05. Oktober 2017, 08:00 Uhr

Bewährungsstrafe

Randale mit Eisenstange

Eine handfeste Auseinandersetzung endete nicht nur vor Gericht, sondern bringt dem Angreifer zwei Monate Untersuchungshaft und eine fünfmonatige Gefängnisstrafe ein.
05. Oktober 2017, 08:00 Uhr
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Von Jürgen W. Niehoff
Friedberg Amtesgericht. (Foto: nic)

Das urteilte das Amtsgericht Friedberg in einem Fall der versuchten, gefährlichen Körperverletzung und Urkundenfälschung.

Zu Beginn der vermeintlichen Freundschaft war es noch Mitleid: Der 74-jährige ehemalige Landwirt und heutige Rentner Norbert M. (Name geändert) aus Rosbach hatte Mitte 2015 dem wohnsitzlosen Hartz IV-Empfänger Patrick H. (Name geändert), der seit seinem letzten Gefängnisaufenthalt in einem alten Campingwagen hauste, ein kleines Gartengrundstück unentgeltlich als vorübergehenden Wohnsitz überlassen. Einzige Gegenleistung: Er sollte auf das Grundstück aufpassen und es in Schuss halten. Als M., der jetzt in Bayern lebt, im März 2016 in Rosbach vorbeischaute und sein Gartengrundstück völlig verwahrlost vorfand, kam es zum Streit.

Er werde bei der Gemeinde eine Genehmigung zum Feuer machen einholen und dann den Müll auf dem Grundstück entsorgen. Drei Tage später setzte M. seine Ankündigung um, erschien auf dem Grundstück und entfachte ein Feuer. Kurze Zeit später erschien der Angeklagte und kritisierte das Verbrennen heftig. Schließlich seien es doch seine Utensilien. Als M. sich nicht beirren ließ und weiter Gegenstände in das Feuer warf, packte auch der Angeklagte zu und wollte retten, was zu retten war. So zumindest seine Version des Geschehens.

Unterschiedliche Angaben zum Tathergang

Beim Wegräumen eines Eisenzaunes sei er wohl versehentlich gegen den hinteren Kotflügel von M.s Auto gestoßen. Dieser sei daraufhin in sein Auto gesprungen, habe den Motor gestartet und sei auf ihn zugefahren, sodass er sich nur noch mit einem Sprung auf die Motorhaube des fahrenden Autos habe retten können. Er habe gegen die Frontscheibe des Autos geklopft, um M. zum Anhalten zu bewegen. Doch der sei rund 150 Meter weitergefahren.

M. schilderte den Vorgang ganz anders. Es sei erneut zu dem Streit wegen der Müllentsorgung gekommen. Im Laufe dieser Auseinandersetzung habe der Angeklagte nach einer Eisenstange gegriffen und damit auf sein Auto eingeschlagen. Anschließend habe er sich mit der Eisenstange in der Hand vor ihm aufgebaut und ihm gedroht, ihm »in die Fresse zu hauen«. Aus Angst sei M. daraufhin in sein Auto geflüchtet und habe versucht, davonzufahren.

Der Angeklagte sei um das Auto herumgelaufen, und als er davonfahren wollte, sei er auf die Motorhaube gesprungen, habe ihm die Windschutzscheibe eingeschlagen und den Scheibenwischer abgerissen. M. habe daraufhin die Polizei alarmiert.

Freund des Angeklagten sagt gegen ihn aus

Um seine Version glaubhaft zu machen, hatte der Angeklagte einen Freund gebeten, vor Gericht auszusagen. Doch ebendieser Freund, der in seiner Aussage unfreiwillig das Fahren ohne Führerschein eingeräumt hatte, bestätigte die Drohungen, die vom Angeklagten ausgegangen waren.

Zusammen mit einem weiteren Delikt, der Urkundenfälschung durch das Anbringen falscher Kennzeichen an sein Auto, beantragte die Staatsanwaltschaft eine fünfmonatige Haftstrafe gegen den 43-jährigen H. wegen versuchter, gefährlicher Körperverletzung und Sachbeschädigung sowie Urkundenfälschung. Das Gericht folgte der Anklage. Die Haftstrafe wurde zu Bewährung ausgesetzt. Der Angeklagte muss zudem 150 Stunden gemeinnützige Arbeit ableisten.



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