Wetterau

Samba-Musik ist unerwünscht

/Wetteraukreis (cor). 1919 konnten Frauen in Deutschland erstmals wählen. 100 Jahre danach steht mit der Europawahl am 26. Mai auch ein wichtiger Urnengang an. Die Wahl entscheidet, in welche Richtung sich die EU entwickeln wird. Unter dem Motto »Frauen wählt - Eure Stimme zählt« hat das Wetterauer Bündnis »100 Jahre Frauenrecht« am Freitag mit einem Aktionstag auf die Europawahl und deren Bedeutung aufmerksam gemacht, mit Mitmachaktionen in der Bad Nauheimer Innenstadt.
12. Mai 2019, 19:48 Uhr
Corinna Weigelt
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Mitmachaktionen und Informationen: Das Wetterauer Frauenaktionsbündnis »100 Jahre Frauenrecht« wirbt für die Teilnahme an der Europawahl. (Fotos: cor)

/Wetteraukreis (cor). 1919 konnten Frauen in Deutschland erstmals wählen. 100 Jahre danach steht mit der Europawahl am 26. Mai auch ein wichtiger Urnengang an. Die Wahl entscheidet, in welche Richtung sich die EU entwickeln wird. Unter dem Motto »Frauen wählt - Eure Stimme zählt« hat das Wetterauer Bündnis »100 Jahre Frauenrecht« am Freitag mit einem Aktionstag auf die Europawahl und deren Bedeutung aufmerksam gemacht, mit Mitmachaktionen in der Bad Nauheimer Innenstadt.

Dank der EU sei vieles in Sachen Gleichberechtigung und Chancengleichheit von Frauen und Männern erreicht worden, meinen die Mitglieder des Frauenaktionsbündnisses. Die Gleichstellung habe von Anfang an zu den Grundwerten der EU gehört, bis heute sei sie ein Motor für Gleichberechtigung, Solidarität und die Anerkennung von Vielfalt. Diese europäischen Errungenschaften gelte es zu stärken, zu verteidigen und voranzubringen.

Das Wetterauer Frauenbündnis, bestehend aus Wetterauer Bürgerinnen, die in verschiedenen Vereinen und Organisationen aktiv sind, hatte zu dem Aktionstag in der Kurstadt eingeladen. Zum Bündnis gehören die Frauenbeauftragten von Friedberg, Bad Nauheim und Wetteraukreis, Demokratie leben Wetteraukreis, Frauenzentrum Wetterau, FAB, Kirchengemeinde Friedberg und weitere Kooperationspartner. Unterstützt wurde die Veranstaltung auch vom Soroptimist Club Bad Nauheim.

Inmitten des Marktgeschehens wollten die Frauen nicht nur für die Teilnahme an der Europawahl werben, sondern auch ein Zeichen gegen Rechts setzen. Kein »Frauen zurück an den Herd«, keine Rückschritte zulassen, wie es Cornelia Wenk vom Fachbereich Jugend und Soziales der Kreisverwaltung ausdrückte. Gemeinsam mit weiteren Ansprechpartnerinnen erläuterte sie den Passanten, warum es so wichtig sei, sich an der Europawahl zu beteiligen und demokratische Parteien zu wählen, die für Gleichberechtigung und Chancengleichheit einstünden. Bei einem interaktiven Frage- und Antwortspiel zeigte sich, wie gut sich die Bürgerinnen mit der EU auskennen und was sie sich von Europa wünschen.

Unbekannte Abgeordnete

Fühlen sich die Menschen als Europäer? Soll Europa noch enger zusammenrücken? Muss die Europäische Union weiblicher werden? Diese Fragen beantworteten die Bürgerinnen ganz klar mit Ja. Wo EU-Gelder in der Wetterau eingesetzt werden, ist oftmals unbekannt. Ebenso kennen viele die hessischen EU-Abgeordneten nicht.

»Die Wahrnehmung der EU ist aber deutlich gestiegen«, sagte Kornelia Schäfer vom Wetteraukreis. »Sicherlich hat dazu auch die Brexit-Diskussion beigetragen.« Einige Frauen haben auch genaue Vorstellungen davon, was sich in Europa verändern muss. »Mehr Solidarität, gleiches Geld für gleiche Arbeit«, sagte eine junge Mutter.

Zum Leidwesen der engagierten Frauen konnte die Veranstaltung nicht ganz wie geplant verlaufen. Das Musizieren an der Stele in der Fußgängerzone war nach Angaben der Organisatorinnen von der Leitung des Wochenmarkts verboten worden. Kaum hatte die Samba-Truppe »Vamos Lá!« ihr erstes Stück gespielt, war wieder Schluss. »Die Veranstaltung wurde im Vorfeld mit Musik und Mitmachaktionen offiziell genehmigt«, sagten die enttäuschten Veranstalterinnen.

Der Aktionstag wurde vom Wetteraukreis unterstützt und vom Bundesfamilienministerium gefördert. Mehr Infos zur Europawahl gibt es auch auf der Website frauenseiten.wetterau.de.

Artikel: https://www.giessener-allgemeine.de/regional/wetteraukreis/friedbergbadnauheim/Wetterau-Samba-Musik-ist-unerwuenscht;art472,588630

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