24. August 2018, 13:00 Uhr

Raumnot

Rathaus will expandieren und hat Alte Post im Blick

Im Rathaus fehlen Büros. Bürgermeister Dirk Antkowiak (CDU) will das Nachbargebäude kaufen, die Alte Post. Das Staatliche Schulamt will aber gar nicht ausziehen.
24. August 2018, 13:00 Uhr
Die Alte Post in der Mainzer-Tor- Anlage könnte die Raumprobleme im Rathaus lösen. Das Gebäude steht zum Verkauf. (Foto: Nici Merz)

Im Friedberger Rathaus sind nicht alle Stellen besetzt. Stellenbesetzungssperren sollen beim Sparen helfen. Ein anderer Grund ist, dass nicht genügend Büros für die benötigte Zahl an Mitarbeitern vorhanden ist. Das Rathaus platzt aus allen Nähten.

In den vergangenen Jahren wurden mehrere Anläufe genommen, um mehr Platz für das Bauamt zu schaffen. Ein Neubau im Rathauspark wäre praktisch, aber kostspielig und würde den kleinen Park zerstören. Für einen Anbau in der Großen Klostergasse gab es schon Pläne, das Projekt wurde verworfen. Auch gab es die Überlegung, das Bauamt in einem der Kasernengebäude unterzubringen. Doch wie lange will die Stadt noch warten, bis die Kaserne bezugsreif ist?

»Als ich gehört habe, dass die Alte Post zum Verkauf steht, habe ich sofort die Hand drauf gelegt«, sagt Bürgermeister Dirk Antkowiak. Er spricht von einer »einmaligen Chance«. Der Eigentümer hat das 1913 errichtete Gebäude (siehe Kasten) mit dem mächtigen Walmdach zum Verkauf angeboten. Ein Betrag im unteren sechsstelligen Bereich wird abgerufen, über Zahlen will der Bürgermeister noch nicht sprechen. Nach Magistrat und Stadtentwicklungsausschuss hat am Mittwoch auch der Haupt- und Finanzausschuss grünes Licht gegeben, das Stadtparlament hat am Donnerstag das vorerst letzte Wort. Bei einer Zustimmung, die erwartet wird, kann Antkowiak Verkaufsverhandlungen mit dem Besitzer aufnehmen.

Technisches Rathaus im Sinn

Die Zeit drängt. Eiligst rief der Bürgermeister vergangene Woche Magistrat und Fraktionsvorsitzende zusammen, erarbeitete eine Vorlage für das Stadtparlament. »Ich hatte versprochen, bei großen Projekten diese Runde vorab zu informieren.« Das Feedback sei positiv gewesen, auch die Amtsleiter hätten ihn bestärkt, die Pläne zu verfolgen.

Die Stadt wird nicht der einzige Interessent für das 2995 Quadratmeter große Anwesen in der Mainzer-Tor-Anlage 8 sein. In dem zweistöckigen Gebäude stehen 1500 Quadratmeter Fläche zur Verfügung, im Nebengebäude sind es weitere 300 Quadratmeter. Hier sind moderne Klassenräume mit digitalen Schultafeln (»Whiteboards«) und Beamern eingerichtet, die als Sitzungssäle dienen könnten. Vorteilhaft ist die direkte Nachbarschaft mit dem Rathaus: Aus der Alten Post könne ein Technisches Rathaus werden, die Platzprobleme wären auf einen Schlag behoben. Antkowiak: »Die Außenstellen der Verwaltung könnten aufgelöst werden, wir hätten ein Rathaus der kurzen Wege.«

Was Antkowiak nicht will: Dass die Alte Post von einem Privatinvestor aufgekauft wird und dann womöglich als Spekulationsobjekt jahrelang brach liegt, wie es in Frankfurt mit der Polizeidirektion der Fall sei. »Die beiden Nachbargebäude, sind stadtbildprägend.« Dieses Ensemble gelte es zu erhalten und mit Leben zu füllen.

Mehr Büros, aber kein Aufzug

Der Vorteil der Alten Post gegenüber dem Rathaus, der ehemaligen Blindenanstalt: Das Gebäude verfügt über Mittelflure und damit über deutlich mehr Büros. Was fehlt, ist ein Aufzug. Das Gebäude ist nicht barrierefrei, der Einbau zwingend erforderlich. Welche Kosten die Sanierungsarbeiten verschlingen, soll noch ermittelt werden. Klar ist für Antkowiak aber schon jetzt: »Ankauf und Sanierung der Alten Post kämen die Stadt günstiger als Kauf und Sanierung oder auch Neubau eines Gebäudes in der Kaserne.«

Für Schulamtsdirektorin Dr. Rosemarie zur Heiden kommt die Entwicklung überraschend. »Wir wollen nicht ausziehen.« Wenn der Eigentümer verkaufen wolle, sei das sein gutes Recht; er müsse auch nicht die Mieter – in diesem Fall das Land Hessen – informieren. Der Mietvertrag verlängere sich jeweils um ein Jahr, wenn er nicht gekündigt werde, sagte zur Heiden. Bei einem Verkauf gelte er zunächst weiter. Bekäme die Stadt den Zuschlag und spreche die Kündigung aus, müsse das Land Hessen neue Räume anmieten. »Wir wollen in Friedberg bleiben und haben kein Interesse umzuziehen. Unsere Mitarbeiter haben sich auf diesen Dienstort eingerichtet«, sagte die Leiterin des Schulamtes.

 

Infobox

Alte Post

Die Alte Post in der Mainzer-Tor-Anlage 8 wurde 1913 gebaut, das Gebäude löste das Postamt von 1889 in der Alten Bahnhofstraße 15 (später bekannt als Pietrek-Textilhaus). Es steht zwischen Rathaus und dem 1907 errichteten Haus des Handwerks. Das Gebäude ist denkmalgeschützt und laut Denkmaltopographie ein »Beispiel des Bauens vor dem Ersten Weltkrieg, bei dem sich Sachlichkeit und Historismus überlagern«. Auffällig sind der polygonale Eckpavillon und der reich ornamentierte Neorenaissance-Giebel des Querbaus über einem ansonsten eher nüchternen Gebäude. Derzeit ist das Staatliche Schulamt für den Wetteraukreis und den Hochtaunuskreis dort untergebracht. (jw)

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