03. November 2018, 06:00 Uhr

RMV-Versprechen

S 6 im 15-Minuten-Takt? Von wegen

Der RMV hate einen 15-Minuten-Takt auf der S 6 angekündigt. Zum Fahrplanwechsel Anfang Dezember soll also das möglich sein, wofür gerade mit Millionenaufwand neue Gleise gebaut werden?
03. November 2018, 06:00 Uhr
Laut Rhein-Main-Verkehrsverbund soll die S 6 ab dem neuen Fahrplan im 15-Minuten-Takt unterwegs sein. Ein Blick auf den neuen Fahrplan zeigt etwas ganz anderes. (Foto: pe)

Alljährlich im Dezember gibt es im gesamten öffentlichen Fern- und Nahverkehr neue Fahrpläne und fast immer höhere Preise. In diesem Jahr werden die Fahrpläne am 9. Dezember umgestellt. Und da ist es üblich, dass die Verantwortlichen des Rhein-Main-Verkehrsverbundes (RMV) in einer Pressekonferenz neben der schlechten Nachricht höherer Ticketpreise auch gute Nachrichten verkünden. So war es auch dieser Tage, als RMV-Geschäftsführer Knut Ringat für die Wetterauer eine frohe Botschaft hatte. »S6: 15-Minuten-Takt zwischen Groß-Karben und Frankfurt montags bis freitags bis 20.00 Uhr«, hieß es da, seit der Pressekonferenz auch im Online-Portal des RMV nachlesbar. Das verheißt Verbesserungen für die vielen leidgeprüften Wetterauer Pendler, die täglich morgens nach Frankfurt zur Arbeit und abends wieder heim müssen. Und das ohne den Bau eigener Gleise, die eigentlich den 15-Minuten-Takt erst möglich machen sollen, geht es nach den Verantwortlichen.

Wer schon mal einen Blick in den neuen Fahrplan wirft, merkt schnell, dass es auf der S6 auch künftig keinen Viertelstundentakt gibt. Die Züge fahren zwischen Groß-Karben und Frankfurt wie aktuell auch in einem sogenannten Rütteltakt. Wer abends nach Frankfurt will, hat Abstände zwischen den Bahnen von, zehn, elf oder 20 Minuten. Aus Frankfurt indes gibt es die Abfahrten im Viertelstundentakt: 18.19 Uhr, .34, .49, .04 usw. »Den Viertelstundentakt haben wir nur bis Frankfurt-West«, gibt eine Sprecherin der Bahn auf Anfrage dieser Zeitung zu. Danach komme es infolge Überholungen durch Intercitys und Regionalexpresszüge und damit zu Wartezeiten der S-Bahn zu Verzögerungen. Das ist auch der Grund, warum laut Fahrplan die S-Bahnen zwischen Frankfurt-West und Friedberg zwischen 19 und 28 Minuten benötigen. Eingeplant sind auch unterschiedlich lange Fahrzeiten von Groß-Karben nach Frankfurt: Wer morgens die S-Bahn um 7.31 Uhr besteigt, ist bis Frankfurt-Hauptbahnhof ab 9. Dezember 40 Minuten unterwegs, 13 Minuten länger als normalerweise.

Die Sprecherin des RMV, Vanessa Rehermann, gibt denn auch zu: »Das mit dem 15-Minuten-Takt war ein wenig unsauber formuliert.« Vielmehr gehe es darum, dass der RMV bei der Deutschen Bahn von 6 bis 20 Uhr vier Züge pro Stunde bestellt habe. »Wir wollen damit den Passagieren mehr Plätze und mehr Züge bieten.« Es sei dann Aufgabe der Bahn gewesen, diese bestellen Mehrfahrten auf der Strecke zu planen. Vor allem gehe es dem RMV darum, das Angebot für Berufstätige bis um 20 Uhr auszuweiten. Das sei erfüllt worden, die Bahn setze zwei zusätzliche Züge ein.

»Wir hatten auch geprüft, ob wir die bestehenden Züge nicht verlängern können, um mehr Platz anzubieten. Aber das ließe sich wegen der zu kurzen Bahnsteige an einigen Stationen nicht erreichen«, so Rehermann.

Einige dieser zusätzlichen Züge verkehren laut Fahrplan im abendlichen Berufsverkehr im Abstand von fünf Minuten. Wer von Groß-Karben nach Friedberg will, kann um 17.54 Uhr, um 17.59 Uhr, 18.24 Uhr oder 18.29 Uhr fahren. Was also, wenn der erste Zug fünf Minuten Verspätung hat? Die Sprecherin der Deutschen Bahn sieht darin kein Problem: »Wir fahren ja auch durch den Frankfurter Tunnel im Abstand von zweieinhalb Minuten.«

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