20. Oktober 2019, 12:00 Uhr

Blühende Landschaften im Herbst

Raps im Herbst? Das wächst auf den gelben Feldern in der Wetterau

Wer in diesen Tagen in der Natur unterwegs ist, der entdeckt das ein oder andere blühende Feld. »Ja, ist denn schon Frühling?«, mag man sich da zuerst fragen. Was da blüht, ist aber nicht der Raps.
20. Oktober 2019, 12:00 Uhr
Das hat der Senf gemacht: Die leuchtend gelben Blüten stechen im Herbst besonders ins Auge. (Fotos: Nici Merz)

Die Niederschläge der vergangenen Wochen haben der Natur gutgetan. Im Sommer auf abgeernteten Feldern ausgebracht, geht die Saat nun auf. Vor allem die hellgelben Blüten des Weißen Senfs sorgen für willkommene Farbtupfer an den oftmals trüben Herbsttagen.

Nur sehr selten aber werden die Samen des Kreuzblütlers zu Senf verarbeitet. Als Hauptfrucht werden sie hierzulande nur selten angebaut. »Bei uns gibt es dafür keinen Markt«, erklärt das Pflanzenbauexperte Herbert Becker vom Landesbetrieb Landwirtschaft Hessen (LLH).

Wohl aber wird der Weiße Senf als Zwischenfrucht zur Bodenverbesserung genutzt. Wie Kreislandwirt Michael Schneller sagt, kommen dabei Grundsätze der Fruchtfolge zum Tragen: »Wo zum Beispiel Raps als Hauptfrucht angebaut wird, kommt Senf nicht infrage.« Da beide zur gleichen Pflanzengattung gehörten, würde andernfalls eine Ausbreitung von Krankheiten befördert.

Auch wenn der Weiße Senf durch seine auffälligen Blüten in diesen Wochen das Landschaftsbild prägt, gedeihen auf Böden hierzulande doch auch andere Sorten mit gleicher Zweckbestimmung. Laut Schneller sind das etwa Weißklee, Phacelia, Lupinen und weitere Hülsenfrüchte. Die EU schreibe den Landwirten sogenanntes Greening, also Gründüngung, ohnehin vor.

Es blüht in der Wetterau: Weißer Senf verbessert den Boden

»Der Weiße Senf funktioniert in der Wetterau zum Beispiel gut als Zwischenfrucht vor Zuckerrüben«, sagt Schneller. Er wachse schnell und verbessere den Boden. Er selbst baue Senf auf rund 25 Prozent seiner Zuckerrüben-Flächen an. Als Futter werde der Weiße Senf hingegen kaum noch verwendet. Generell habe die Viehaltung in der Wetterau stark abgenommen.

Alle Gründüngungspflanzen, ob nun Senf, Hirse oder Ölrettich, zeichneten sich durch eine intensive Durchwurzelung des Bodens und Vermeidung von Erosion aus. Sie tragen zum Gewässerschutz bei und sind ein Plus für alles, was da kreucht und fleucht unter der Erdoberfläche und die Humusbildung fördert.

Außerdem binden Pflanzen wie der Weiße Senf Stickstoff und speichern ihn. Nach der Vegetationsperiode werden die Pflanzen »eingeschlegelt«, also mit dem Mulcher eingepflügt, und führen der Krume wertvollen Stickstoffdünger zu, der der nächsten Frucht zur Verfügung steht. Friere der Senf im Winter ab, könne man sich das Mulchen sogar sparen, sagt Schneller.

Und noch einen Vorteil hat der Senf: Wie andere Gründünger, die kurz vorm Ende der Vegetationsperiode blühen, beschert auch diese Pflanze den Insekten Nahrung. Unter anderem Wildbienen naschen von der leuchtenden Blütenpracht.

Schlagworte in diesem Artikel

  • Frühling
  • Herbert Becker
  • Herbst
  • Raps
  • Senf
  • Wetterau
  • Wetteraukreis
  • Schlagwort zu
    Meine Themen

    Sie haben bereits 15 Themen gewählt

    Sie folgen diesem
    Thema bereits

Klicken Sie auf ein Schlagwort, um es zu „Meine Themen” hinzuzufügen oder weitere Inhalte dazu zu sehen.


0
Kommentare | Kommentieren

Bilder und Videos

Kommentare

Kommentar hinzufügen

Kommentar schreiben - Ihre Meinung zum Thema ist gefragt


Kommentare werden erst nach einer Prüfung durch die Redaktion veröffentlicht. Bitte beachten Sie die Netiquette sowie die Hinweise nach dem Absenden Ihres Beitrags.


Überschrift
Meine Meinung





Sie haben noch kein Login? Jetzt kostenlos registrieren.

Registrieren Sie sich kostenlos um Ihren Kommentar abzuschließen:

Wir garantieren Ihnen, dass alle persönlichen Daten nur beim Verlag intern verwendet werden und nicht ohne Zustimmung an Dritte weitergegeben werden.


Bitte beantworten Sie noch die folgende Sicherheitsfrage:
Wieviel ist 10 x 2: 




Sie sind bereits registriert? Zurück zum Login.