12. Oktober 2018, 19:10 Uhr

600 Zuhörer

Podiumdiskussion in Rosbach: Reset-Knopf oder »Rumalbern«?

Fünf Bürgermeister-Kandidaten und über 600 Zuhörer: Die Rosbacher Adolf-Reichwein-Halle hatte nicht genug Stühle für alle Gäste der Podiumdiskussion von Wetterauer Zeitung und Frankfurter Neuer Presse.
12. Oktober 2018, 19:10 Uhr
Auf dem Podium diskutieren (v. l.) Christian Thiel, Christoph Käding, David Heßler (WZ), Thomas Alber, Thomas Kopp (FNP), Steffen Maar und Hans-Otto Jacobi.

Die Bürgermeisterwahl am 28. Oktober wird spannend. Kann Amtsinhaber Thomas Alber seinen Posten verteidigen, nachdem er bereits das Handtuch geworfen hatte – um kurz vor Ablauf der Bewerbungsfrist doch wieder zu kandidieren? Jeder seiner vier Konkurrenten wirkte im Streitgespräch gut vorbereitet, von Alber die Amtsgeschäfte zu übernehmen.

Dazu gehört die Erhebung von Straßenbeiträgen. Etwa 40 Straßen müssen saniert werden. Das kostet 7,6 Millionen Euro, die teils von den Bürgern zu zahlen sind. In Rodheim wird die Rechnung höher, weil dort weniger Gewerbetreibende zur Kasse gebeten werden können. »Wir werden die Rodheimer deutlich entlasten«, versprach Alber. »Die Konzepte liegen bereits vor.« Der FDP-Kandidat Hans-Otto Jacobi will für die Abschaffung der Straßenbeiträge kämpfen. Das Geld könne die Stadt aus einer Gewerbesteuer einnehmen, »die ihre Potenziale geschickt nutzt, statt sie zu sie zu verdödeln und vertrödeln«. Doch die Kandidaten Christoph Käding und Christian Thiel plädierten, die Straßenbeiträge lieber nicht abzuschaffen.

Dass Alber das Rodheimer Gewerbegebiet Dickmühle auf 30 Hektar ausdehnen wollte, kritisierten seine Konkurrenten. Nun ist laut Alber lediglich eine Ausweitung um sieben Hektar geplant. Thiel fände es gut, wenn die Stadt auf den durch den Umzug nach Berstadt bald freien Rewe-Flächen »Co-Working-Spaces« baut – Räume für Existenzgründer. Selbstständige könnten die auch kurzfristig mieten. Maar forderte ein Konzept, welche Firmen die Rosbacher ansiedeln wollen. »Dann können wir es uns auch leisten, dem einen oder anderen abzusagen.«

 

Doch ein Freibad-Neubau?

 

Wie halten es die Kandidaten mit Rodheim? Käding: »Wir brauchen da mehr Einzelhändler. Sonst verfällt Rodheim in den Status einer Schlafstadt.« Maar will die Busverbindungen verbessern. Und die Bücherei müsse an der Hauptstraße bleiben, statt sie »hinter dem Sportzentrum zu verstecken«.

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Die über 600 Besucher in der Adolf-Reichwein-Halle goutieren die Aussagen bisweilen mit Ap...

Thiel will sich als Bürgermeister um die Verringerung des Durchgangsverkehrs kümmern. Und Jacobi plädierte wie alle Kandidaten für die vier Millionen Euro teure Sanierung des Freibades. Gestritten wurde darüber, ob ein Neubau schon vom Tisch ist. Laut Alber muss dieser sogar kommen, falls der Lärmschutz einer Sanierung einen Strich durch die Rechnung macht. Das Gelände müsse in jedem Fall ganzjährig genutzt werden. Und es brauche Auto-Stellplätze. Die fehlen schon jetzt, warf eine Rodheimerin am Saal-Mikrofon ein. Die Badegäste sollen ja nicht mit dem Auto kommen, antwortete Jacobi.

Zum Schluss sprachen die Moderatoren Thomas Kopp (FNP) und David Heßler (WZ) das vergiftete Klima im Parlament an. Alber habe viel Porzellan zerschlagen. Heßler fragte ihn: »Werden Sie künftig etwas an Ihrer Art ändern?« »Na klar«, konterte Alber. »Hab ich doch schon. Ich lach’ doch viel mehr!« Im Ernst: Das Parlament habe in seinen Amtsjahren viel für die Stadt erreicht. Und politischer Streit gehöre nun einmal dazu. Kopp knöpfte sich Jacobi vor: Als Chef der FDP-Fraktion sei er ja wohl »ein Teil des Problems«. Lauter Beifall aus dem Saal. Jacobi: »Ich kenne das Problem so gut, dass ich sogar die Lösung dafür habe: Wir brauchen einen Bürgermeister, der mit allen Fraktionen spricht und nicht nur mit seiner Ein-Stimmen-Mehrheit.« Als Bürgermeister wolle er mit allen reden, versprach auch Maar.

Den stärksten Beifall erntete Käding. Es gehe nicht nur um den Bürgermeister. Alle sieben Fraktionen müssten weniger »rumalbern« und schneller zu Lösungen kommen: »Alle Fraktionen müssen auf den Reset-Knopf drücken!«

Info

Die fünf Kandidaten

Im März 2019 fängt die neue sechsjährige Amtsperiode des Bürgermeisters im 13 300 Einwohner zählenden Rosbach an. Fünf Männer bewerben sich:

Thomas Alber (48) ist seit 2013 Bürgermeister. Er hatte sich auf das Bündnis von SPD, FWG und »Stimme« gestützt, das aber nicht mehr hinter ihm steht. Der Parteilose kündigte den Verzicht auf sein Amt an, kandidiert nun aber doch – im Alleingang.

Hans-Otto Jacobi (66) ist der einzige Rodheimer und als FDP-Fraktionschef der einzige Parteien-Kandidat. Er verdiente sein Geld als Unternehmensberater, ist seit Kurzem im Ruhestand.

Christoph Käding (50) aus Ober-Rosbach hat bisher kein politisches Amt inne. Er arbeitet ich in der Finanzierungsbranche und betreut Händler und Endkunden. Der Parteilose wird von der Fraktion »Stimme« und den Freien Wählern unterstützt.

Steffen Maar (47) stammt aus Rosbach und wohnt in Ockstadt. Er ist parteilos und arbeitet beim Hessischen Landesrechnungshof in Darmstadt. Die CDU, die Grünen und ebenfalls die FWG unterstützen seine Kandidatur.

Christian Thiel (41) lebt in Rosbach und arbeitet in Frankfurt für einen Lebensmittelkonzern. Er ist SPD-Mitglied, kandidiert aber nicht im Namen seiner Partei. (nik)

 

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