20. Juli 2017, 20:14 Uhr

Preisgekrönter Pionier

20. Juli 2017, 20:14 Uhr
Immer wieder liest Horst Gebhard in seiner 356 Seiten umfassenden Doktorarbeit über die Hexenverfolgung im Bistum Mainz. (Foto: lod)

Der langjährige Ockstädter Pfarrer Dr. Horst Gebhard feiert Ende Juli sein 50-jähriges Priesterjubiläum. Am 29. Juli 1967 wurde er im Mainzer Dom von Kardinal Hermann Volk zum Priester geweiht. Der Jubilar wurde 1939 in Bad Kreuznach geboren, wuchs in einem gläubigen Elternhaus im rheinhessischen Fürfeld auf. In Mainz und Tübingen studierte er Theologie, wobei er von den Thesen des evangelischen Professors Ernst Käsemann und dessen katholischen Kollegen Hans Küng begeistert war. Beide waren ihren Kirchen gegenüber durchaus kritisch eingestellt.

Diese Einstellung prägte Gebhard: »Sie haben mich gelehrt, wie man heute von Jesus Christus und Gott reden und leben kann.« Gebhard setzt sich für eine Aufhebung des Zöllibats und für Frauen zumindest im Diakonat ein. »Ich bin da inzwischen nicht mehr allein«, sagt der 77-Jährige. Seine Kaplanszeit absolvierte er in Nieder-Roden, bevor er im Dezember 1974 die Pfarrstelle in Ockstadt übernahm.

Buch über Gewaltgeschichte

Bis April 2008 war er in der St.-Jakobus-Gemeinde tätig, dazu kam in den letzten 15 Jahren die St.-Michael-Gemeinde in Rosbach. In seiner gut 33-jährigen Tätigkeit in Ockstadt hat Gebhard vieles bewirkt. »Diese Gemeinde ist meine zweite Heimat geworden«, sagt der Jubilar. Bereits 1975 führte er das Pfarrfest ein, das bis heute eine feste Größe im Kirschendorf ist. Auf die Zusammenarbeit mit den Vereinen und auf die Ökumene legte Gebhard besonderen Wert. Von Beginn an engagierte er sich tatkräftig für die Jakobuskirche, deren umfassende Sanierung 2002 abgeschlossen wurde.

Weit über die Grenzen Ockstadts hinaus wurde Gebhard 1989 mit seiner Doktorarbeit über die Hexenverfolgung am Erzstift Mainz im 17. Jahrhundert bekannt. »Einige Professoren waren gegen diese Arbeit, da ihrer Meinung nach die Kirche nichts mit der Hexenverfolgung zu tun hatte«, erzählt Gebhard, der der erste Pfarrer überhaupt war, der sich mit diesem Thema beschäftigt hat.

Später schrieb er die Novelle »Hexenjagd in Lohr«. 2010 veröffentlichte er mit »Liberté, Egalité, Brutalité« ein Buch über die Gewaltgeschichte der Französischen Revolution. Darüber hinaus veröffentlichte Gebhard eine ganze Reihe von Artikeln, unter anderem in den Friedberger Geschichtsblättern.

Anfang der 90er Jahre war er Vorsitzender der Russland-Hilfe. Für dieses Engagement erhielt er aus den Händen des damaligen Postministers Christian Schwarz-Schilling den Gustav-Sagert-Preis. Im Jahre 2003 wurde Gebhard von Karl Kardinal Lehmann mit dem Ehrentitel »Geistlicher Rat« ausgezeichnet. Er erhielt das Ehrenschild der Stadt Friedberg, die höchste Auszeichnung der Kreisstadt.

Nach dem Beginn des Ruhestands zog Gebhard zusammen mit seiner langjährigen Haushälterin Marianne Dönges in eine Wohnung in der Nähe des Friedberger Bahnhofs. Eineinhalb Jahre war er danach noch in Heldenbergen als Pfarrer tätig. Bis vor Kurzem hielt er als Vakanzvertretung Gottesdienste in verschiedenen Gemeinden des Dekanats.

Gefeiert wird das goldene Priesterjubiläum am Freitag, 28. Juli, ab 19 Uhr mit einem Dankgottesdienst in der St.-Jakobus-Kirche und mit einem anschließenden Sektempfang im Pfarrhof. »Samstags halten viele Pfarrer, die ich eingeladen habe, Gottesdienste, deshalb feiere ich einen Tag früher.«

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