15. Mai 2018, 08:00 Uhr

Rewe-Logistikzentrum

Protest-Gärtner machen mobil

Immer wieder montags treffen sich die Protest-Gärtner auf dem Acker zwischen der A 45, der B 455 und der Kreisstraße 181 südöstlich von Berstadt.
15. Mai 2018, 08:00 Uhr
Biorosenanbauer Werner Ruf deutet auf die Maschine, die am Feldrand die ersten Probebohrungen für den Bau des Rewe-Logistikzentrums macht.

Ab 19 Uhr greifen sie da zur Harke, zur Hacke und zum Pflanzeisen. Dann werden Radieschen gesät, Erbsen und Rote Bete. Der anthroposophische Saatzuchtbetrieb aus Bingenheim hat die Saat gestiftet. Man jätet Unkraut und kommentiert das Wachstum der jungen Karotten – eine Spende des Pappelhofs bei Dorheim.

Was das alles soll? Der Sinn des gemeinschaftlichen Gärtnerns erklärt sich von selbst, findet der Initiator des Projekts. Werner Ruf aus Steinfurth zieht direkt neben den kleinen Gemüseparzellen seine Biorosen auf drei Hektar Pachtland. Er setzt genau wie die seit einer Woche aktiven Protest-Gärtner ein Zeichen gegen die Umwandlung des Ackers in ein Rewe-Logistikzentrum.

 

Archäologen haben Arbeit aufgenommen

 

Im kommenden Herbst sollen die Erschließungsarbeiten auf dem 30 Hektar großen Areal beginnen, hieß es Ende 2017 in den Planungsunterlagen. Am Nordrand steht bereits ein Bohrgerät, um den Untergrund zu erforschen. Rund um den westlichen Teil zieht sich ein hüfthoher Wall aus Erdklumpen. Da hat der Bagger das Feld mit jungen Zuckerrüben durch einen flachen, gut drei Meter breiten Graben abgegrenzt. Archäologen suchen Bodenverfärbungen, Pfostenlöcher und andere Reste alter Siedlungen. Denn geomagnetische Untersuchungen haben ihnen gezeigt, dass hier etwas sein könnte. Es seien schon Relikte aus der Jungsteinzeit aufgetaucht, heißt es nebenan beim Pflanz-Treffen auf dem neuen »Selbsterntefeld« des Biorosenanbauers Werner Ruf.

Wir brauchen einen Schutzstatus für diesen Boden

Christa Degkwitz

Gemeinsam mit der Initiative »Bürger für Boden« zieht der Steinfurther Agronom das Projekt durch. Wer sich für das politischen Gärtnern interessiert, kann noch hinzustoßen, sagt Anette Breit von der Bürgerinitiative. Jeden zweiten Montag – das nächste Mal am 21. Mai, kommt Ruf um 19 Uhr aufs Feld und hilft beim Gärtnern. Für 50 Euro bekommt jeder Teilnehmer einen fünf Meter langen Streifen, auf den acht Pflanzstreifen passen. In vier Reihen hat Ruf Kartoffeln und Karotten gesät. Die anderen vier Reihen können die Protest-Gärtner mit Blumen oder Gemüse eigener Wahl bepflanzen.

 

Nächstes Treffen am 27. Mai

 

Martina Kuhn, Christa Degkwitz und Anette Breit (v. l.) zeigen, wie es auf ihrem Protest-A...

Martina Kuhn ist von der Arbeit in hellen Büroklamotten direkt zum Feld gefahren. Ein gebogener Bambuszweig mit ihrem Namen kennzeichnet ihr Pflanzstück, in das sie Rote Bete und Zuckererbsen setzt. »Ich habe nicht grundsätzlich etwas gegen ein Logistikzentrum«, sagt die junge Frau aus Echzell. In der Zeitung las sie von dieser »coolen Aktion« und entschloss sich zum Mitmachen. »Da lernt man etwas über Garten- und Ackerbau. Ich werde auch meine Kinder mitbringen.« Gemeinsam treffen sich die Protest-Gärtner ab 27. Mai auch sonntagnachmittags zur Gartenarbeit und zu Kaffee und Kuchen. Neugierige sind willkommen.

 

Gemeinde möchte Acker kaufen

 

Das Problem der Landversiegelung »muss noch mehr ins Bewusstsein der Menschen«, findet Martina Kuhn. Die Erde sei hier viel zu fruchtbar, um sie zu versiegeln, sagt Christa Degkwitz von den Echzeller Grünen. »Wir brauchen einen Schutzstatus für diesen Boden. Das war hier ein Vorranggebiet für Landwirtschaft. Nun kommt ein Konzern daher, und alles ist anders.« Wenn Rewe hier bauen dürfe, dann sei das zehn Hektar große Hochregallager nur der Anfang für weitere Gewerbebauten.

Die Gemeinde Wölfersheim treibt das Projekt voran. Sie möchte auch den Acker kaufen, den Ruf noch bis Ende November 2019 als Pächter nutzen darf. Sie biete den Besitzern höhere Quadratmeterpreise als üblich, kolportieren die Protest-Gärtner. Die Gemeinde reicht den Acker dann an den Lebensmittelkonzern weiter.

Für den kommenden Sommer ist die Offenlage des Bebauungsplans geplant. Wann genau und wie lange jeder hineinschauen und seinen Kommentar abgeben kann, ist im Rathaus bislang nicht zu erfahren.

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