25. September 2017, 20:11 Uhr

Pilgern und übernachten

25. September 2017, 20:11 Uhr
Pfarrer Kurt Racky kümmert sich ebenso wie Ulrich und Margit Borst um die Pilger auf der »Boni-Route«. (Foto: pv)

Sie gehören zu den Pionieren der gastgebenden Mitgliedsbetriebe an der Bonifatius-Route: die Eheleute Margit und Ulrich Borst in Düdelsheim. Sie können viel erzählen von den Pilgern, die in ihrem »Apfelstübchen« seit 2005 übernachtet haben. Für ihre Gäste halten die »Herbergswirte« auch die neue kostenlose Grußkarte des Vereins der »Boni-Route« bereit.

In Düdelsheim steht die evangelische Kirche mitten im Dorf. Ein mehr als mannsgroßer Pilgerstab zeigt, dass sie an der Bonifatius-Route liegt. Direkt gegenüber steht ein schieferverkleidetes Haus mit großem gepflasterten Innenhof: »Das Apfelstübchen« von Margit und Ulrich Borst. Seit zwölf Jahren sind sie Gastgeber an der »Boni-Route«.

Margit Borst, gelernte Hauswirtschaftsmeisterin, hat in diesem Jahr zahlreiche Gäste empfangen. Vier Doppelzimmer halten sie und ihr Mann für Übernachtungsgäste bereit. »Als die Bonifatius-Route 2004 eingeweiht wurde, waren so viele Menschen hier in Düdelsheim«, erinnert sich Ulrich Borst. »Sie übernachteten in der Turnhalle. Ich dachte, das wäre ein einmaliges Ereignis.«

Ein Paar glich Maria und Josef

Doch für den heute 66-jährigen Stadtplaner im Ruhestand und seine zwei Jahre jüngere Frau begann mit dem »einmaligen Ereignis« ein neuer Lebensabschnitt. Sie entschlossen sich, unterstützt vom Zuspruch ihrer vier Töchter, ihr Haus in eine Pension umzuwandeln. Sie wollen für Touristen, Radler, Wanderer und als gläubige Protestanten insbesondere für Pilger auf der »Boni-Route« Gastgeber sein.

So viele Geschichten können die Borsts erzählen von ihren Erlebnissen in den vergangenen Jahren, seit sie ihr Haus für erst einmal fremde Menschen geöffnet haben. Von der irischen Schäferin, die die 180 Kilometer von Mainz nach Fulda gelaufen ist. Von der sechsköpfigen Familie, die ihr jüngstes Kind über die gesamte Strecke getragen hat. Von dem Priesterseminaristen oder dem jungen, fast mittellosen Pärchen, das unangemeldet im strömenden Regen abends vor der Tür stand und um Obdach bat, weil es draußen einfach zu nass war, um ein Zelt aufzubauen. »Die beiden waren wie Maria und Josef«, erinnern sich Ulrich und Margit Borst.

»Pilger sind gut drauf«, sagen die Eheleute unisono. »Sie sind glücklich, wenn sie ein Bett, eine Dusche haben und ein gutes Frühstück bekommen.« Dass die Dusche dabei im »Apfelstübchen« nicht im Zimmer ist, sondern auf der Etage, sei für ihre Gäste kein Problem. »Wir haben eben kein Hotel«, sagt Margit Borst – durchaus mit Stolz. Denn in diesem wäre es nicht denkbar, dass die Gäste sich vom Frühstückstisch noch eine Brotzeit für den Tag mitnehmen können. Wie dankbar ihre Gäste für die herzliche und familiäre Aufnahme sind, belegen die vielen Einträge in den nun bereits vier Gästebüchern.

Viele Frauen gehen den Weg allein

»Pilger brauchen, wenn sie ankommen, nichts Besonderes mehr zu erleben. Ihr Erlebnis ist der Weg«, sagt Ulrich Borst. Umso mehr schätzten ihre Gäste, dass sie, wann immer das Wetter es zulässt, im Hof von ihrem Tag erzählen können. In offener Runde, bei einem Glas selbst gekeltertem Apfelsaft. »Wer die Gemeinschaft sucht«, sagt Margit Borst, »kann sich dazusetzen.« Es sind Gespräche über Gott und die Welt. So vielfältig wie die Menschen, die auf der »Boni-Route« laufen. Etwa ein Drittel, haben die Borsts festgestellt, sind Frauen, die sich allein auf den Weg machen. Aus gesundheitlichen Gründen, um zu sich selbst zu finden oder um ein spirituelles Erlebnis zu haben. Auch wenn es in den Gesprächen um religiöse Fragen gehen kann – die Konfession spiele keine Rolle. Dass die evangelische Kirche gegenüber eine »offene Kirche« sei und jedermann tagsüber zu einem Besuch einlade, schätzten nicht nur die Pilger.

In den zwölf Jahren hatten die Borsts Menschen aus Flörsheim, aus Frankfurt, aus Thüringen oder Nordrhein-Westfalen ebenso wie aus Norwegen, Spanien oder Italien zu Gast. Keinen Moment haben die beiden ihre Entscheidung bereut. Ulrich Borst: »Wir sind seitdem viel offener geworden.«

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