01. März 2018, 09:00 Uhr

WZ-Interview

Probleme, Agenda und Privates: Friedbergs Bürgermeister Antkowiak im großen Interview

Der Terminplan ist voll, doch der Friedberger Bürgermeister Dirk Antkowiak (CDU) ist bester Laune. Im Gespräch mit der WZ geht es auch um die Personalknappheit im Rathaus.
01. März 2018, 09:00 Uhr
Voller Terminkalender und schon einiges in die Wege geleitet: Friedbergs neuer Bürgermeister Dirk Antkowiak (CDU) in seinem Büro im Rathaus. (Foto: Nici Merz)

Herr Antkowiak, es ist Freitagnachmittag, im Rathaus kehrt Ruhe ein. Ist das für Sie die Zeit, um durchzuatmen und sich auf das freie Wochenende zu freuen?

Dirk Antkowiak: Ein freies Wochenende habe ich seit einem Dreivierteljahr nicht mehr (lacht). Auch am Wochenende ist der Terminkalender voll. Das ist aber nicht tragisch. Ich wusste ja vorher, dass es so kommt. Freitagnachmittags ab 15 Uhr habe ich Zeit für meine Post. Um 17, 18 und 19 Uhr habe ich die nächsten Termine. Da gehe ich zu Vereinen, aber das mache ich gerne.

Wann beginnt und endet Ihr Arbeitstag?

Antkowiak: Um halb Acht bin ich hier, meist geht es bis 21 oder 22 Uhr.

Die Stelle des Ersten Stadtrats oder der Ersten Stadträtin ist vakant. Sie tragen derzeit die alleinige Verantwortung. Wie groß ist die Vorfreude auf die Stadtratswahl im Mai?

Antkowiak: Ich freue mich natürlich, wenn der neue Erste Stadtrat oder die neue Erste Stadträtin sein bzw. ihr Amt antritt. Wer es wird? Wir sind in Friedberg. Abwarten, wer das Rennen macht. Die Aufgaben sind allumfassend. Die Dezernate, die ich schon als Erster Stadtrat verantwortet habe, habe ich natürlich im Griff. Die Umstellung zum Bürgermeister war aber groß. Ich war vorher bei vielen Themen außen vor. Da kommt viel dazu, Personal und Bauamt zum Beispiel.

Die Personalsituation im Rathaus ist nicht gut, hört man immer wieder.

Antkowiak: Wir haben einen sehr hohen Krankenstand, das ist die Grippewelle. Wir haben sehr viele Schwangere, darüber freue ich mich. Und dann gibt es interne Regularien, aufgrund derer ich eine Stelle drei oder vier Monate lang nicht besetzen kann, weil die rechtlichen Voraussetzungen nicht gegeben sind. Darunter leiden die anderen Mitarbeiter. Ende der Neunzigerjahre wurde die Personalreserve in der Verwaltung auf Null gesetzt. Wird jemand krank, haben wir keinen Ersatz. Ich gebe zu, ich war damals selbst an diesem Beschluss beteiligt.

Die Personalreserve wurde auf Null gesetzt. Jetzt muss ich ausbaden, was ich damals mitbeschlossen habe

Dirk Antkowiak

War die Personalknappheit damals nicht bekannt?

Antkowiak: Die Verwaltung hat damals die Informationen nicht so an die Politik herangetragen, dass dies erkennbar gewesen wäre. Jetzt muss ich ausbaden, was ich damals mitbeschlossen habe. Die neue Rathausspitze wird das ändern. Wir dürfen unsere Mitarbeiter nicht verbrennen, wir haben eine Fürsorgepflicht. Auf wichtigen strategischen Positionen darf es keinen Ausfall geben. Ich will aber auch ein paar Pluspunkte loswerden: Wir sind 360 Mitarbeiter und haben ein richtig gutes Team. Die Zusammenarbeit macht großen Spaß. Und ich glaube, das geht nicht nur mir so.

Welche Änderungen haben Sie im Rathaus schon vorgenommen? Man hört, Sie wollen den ehrenamtlichen Stadträten mehr Verantwortung geben.

Antkowiak: Die Magistratsmitglieder sind nicht das Frühstücksgremium am Montagmorgen, das sind gewählte Mitglieder der Stadtregierung. Schon bisher haben ehrenamtliche Stadträte den Bürgermeister in den Ortsbeiräten vertreten. Ich möchte, dass zwei oder drei Magistratsmitglieder sich aufgabenbezogen auf Ausschusssitzungen vorbereiten. Aufgrund von Terminüberschneidungen schaffe ich es nicht, zu jeder Ausschusssitzung zu gehen.

Wann wird das sein?

Antkowiak: Nach meinem Amtsantritt habe ich die Stadträte gebeten, Wünsche abzugeben, welche Themen sie bearbeiten wollen. Ich schreibe das denen nicht vor, die dürfen mitreden, aber schlussendlich entscheide ich über die Zuteilung der Aufgaben. Das ist Thema der nächsten Magistratssitzung.

Sie sind jetzt nicht mehr Stadtverordneter oder Erster Stadtrat, sondern Bürgermeister. Wie begegnen Ihnen die Bürger nun?

Antkowiak: Man spricht mich als Bürgermeister an, aber ich gehe als Mensch zu den Bürgern. Ich bin ein Dialogmensch, gehe jeden Tag über die Kaiserstraße, die Menschen sprechen mich an. Das macht Spaß.

Haben Sie Veränderungen an sich festgestellt?

Antkowiak: Ich habe einige Kilo abgenommen (lacht). Früher habe ich abends noch Fernsehen geschaut. Komme ich jetzt nach Zehn nach Hause, falle ich nur noch ins Bett.

Und die Familie? Hat die Veränderungen wahrgenommen.

Antkowiak: Wie denn? Die sehen mich ja kaum noch. Ohne WhatsApp und E-Mails könnten wir nicht mehr kommunizieren.

Welche Projekte stehen auf Ihrer Agenda ganz oben?

Antkowiak: Mehrere. Das ist die Besetzung von Stellen. Ganz wichtig ist eine funktionsfähige Kämmerei. Nachdem ich das Baudezernat übernommen habe, habe ich als erstes Kontakte hergestellt für die Konversion der Kaserne: Ministerium, Investoren, THM. Am 8. März habe ich meinen Antrittsbesuch bei der BIMA in Koblenz. Das heißt: Ich werde jetzt überall vorstellig, die Konversion hat hohe Priorität. Kaiserstraße und Stadtentwicklung generell gehören auch dazu. Wenn Friedberg wächst, müssen wir Kindergartenplätze zur Verfügung stellen. Und mit dem Kreis müssen wir überlegen, wo Schulbau stattfinden kann.

Dann haben sie nicht nur am Freitagnachmittag noch viel zu tun.

Antkowiak: Wenn ich solange hier arbeite, ist das mein Problem. Aber keine Sorge: Es macht mir Spaß.

 

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Erledigt: Lärmschutz, WLAN, Parkplätz

Die Kommunalpolitik in Friedberg kommt nach dem Wechsel im Bürgermeisteramt nur langsam wieder in Fahrt, doch im Rathaus hat Bürgermeister Dirk Antkowiak (CDU) schon einige Weichenstellungen vollzogen. Thema Lärmschutz der Bahn an der Kleinen Unterführung: »Mit Straßenverkehrsbehörde, Polizei, Bahn und Eltern haben wir den Lückenschluss in einem Tag hinbekommen und den Schulweg verlegt«, sagt der Bürgermeister. In der Frankfurter Straße unweit des Wartturms wurden neue Parkplätze ausgewiesen. »Das ist keine Bundesstraße mehr, wir konnten das Parkverbot aufheben.« Auch in der Wetteraustraße in Dorheim wurden weiße Kästen auf die Straße gemalt: Die zusätzlichen Parkplätze sollen Raser ausbremsen; auf eine Umgestaltung der Dorheimer Ortsdurchfahrt war verzichtet worden, um die Bürger nicht mit Straßenbeiträgen übermäßig zu belasten. Die E-Mobilität hat Antkowiak im Rathaus eingeführt. »Mein E-Auto ist da, ich fahre elektrisch und schleiche jetzt durch Friedberg.« Die Partnerschaft mit Entroncamento, die Antkowiak als Verantwortlicher für die Verschwisterung initiiert hatte, wurde im Stadtparlament einstimmig beschlossen. Für die Wiedereinführung des Frühschwimmens im Usa-Wellenbad hat er die finanziellen und rechtlichen Voraussetzungen mitgeschaffen. Auch die Aktion »Sauberhaftes Friedberg« wird zusammen mit dem Naturschutzbund wieder eingeführt. »Wir machen das künftig Motto-bezogen. In diesem Jahr heißt das: Putzen der Kaiserstraße und Reinigen der Schilder.« Auf dem Elvis-Presley-Platz gibt es seit kurzem freies WLAN. »Weitere Hotspots folgen.« Auch den Rathaussturm der Karnevalisten und die Sportlerehrung hat Antkowiak wieder eingeführt. Ein Termin steht auch schon fest: Am 6. Februar nächsten Jahres findet die Sportlerehrung für das Jahr 2018 statt. Die Einführung der Tempo-30-Zone wird gerade im Magistrat behandelt. Die Interkommunale Zusammenarbeit wird ausgeweitet (siehe WZ vom 24. Februar). Die Sperrung der Wolfengasse, um dort eine Fußgängerzone einzurichten, ist laut Antkowiak vom Tisch: »Das war auch nie unser Ding, die CDU war immer dagegen.« Nichts neues gibt es von der evangelischen Kindertagesstätte Wintersteinstraße, die abbruchreif sein soll. »Die Stadt muss Kita-Plätze vorhalten. Ich habe von den Problemen gehört. Aber bislang liegt im Rathaus keine offizielle Mitteilung der Kirchengemeinde vor.« Und das Zirkuszelt? Dient es im Sommer weiter als Ort für kulturelle Veranstaltungen? Antkowiak: »Das ist eine Frage des Geldes. In diesem Jahr auf jeden Fall. Im letzten Jahr hat uns das Zelt bei dem schlechten Wetter mehrmals gerettet, als wir dort mit dem ›Kinderplaneten‹ unterschlüpfen konnten.« (jw)

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