn über Ebay weiterverkaufen zu können. Um professioneller zu wirken, nahm er eines Tages ein Klemmbrett mit zur Auktion, machte sich darauf Notizen - und damit ein Kamerateam auf sich aufmerksam. Das war der Wendepunkt: Wolf hatte seinen Platz im Leben gefunden - vor der Kamera. Dafür setzt er seitdem alle Hebel in Bewegung.

In ZDF-Krimi zu sehen

Neben Dokumentationen, in denen er als »Kofferjäger« zu sehen war, bekam er über ein Casting eine Rolle in der ZDF-Krimireihe »Friesland«. Seinen Traumberuf wollte er nun von der Pike auf lernen, besuchte eine Schauspielschule in Köln, brach die Ausbildung aber nach einem halben Jahr ab. »Es passte nicht zusammen.«

Also wieder ein Ortswechsel, diesmal sollte es Australien sein. Er bereiste das Land - und stand auch hier vor der Kamera: Wolf spielte in einem Kurzfilm mit, der bei zwei Festivals gezeigt wurde (und ihm später in Deutschland die Hauptrolle im Kurzfilm »Runner’s High« bescherte, der dieses Jahr beim Bundesfestival Junger Film gezeigt wurde). Auch Rückschläge gab es während der acht Monate »Down Under«: »Obwohl ich sehr sparsam gereist bin, war mein Budget ohne Einkommen natürlich irgendwann aufgebraucht.« Er verkaufte das Letzte, was ihm geblieben war: seine Kamera - »um meinen Traum weiterzuleben«. Seine Hartnäckigkeit zahlte sich aus: Er fand einen Job in einem Reisebüro. Seine Erlebnisse in Australien hat Wolf in einem dicken Buch verarbeitet. »Ich suche zurzeit nach einem Verlag.«

Mit 5 Dollar am Tag kommt er aus

Seine persönliche Suche nach dem Glück ging nach Australien weiter. Wolfs Weg führte ihn nach London, wo er Schauspiel-Workshops besuchte, dann für kurze Zeit zurück in die Wetterau, nach Altenstadt, und weiter nach Berlin. »Nach fünf Monaten habe ich gemerkt, dass mir immer noch etwas fehlt.«

Am 19. Juni beschloss er, nach Los Angeles zu fliegen, »da Hollywood mein Traum ist«. Schon am nächsten Tag ging’s los - »seitdem bin ich hier«. Der erste Monat sei schwer gewesen, weil er ihn mit nur 200 Euro in der Tasche überstehen musste, bis sein letztes Gehalt überwiesen wurde. Aktuell lebt Wolf in einer Art WG in Venice Beach. »Da ich keine Arbeitserlaubnis habe, helfe ich, die Betten zu machen etc. Dafür kann ich gratis hier leben. Weil ich selbst koche, komme ich an manchen Tagen mit fünf Dollar aus.«

Snoop Dogg und Chris Hemsworth

Das Knüpfen von Kontakten in die Filmbranche scheint gut zu funktionieren, wenn man sich seinen Account bei Instagram (»saschaberowolf«) anschaut: Dort ist er mit Snoop Dogg und Chris Hemsworth zu sehen, auch mit Quentin Tarantino habe er ein paar Worte gewechselt. Wie es dazu kam? Glück. »Ich wusste auch nicht, wie ich zu einer Filmpremiere reinkomme. Ich wusste nur, dass es klappen würde.« Bei »Hobbs and Shaw« etwa habe ein Mann mit einem Ticket gewedelt, »ich dachte erst, er macht sich über mich lustig, dann hat er es mir in die Hand gedrückt«. Mittlerweile werde er auch zu Events eingeladen. »Eine verrückte Zeit. Morgens Badezimmer putzen und abends mit Persönlichkeiten anstoßen, die man aus den umsatzstärksten Filmen der Welt kennt.«

Doch das ist Wolf eigentlich nicht wichtig: Er will seinen eigenen Traum leben: vor und auch hinter der Kamera. Mit zwei Drehbüchern - Pilotfolgen für Serien - klopfe er aktuell an manche Türen, und ein bekannter Schauspieler habe ihm fest zugesagt, sich ein Script durchzulesen. »Ich bin froh, dass ich hier schon einige nette Menschen getroffen habe, die an mich glauben.«

Andere Menschen motivieren

Auch auf Unterstützung aus der Heimat kann er sich verlassen: Seine Familie und seine engsten Freunden stehen hinter ihm. Dass manche Bekannten ihm früher geraten haben, lieber einen »richtigen« Beruf auszuüben, nimmt er ihnen nicht übel. »Sie wollten, dass ich ein sicheres Einkommen habe und es mir gut geht. Mir geht es aber nur gut, wenn ich das mache, was ich liebe.«

Warum es unbedingt der Film sein muss? »Damit kann man Millionen Menschen zum Lächeln, zum Weinen, zum Lachen bringen - sie berühren.«

Mit seiner Geschichte wolle er andere motivieren, ihre Ziele zu verfolgen. »Mir fehlte anfangs der Mut. Ich musste von einem Ding zum anderen springen, bis ich das wiedergefunden habe, was ich schon immer machen wollte. Die einen nennen das unstetes, die anderen freies Leben.«

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