26. Januar 2018, 11:24 Uhr

Polizisten attackiert

Randale nach Eintracht-Spiel hat ein Nachspiel für Friedberger

Ein 23-jähriger Eintracht-Fan aus Friedberg soll bei der Heimfahrt vom Gladbach-Spiel Polizisten attackiert haben. Nun musste er sich vor Gericht verantworten.
26. Januar 2018, 11:24 Uhr
Avatar_neutral
Von Jürgen W. Niehoff
(Foto: Marius Becker (dpa))

Dass auch für eingefleischte Fußball-Fans die üblichen Umgangsformen gelten, hat ein jugendlicher Anhänger der Frankfurter Eintracht aus Friedberg erfahren müssen. Wegen Widerstands gegen Polizeibeamte muss er 25 Arbeitsstunden ableisten.

Bereits zum zweiten Male musste sich die Friedberger Jugendrichterin Janine Franzke auf Antrag der Verteidigung mit dem Fall des inzwischen 21-jährigen Sascha W. (Name geändert, d. Red.) befassen. Am 12. März 2016 nach einem Fußballspiel der Eintracht gegen Borussia Mönchengladbach soll er auf der Heimfahrt auf dem Düsseldorfer Bahnhof Polizeibeamte getreten und geschlagen haben.

 

Filmmaterial präsentiert

W. selbst wollte bei der Gerichtsverhandlung nicht Stellung nehmen. Deshalb war das Gericht auf die Aussagen der Polizeibeamten und deren Videoaufzeichnungen angewiesen. Um ein Aufeinandertreffen der Fußballfans beider Vereinen von Anfang an zu vermeiden, wurden die Frankfurter Fußballfans von einer etwa 50-köpfigen Polizeieinheit begleitet. Bis zum Umsteigen auf dem Düsseldorfer Bahnhof lief alles glatt. Dann aber begannen einigen Fans mit Randale, warfen Flaschen, attackierten die Polizei. Auch der Angeklagte Sascha W. soll getreten und geschlagen haben, weshalb er von den Beamten ergriffen, auf den Boden geworfen und gefesselt wurde. Die Polizei hatte dem Gericht lediglich eine längere Zusammenfassung des Filmmaterials von mindestens vier Kameras auf DVD zur Verfügung gestellt. Das komplette Material befindet sich auf einer Blue-Ray, für die das Gericht keine Abspielvorrichtung hat.



Da die Verteidigung einen eindeutigen Beweis der angeblichen Verfehlungen ihres Mandanten forderte, diese aber auf dem einsehbaren Bildmaterial nicht gegeben waren, forderte sie weiteres Filmmaterial. »Die Fans sehen alle gleich aus. Zeigen Sie mir auf den Bildern, wo mein Mandant sie getreten oder geschlagen haben soll«, forderte Verteidigerin Waltraud Verleih die Polizeibeamten auf.

 

Verfahren wird eingestellt

Auf dem Filmmaterial war der Angeklagte nämlich nicht bei einer Widerstandshandlung gegen Polizeibeamte, sondern nur bei seiner Verhaftung zu sehen. Es gebe aber anderes Filmmaterial, so die Verteidigerin, das anderen Gerichten im Zusammenhang mit diesem Ereignis vorgelegen haben soll, wo der Angeklagte friedlich am Rande des Fanblocks stehend zu sehen gewesen sein soll.

Weil der Prozess dann wieder von vorne hätte beginnen müssen, das Ereignis schon zwei Jahre zurückliegt und der Angeklagte sich seither keine weiteren Verfehlungen zu schulden kommen ließ, wurde das Verfahren auf Vorschlag der Verteidigung eingestellt. Allerdings mit der Auflage, dass der Angeklagte 25 Stunden gemeinnützige Arbeit ableistet. Dies könne er möglicherweise sogar bei seinem Lieblingsverein Eintracht Frankfurt erfolgen, wie die Jugendgerichtshilfe andeutete. Der 21-jährige Straßenbauer akzeptierte die Auflage daraufhin sofort.



0
Kommentare | Kommentieren

Bilder und Videos