02. Oktober 2017, 05:00 Uhr

Einbruchs-Vorbereitung?

Rätselhafte Zeichen in Ockstadt

Vergangene Woche fanden Anwohner im Friedberger Ortsteil Ockstadt mysteriöse Kreidezeichen vor ihrem Haus. Handelte es sich hierbei um Gaunerzinken?
02. Oktober 2017, 05:00 Uhr
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Von Isabell Steinhauer
Dennis Kardasch sind die Kreidezeichen in Ockstadt aufgefallen. Er hält sie für so genannte Gaunerzinken. Die Kreidezeichen sind mittlerweile von Anwohnern entfernt worden. (Foto: pv)

Gezackte Linien als Warnung vor dem Hund oder ein »X« als Botschaft, dass sich ein Einbruch lohnt – bereits im Mittelalter wurden sogenannten Zinken als geheime Codes von Einbrechern, aber auch Bettlern und Hausierern genutzt. Immer wieder gibt es Hinweise in den Medien, aber auch polizeiliche Meldungen, dass Einbrecherbanden solche Zeichen verwendeten. Claudia Geyers Beitrag auf Facebook wurde inzwischen über 600 Mal geteilt.

Ihr Lebensgefährte Dennis Kardasch entdeckte die Kreidezeichen vor dem Haus. »Im Bereich Bachgasse, Allmendstraße und Alte Burgstraße waren dann weitere«, sagt Kardasch. Er informierte die Polizei, die zunächst skeptisch gewesen sei, da die Zeichen teils auf dem Bürgersteig zu sehen waren. Sie habe seine Annahme, dass es sich um Gaunerzinken handelt, dann aber bestätigt. Auch an eher versteckten Stellen habe er Zeichen gefunden. »Meiner Ansicht nach können das keine Kinder gewesen sein. Die Bachgasse ist an dieser Stelle so schmal, da laufen keine Kinder«, meint Kardasch. Die Zinken habe man natürlich entfernt. »Mir ging es mit der Veröffentlichung der Fotos nicht darum, Panik zu verbreiten«, sagt Kardasch, »aber wir fühlten uns verpflichtet, zumindest davor zu warnen.«

 

Von Polizei nicht ernst genommen

Alex Hess wohnt ebenfalls in Ockstadt und betreibt mit Tatjana Radewald den Laden »Natürlich bunt« in Friedberg. Vor etwa drei Jahren wurde hier und in einige andere Läden in der Stadt eingebrochen. »In der Woche vorher kam ein Paar in den Laden und ließ sich Schmuck zeigen«, erzählt Hess. »Ich hörte, dass vorne noch jemand im Laden war, der dann wieder ging.« Das Paar habe sich Notizen gemacht und wollte angeblich mit Bargeld wiederkommen. Außerdem habe sie später noch jemanden gesehen, der den Laden fotografierte. Abends entdeckte sie hinter einem Warenständer vor der Ladentür ein Kreidezeichen an der Wand – ein »X«, eingekreist von einem Pfeil. Von der Polizei, die sie anschließend informierte, fühlt sie sich nicht ernst genommen.

»Sie meinten, wir hätten nichts im Laden, was sich zu stehlen lohne«, sagt Hess. Eine Woche später geschah der Einbruch, Wechselgeld und Schmuck, etwa 100 Edelstein- und Bernsteinketten, hatten die Täter mitgehen lassen. Seitdem habe sie die Sicherheitsmaßnahmen im Laden erhöht und Kameras angebracht. »Hätte ich nicht vorher im Fernsehen von Gaunerzinken erfahren, wäre es mir vielleicht nicht aufgefallen.« Ein halbes Jahr später habe es eine Einbruchsserie in Bad Nauheim gegeben, bei der auch ihre Mutter betroffen gewesen sei. Auch hier habe man im Vorfeld Gaunerzinken am Haus entdeckt.
 

 

Auch Einbrecher haben Handys

Sylvia Jacob von der polizeidienstlichen Beratungsstelle des Wetteraukreises sagt, sie habe im Laufe ihrer Dienstzeit noch nie mit Gaunerzinken zu tun gehabt. Sie hält sie eher für ein mediales Phänomen. Nach Erfahrung der Kriminalpolizei benutzten auch Einbrecher heute moderne Kommunikationsmittel wie Handys. »Das ist deutlich einfacher als irgendwelche Zeichen. Zumal Kreidespuren bei Regen ja auch verschwinden.« Daher halte die Kriminalpolizei die Kreidezeichen eindeutig für Kinderschmierereien. Dafür spreche auch das sehr auffällige Anbringen der Zinken.

Drei Fragen an

Kriminaloberkommissarin Sylvia Jacob

Frau Jacob, was können Bewohner tun, um einem Einbruch vorzubeugen?

Sylvia Jacob: Grundsätzlich sollte das Haus immer den Eindruck erwecken, dass jemand zu Hause ist. Bewegungsmelder sind ebenso sinnvoll wie Zeitschaltuhren für Lampen. Es gibt sogar spezielle Lampen, die den Eindruck eines laufenden TVs erwecken.

Und bei längerer Abwesenheit, wenn man in den Urlaub fährt?

Jacob: Auch hier gilt: nie nach außen zeigen, dass niemand da ist. Also nicht alle Rollos tagsüber runterlassen. Nachbarn oder Freunde bitten, Mülleimer rein- und rauszustellen und regelmäßig den Briefkasten zu leeren.

Nehmen Wohnungseinbrüche zu?

Jacob: Zahlenmäßig gehen Einbrüche definitiv zurück, auch bei uns im Wetteraukreis. Trotzdem ist Einbruchsschutz ein wichtiges Thema, denn Einbrüche sind nach wie vor ein lukratives Geschäft. Daher berät die Polizei des Wetteraukreises Hauseigentümer und Mieter kostenlos. Erreichen können Sie mich unter 06031 601-153 oder sylvia.jacob@polizei.hessen.de. (Foto: pv)



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