08. Januar 2019, 07:00 Uhr

Wohnungsmarkt

Preise auf hohem Niveau, Anstieg verlangsamt sich 2018

Die Preise auf dem Immobilienmarkt in Friedberg und Bad Nauheim steigen seit Jahren. 2018 hat sich die Entwicklung etwas verlangsamt. Manche Eigentümer haben unrealistische Erwartungen.
08. Januar 2019, 07:00 Uhr
Direkt an der Bahnstrecke gelegene Flächen sind früher Gewerbegebieten vorbehalten gewesen. In Zeiten der Wohnungsnot lassen sich auch auf Geländen mit starker Lärmbeeinträchtigung, wie dem ehemaligen Zuckerfabrik-Standort in Friedberg, Wohngebäude vermarkten.

Eine Mini-Wohnung für eine Quadratmetermiete von 24 Euro, die Eigentumswohnung kostet über 6000 Euro pro Quadratmeter. Das sind Ausreißer nach oben, aber auf dem Bad Nauheimer Immobilienmarkt trauen sich Anbieter eben, solche Preise aufzurufen. »Es gibt viele unrealistische Erwartungen«, sagt Patricia Mayer vom Bad Nauheimer Maklerbüro m & k. Die Nachfrage sei deutlich höher als das Angebot, was zu Auswüchsen führe.

Wie Jürgen Maass, bei m & k zuständig für die Kurstadt, erläutert, übertrügen manche Anbieter Neubaupreise von 5000 Euro/Quadratmeter auf ihre alte, selten sanierte Eigentumswohnung. Kurz vor Abschlüssen werde noch gepokert. »Bei einer Wohnung war ein Preis von einer Million vereinbart, da forderte der Verkäufer plötzlich 150 000 Euro mehr. Das Geschäft ist geplatzt«, berichtet Maass.

 

Teure Grundstücke und Handwerker

Auch bei der Vermietung werden Eigentümer mit der Realität konfrontiert. Etwa wenn für eine City-Wohnung, die weder Stellplatz noch Aufzug hat, 12 Euro pro Quadratmeter verlangt werden. Laut Mayer sind schon 10 Euro schwer durchzusetzen. Einige Vermieter hielten 8 oder 9 Euro inzwischen für günstig. Die Durchschnittsmiete sei 2018 auf hohem Niveau nur leicht angestiegen.

Für den anhaltenden Preisanstieg seien neben der Erwartungshaltung der Eigentümer andere Faktoren verantwortlich. Mayer: »Immer höhere Grundstückspreise, ständig steigende Baupreise und teure Energiesparverordnungen.« Das führe zu Neubaumieten zwischen 10 und 12 Euro und Quadratmeterpreisen für neue Eigentumswohnungen zwischen 4000 und 4500 Euro. Als Beispiel für horrende Grundstückspreise nennt Maass Bad Nauheim Süd, wo der Quadratmeter jüngst für gut 600 Euro (plus Erschließungskosten) offeriert worden sei.

 

Änderungen sollen kommen

Die Folge seien Verdrängungsprozesse. Aus Frankfurt, wo die Preise ins Unermessliche stiegen, wichen immer mehr Wohnungssuchende in die Region aus. Diese Leute wunderten sich über die »günstigen« Angebote in Bad Nauheim oder Friedberg, wo Leute mit Durchschnittseinkommen gezwungen würden, sich etwas auf dem »platten Land« zu suchen.

Viele Leute seien nicht mehr bereit, die hohen Preise in Bad Nauheim zu zahlen, zumal eine Bank mitspielen müsse. Die Bezeichnung »plattes Land« trifft bereits auf Stadtteile wie Schwalheim oder Wisselsheim zu. »Dort gibt es fast keine Infrastruktur mehr. Nicht mal ein Brötchen können Sie kaufen«, sagt Mayer. Bei m & k stehen Hunderte auf der Warteliste für eine Drei-Zimmer-Wohnung. Die angespannte Lage führt zu emotionalen Reaktionen. Etwa wenn der Kunde in Mayers Büro heult, weil ihm wegen Eigenbedarf gekündigt wurde und keine Alternative in Sicht ist.

 

Einige Ladenhüter

In Friedberg war das Preisniveau laut Makler Steffen Rosenschon (Kuhlmann und Rosenschon Immobilien) 2018 niedriger als in Bad Nauheim, was mit der Wohnqualität zusammenhänge. In Bad Nauheim gebe es schöne Parks, eine sanierte Innenstadt, während in Friedberg das ehemalige Joh-Gebäude seit Jahren leer stehe. In Friedberg hinke das Angebot hinter der Nachfrage her, weil es kaum Neubauten gebe. »Wird eine Wohnung ein, zwei Tage im Internet angeboten, liegen etliche Anfragen vor«, sagt Rosenschon. Die Preise hätten sich im letzten Jahr mäßig erhöht, nicht zu vergleichen mit den Sprüngen 2016 und 2017.

In der Kreisstadt komme es ebenfalls zu Übertreibungen, überteuerte Wohnungen würden zu Ladenhütern. Reihenhäuser mit 140 Quadratmeter Wohnfläche kosteten heute über eine halbe Million Euro. »Bestimmte Gruppen haben es wirklich schwer«, betont Rosenschon: Leute mit ausländischen Wurzeln, Alleinerziehende, überhaupt Leute mit Kindern. Auch Haustiere seien oft unerwünscht, bezahlbare Wohnungen für Großfamilien gebe es kaum. Unter diesen Bedingungen seien selbst Wohnungen direkt an der Bahnstrecke gefragt.

Die Bürokratie ist nach Ansicht des Friedberger Maklers nicht hilfreich, um Bauvorhaben voranzubringen. Er nennt ein 1500-Quadratmeter-Grundstück in der Gebrüder-Lang-Straße. »Daran war ein Investor interessiert. Er kommt aber nicht zum Zug, weil es verboten ist, in der zweiten Reihe zu bauen«, erläutert Rosenschon.

 

Info

Immer weiter nach oben

In den letzten Jahren sind die Preise für Miet- und Eigentumswohnungen in Bad Nauheim und Friedberg stark angestiegen. Das lässt sich zumindest den Erhebungen der Internetportale Immobilienscout 24 und Immowelt entnehmen. Mietspiegel gibt es für beide Städte nicht. Laut Immowelt lagen die Höchstpreise bei Eigentumswohnungen in Bad Nauheim Anfang 2017 bei 3426 Euro, Ende 2018 waren es 4221 Euro pro Quadratmeter. In Friedberg ergab sich im selben Zeitraum eine Steigerung von 3000 auf 4247 Euro. Immobilienscout verzeichnete bei seinem Angebot seit 2014 eine Preissteigerung bei Eigentumswohnungen um 35,2 Prozent in Bad Nauheim und um 30,1 Prozent in Friedberg. Die von beiden Portalen angegebenen Höchstwerte entsprechen allerdings nicht der Realität, so werden in Bad Nauheim teilweise bereits über 5000, in einem Fall gar über 6000 Euro pro Quadratmeter verlangt. Nach Einschätzung der örtlichen Makler sind die Preise für Mietwohnungen in Bad Nauheim und Friedberg 2018 auf einem ohnehin hohen Niveau nur noch leicht gestiegen. Laut Makler Steffen Rosenschon liegen die Mieten in Friedberg im Schnitt zwischen 8,80 und 9,80 Euro/Quadratmeter. Das Internetportal Immowelt sieht in Bad Nauheim in den letzten zwei Jahren eine deutliche Steigerung: Die Höchstmiete habe Anfang 2017 bei 11,88 Euro gelegen, heute seien es 13,89 Euro. (bk)

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