09. April 2019, 14:00 Uhr

Fahrspaßschule

Pure Freude und Dankbarkeit in der Fahrspaßschule Friedberg

Fahren ohne Führerschein? Das ist eigentlich strafbar. Aber nicht für die fast 500 Besucher der Fahrspaßschule auf dem Burgfeld und im Junity in Friedberg.
09. April 2019, 14:00 Uhr
Dominic (l.) und sein Freund Timo (r.) finden es super, dass sie von Fahrlehrer Marco Kreysa die Möglichkeit bekommen, selbst Auto zu fahren. (Fotos: Marion Müller)

Ich will Spaß, ich will Spaß. Ich geb’ Gas ich geb’ Gas«, schallt der 80er-Jahre-Hit von Markus aus den Boxen über das Burgfeld. Immer wieder hupt es. Überall lachen die Menschen, manche springen vor Freude in die Luft. Andere umarmen die Organisatoren vor Begeisterung. Bei der Fahrspaßschule am vergangenen Samstag des Vereins »Mensch mach mit« zusammen mit der Fahrschule Jost und dem Junity ist die Freude der Teilnehmer in den Gesichtern zu sehen.

»Die Leute freuen sich das ganze Jahr über auf das Event«, sagt Susanne Jost. Sie leitet zusammen mit ihrem Mann Karlheinz die Fahrschule. »Für uns ist das so ein Tag, an dem man mal wieder auf den Boden kommt.« Zur Fahrspaßschule haben sich 480 Menschen angemeldet. »Leider haben wir nur 324 Plätze«, sagt Klaus Schumacher, Vorsitzender von »Mensch mach mit«. Zum fünften Mal dürfen beeinträchtigte Menschen hinter das Steuer und Auto fahren. Oder sie steigen in den Fahrschul-Lkw ein. Wie Katja.

 

Millimeterarbeit im vier Meter hohen Laster

Die junge Frau setzt sich direkt neben Fahrlehrer Ralph Eisenträger – auf den Fahrlehrersitz. »Toll! Hier oben sieht man alles«, stellt Katja begeistert fest. Eisenträger erklärt der jungen Frau und den drei anderen Mitfahrern, wozu die vielen Spiegel da sind und was ein toter Winkel ist. Gespannt hören alle zu. Der 26-Tonnen-Lkw hat 400 PS. Darüber staunt Katja. Vor allem, als sich das große Fahrzeug in Bewegung setzt. »Cool, hier oben im Lkw zu fahren. Das kenne ich nur aus dem Fernsehen.«

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Katja hat bei ihrer Fahrt mit Fahrlehrer Ralph Eisenträger viel sehen können und erfahren.

Eisenträger fährt durch Bad Nauheim. »Das ist ja ziemlich eng«, stellt Katja fest. Gerade manövriert der Fahrlehrer den vier Meter hohen Laster um eine Kurve in eine schmale Straße. Millimetergenau fährt Eisenträger am Baustellenschild vorbei. Nur die Äste vom Baum streifen die Fahrerkabine etwas.

Schaukelnd geht es weiter. »Warum schaukelt das alles so?«, fragt Katja. »Wenn wir Joghurts fahren, dürfen die keinen Schaden nehmen«, erklärt der Fahrlehrer. »Deshalb ist das alles komfortgefedert.« Zurück auf dem Gelände am Junity steigen alle über die große Treppe aus – wie aus einem Flugzeug. Katja bedankt sich bei Eisenträger und holt sich noch einen Stempel für die Fahrt, dann steigen auch schon die nächsten ein.

Die haben hier Spaß ohne Ende. Man muss nur in die Gesichter von den Leuten gucken

Karlheinz Jost, Fahrlehrer

Auch bei den Autos warten alle gespannt, bis sie endlich an der Reihe sind. »Hier sind viele, die immer dabei sind«, sagt Karlheinz Jost. »Die haben hier Spaß ohne Ende. Man muss nur in die Gesichter von den Leuten gucken.« Auch Bürgermeister Dirk Antkowiak ist mit Tilia Nunes von der Partnerstadt Entroncamento in Portugal am Junity. »Es ist toll, dass wir dieses Event in Friedberg haben. Man sieht die große Freude.«

Jetzt sind Timo und Dominic an der Reihe. Schnell steigen sie in das Auto mit Fahrlehrer Marco Kreysa: Timo vorne auf den Fahrersitz, Dominic hinten. Die beiden Freunde finden das super, dass sie auch mal Auto fahren dürfen. »Letztes Jahr habe ich ein Hütchen mitgenommen, weil ich nicht richtig gelenkt habe«, sagt Dominic. Konzentriert fährt Timo um die Kurve, um ja kein Hütchen umzufahren. »Für ihn ist es schwierig, für mich nicht«, prahlt Dominic. Fahrlehrer Kreysa muss lachen.

 

Sehen, wie durch eine Klopapierrolle

Die Freunde kommen aus Biebertal. Beide können nur eingeschränkt sehen, beide tragen eine Blindenbinde. »Es ist eine tolle Erfahrung, weil wir ja beide nicht so gut sehen«, sagt Dominic. Timos Augen sind nicht richtig ausgebildet. Er hat einen Tunnelblick. »Das ist so, als ob Sie durch eine Klopapierrolle schauen würden«, erklärt seine Mutter. Dominic hat ein Zäpfchen-Stäbchen-Defizit und könne nur noch fünf Prozent sehen. Mit Zäpfchen und Stäbchen können wir hell und dunkel, Kontrast und Farben unterscheiden und erkennen.

Plötzlich hupt es – Timo ist sein Vordermann zu langsam. Zack, schon tritt er aufs Gas und überholt: »Ciao!«. Man kann die Freunde den beiden jungen Erwachsenen richtig ansehen. Das freut auch Fahrlehrer Kreysa: »Es macht immer Spaß! Natürlich ist es auch anstrengend, aber es kommt so viel von den Leuten zurück.«

Info

Festival auf der Seewiese

Das nächste Event des Vereins »Mensch mach mit« ist schon im Mai. Am Samstag, 25. Mai, findet das Mensch mach mit Festival erstmals auf der Seewiese statt. Das einstige Handicap-Festival bietet bei freiem Eintritt zwei Bühnen mit Music-Acts und Tanzgruppen. Außerdem gibt es Workshops, Walking-Acts wie eine Star-Wars Gruppe und Stelzenläufer sowie Spiel- und Spaßaktionen für Groß und Klein. Ab 12 Uhr gehts los.

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