15. Oktober 2019, 08:00 Uhr

Evangelische Kirchengemeinde

Pfarrerin Domnick nimmt nach 22 Jahren Abschied

Nach 22 Jahren in Friedberg naht für Pfarrerin Susanne Domnick der Abschied. Er kommt nicht ganz unfreiwillig, man scheide aber nicht im Streit, sagen Domnick und Dekan Volkhard Guth.
15. Oktober 2019, 08:00 Uhr
»Ich habe sehr gerne in Friedberg gearbeitet«, sagt Pfarrerin Susanne Domnick. Doch bald ist Schluss, die 60-Jährige sucht eine neue Herausforderung. Streit habe es keinen gegeben, aber Meinungsverschiedenheiten. Das kommt in den besten Familien vor. (Foto: Nici Merz)

Es sei »genau die Stelle, die ich mir gewünscht habe«, sagte Susanne Domnick, als sie 1997 in ihr neues Amt eingeführt wurde. Dafür war nicht nur die »wunderschöne Stadtkirche« verantwortlich, wo sie fortan predigen durfte. Es waren die vielen Aufgaben, die sie lockten: Betreuung des Gemeindebezirks Stadtkirche, Seelsorge, Jugendarbeit und diakonisches Handeln. Genau diese Arbeitsfelder sind es, in denen es nun laut Domnick »unterschiedliche Vorstellungen« gibt. Und wenn dies so ist, »dann geht nicht der Kirchenvorstand, sondern die Pfarrerin.«

Domnick geht nicht im Groll. Im Frühjahr wurde sie zu einem Gespräch mit Dekan Volkhard Guth gebeten, der ihr die Nachricht überbrachte. Jüngere Pfarrerinnen oder Pfarrer erhielten in der Regel 10-Jahres-Verträge, bei ihr und anderen älteren Kollegen gebe es diese Beschränkung nicht. »Nach 22 Jahren ist so ein Wechsel gut. Darin liegt auch eine Chance. Ich will mit 60 Jahren noch einmal Aufbauarbeit leisten«, sagt Domnick. Für Ärger ist da keine Zeit.

Domnick hat als Pfarrerin stets Haltung gezeigt, sie scheut keine Konflikte. Gut möglich, dass sie manchem Mitglied im Kirchenvorstand so forsch, zu modern war. »Es gibt aber keinen Streit und keine Schlammschlacht, es gibt nichts nachzukarten.«

Wann Domnick geht und wohin, steht noch nicht fest. »Ich schaue mich um, bin auf der Suche.« Bislang war ihr Wirkungskreis auf Oberhessen beschränkt. Domnick wuchs in Frankfurt auf, studierte evangelische Theologie in Marburg und Bern. Nach dem Pfarrvikariat in Pohlheim wurde sie 1987 Pfarrerin in Hungen, wechselte 1991 als Schulpfarrerin nach Gießen, wo sie an der Integrierten Gesamtschule Gießen-Ost unterrichtete, bis der Ruf aus Friedberg kam. »Wo ich 22 großartige Jahre hatte«, wie Domnick sagt.

Eine politische Pfarrerin

Domnick hat Spuren hinterlassen. Die Öffnung der Stadtkirche hat sie vorangetrieben. Ein Projekt unter vielen, das für Aufsehen sorgte: Im Sommer 2015 wurden im Kirchenraum rund 6000 schwarze Figuren aus Tonpapier aufgehängt, die an die im Mittelmeer ertrunkenen Flüchtlinge erinnerten. »Heute müsste man zehn Mal so viele Figuren aufhängen«, sagt Domnick. Sie war immer eine politische Pfarrerin, hat sich eingemischt und Haltung gezeigt.

Das Pfarrhaus in der Mainzer-Tor-Anlage, das sie bald verlassen muss, war ein offenes Haus. »Im Keller probte eine Band, als es das Junity noch nicht gab.« Viele Gäste gingen hier ein und aus. Den Dialog mit anderen Religionen und Kulturen hat sie stets angestoßen. Die Begegnung mit Menschen und die Anteilnahme an deren Sorgen sind ihr wichtig. Seit 2014 arbeitet Domnick mit geflüchteten Menschen und engagiert sich beim Runden Tisch. Im Dekanat ist sie die Ansprechperson für Kirchenasyl, eine Einrichtung, die sie vehement verteidigt. »Diese Arbeit gibt der Kirche Glaubwürdigkeit.« Dabei habe sie große Unterstützung von Dekanat und Landeskirche erhalten.

Kirchen in der Krise

Die Kirchen stecken in einer Krise, verlieren immer mehr Mitglieder. Domnick sagt: »Es gibt zwei Möglichkeiten, darauf zu reagieren: Entweder zumachen oder sich öffnen.« Keine Frage, auf welcher Seite Domnick steht. Ihre offene Art ist es auch, die sie mit in den neuen Job nehmen will. »Ich freue mich auf eine neue Aufgabe.«

Blickt sie zurück, sind da viele Erlebnisse, die ihr wichtig sind. Domnick nennt die Begegnungen mit Obdachlosen, die sie sehr berührt hätten. An der Ostseite der Stadtkirche wurde für verstorbene Obdachlose ein Kirschbaum gepflanzt. Die Andachten im Karl-Wagner-Haus bedeuteten ihr viel, »und auch, dass die Obdachlosen, etwa beim kostenlosen freitäglichen Mittagessen, auf mich zugehen und den Kontakt suchen.« Oder die Arbeit mit den Konfirmanden: »Von rund 35 Jugendlichen waren es stets zwischen 15 und 25, die hochmotiviert waren.« Aus jedem Jahrgang seien Jugendliche hängengeblieben, hätten sich weiterhin in der Arbeit der Kirchengemeinde engagiert. Keine Frage: Susanne Domnick wird in Friedberg fehlen.

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