26. August 2019, 20:32 Uhr

Römerberg-Quartett fasziniert

26. August 2019, 20:32 Uhr
Das Römerberg-Quartett hat sich spanischen Melodien aus dem 19. und 20. Jahrhundert gewidmet. Über 100 Zuhörer sind dazu in die Stadtkirche gekommen. (Foto: gk)

Abschluss und Höhepunkt der diesjährigen 25. Friedberger Sommerkonzerte war ein mitreißendes Konzert. Das Römerberg-Quartett (Michael Hahn/Andrea Seeger - Violine; Hildegard Singer - Viola; Ruth Sarrazin am Violoncello) und der renommierte Gitarrist Christian Reichert waren am vergangenen Sonntagabend in die Stadtkirche gekommen, um über 100 Zuhörer mit spanischen Melodien aus dem 19. und 20. Jahrhundert zu begeistern.

Den Auftakt bildete der 1. Satz (Allegro) aus Juan Crisóstomo Arriagas 1824 veröffentlichtem Streichquartett Nr. 1 in d-Moll. Der 1806 im baskischen Bilbao geborene Tonsetzer wird nicht nur wegen seines frühen Todes zehn Tage vor seinem 20. Geburtstag »spanischer Mozart« genannt. Ob dieser Vergleich zutreffend ist, steht dahin. Wer das hinreißende Allegro mit romantischen Anklängen - kongenial interpretiert vom Römerberg-Quartett - auf sich einwirken lässt, fühlt sich eher an Franz Schubert erinnert. Der düster beginnende erste Satz mündet bald in lichte Helle und besticht durch dramatische Kontraste. Das nicht einmal 18-jährige Wunderkind verblüfft mit souveräner Beherrschung aller nur denkbaren Mittel der Kompositionstechnik. Der Hommage an einen Frühvollendeten folgten zwei Sätze aus dem Gitarrenquintett, op. 143 des 1895 geborenen deutschstämmigen Mario Castelnuovo-Tedesco. Zu Beginn fasziniert die Zwiesprache zwischen Streichern und dem Gitarristen, zu der jedes Instrument seinen Teil beiträgt.

Der 1882 in Sevilla geborene Joaquín Turina schuf neben vielem anderen neun kammermusikalische Werke. Eines davon - die Serenata für Streichquartett, op. 87 aus dem Jahr 1935 - brachten die mit zahlreichen Preisen bedachten Mitglieder des Römerberg-Quartetts als nächstes zum Vortrag. Dieses »impressionistische« Stück verarbeitet auf kunstvolle Weise Motive aus der andalusischen Folklore.

»Fuoco«/Feuer: Das furiose, anspruchsvolle Werk für Sologitarre des 1955 geborenen Roland Dyens bot Christian Reichert, der u. a. an der Freiburger Musikhochschule lehrt, erstmals Gelegenheit, den ganzen Reichtum seines Könnens zu demonstrieren.

Glanzvoller Höhepunkt

Nach der Pause kehrten die Streicher zu Arriaga zurück und spielten den 4. Satz (Adagio - Allegretto) seines d-Moll-Quartetts. In seiner heiteren, folkloristische Motive aus seiner baskischen Heimat aufgreifenden Beschwingtheit beeindruckt dieser Schlusssatz des Quartetts nicht zuletzt durch kunstvolle Kontrapunktik. Das Werk eines unter 18-Jährigen - einfach fantastisch.

Christian Reicherts Interpretation von Francisco Tárregas Flamenco-Variationen »Gran Jota« mit extrem schnellen Läufen riss die Hörer zu frenetischem Applaus hin. Unüberhörbar ist in diesem wie fast allen Werken Tárregas revolutionäre Fortentwicklung der Gitarrentechnik. Glanzvoller Höhepunkt des Abends in der Stadtkirche war das berühmte dreisätzige »Fandango-Quintett« von Luigi Boccherini aus dem Jahr 1798. Das wenige Jahre vor seinem Tod 1805 geschaffene Werk beginnt mit einem Allegro im Marschrhythmus und bot Ruth Sarrazin am Cello mit umfangreichen Soli Gelegenheit zur Demonstration der souveränen Beherrschung ihres Instruments. In der folgenden Pastorale greift Boccherini volkstümliche Motive aus seiner Heimat im Appenin auf. Finale des Quintetts ist der ausgiebig variierte Fandango - ein ausgelassener andalusischer Volkstanz und Vorläufer des Flamenco. Seine betörende Wirkung wird durch den Einsatz von Kastagnetten noch gesteigert. Langanhaltender Applaus und »Granada« als Zugabe beendeten das Konzert.

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