19. Dezember 2017, 19:00 Uhr

Stadtkapelle Friedberg

Peter und der gar nicht grausame, ausgestopfte Wolf

Das sinfonische Märchen »Peter und der Wolf« stand auf dem Programm des festlichen Konzerts der Stadtkapelle Friedberg. Jung und Alt waren begeistert. Und die Ente hat natürlich überlebt.
19. Dezember 2017, 19:00 Uhr

Die Weihnachtszeit ist auch Märchenzeit. Im besinnlichen Advent sind wir besonders empfänglich für Geschichten, die die Welt für einen Augenblick auf wundersame Weise schöner machen und Hoffnung spenden. Das sinfonische Märchen »Peter und der Wolf« ist so eine Geschichte. Ein kleiner Junge reißt aus und wird vom Großvater vor den Gefahren der Natur gewarnt. Die lernt er kennen, als die Katze fast den Vogel stibitzt. Die Ente hat weniger Glück, der Wolf verschlingt sie. Doch die Jäger fangen den Bösewicht. Am Ende ist aber alles gut, und sogar die Ente überlebt auf wundersame Weise.

Die schlichte Struktur der Geschichte hängt damit zusammen, dass der russische Komponist Sergei Prokofjew ein bestimmtes Ziel verfolgte: Er wollte Kinder mit den Instrumenten des Orchesters vertraut machen. So zwitschern die Quer- und Piccoloflöten, wenn der Vogel mit der Ente streitet, die schnatternd vom Sopransaxofon imitiert wird. Peters bekannt-beschwingtes Motiv, eine tänzelnde, fröhliche Melodie, übernehmen in Sinfonischen Blasorchestern die Holzbläser anstelle der Streicher. Die Klarinette schleicht katzengleich um das Geschehen, die Waldhörner untermalen mit bedrohlichen Intervallen den Auftritt des Wolfes und die Paukenschläge hallen wie die Gewehrschüsse der Jäger.

Spielerische Eleganz

Die Stadtkapelle Friedberg hat das mit spielerischer Eleganz wunderbar umgesetzt. Dirigent Michael Meininger hatte sein Orchester perfekt eingestimmt, selbst schwierigste Passagen klangen federleicht. Das Fagott war gleich doppelt besetzt, was seine Entsprechung auf der Bühne fand: In der Heilig-Geist-Kirche hatte der Großvater die Großmutter im Schlepptau, und das fast wortwörtlich. Am Stock mit zittrigen Schritten und in gramgebeugter Haltung schlichen die beiden jungen Darsteller über die Bühne.

Kinder aus den Bläserklassen der Stadtkapelle und der Philipp-Dieffenbach-Schule setzten die Handlung szenisch um. Der Schauspielunterricht bei Sabine Lohfink hat sich gelohnt: Die Kinder agierten mit großer Spielfreude, bis hin zu den Kostümen war alles mit unglaublicher Liebe zum Detail inszeniert. So überlebte die Ente, weil der Wolf sie auf einen Happen runterschluckte, wovon ein mächtig ausgebeulter Pullover Zeugnis ablegte. Der Schauspieler, Chansonnier und HR-Moderator Bastian Korff übernahm den Part des Erzählers und führte mit warmem Timbre durch die Geschichte.

Exzellenter Botschafter der Stadt

Viele Familien ließen sich das traditionelle festliche Konzert der Stadtkapelle nicht entgehen. Die Kinder saßen gespannt auf den Bänken und beäugten neugierig die seltsamen Instrument: Da gab es nicht nur riesige Pauken und Tuben, sondern auch ein Kontrafagott, eine Bassklarinette und die zierliche Piccoloflöte, die so herrlich tiriliert.

Eröffnet wurde das Konzert durch die »Ouvertüre für Harmoniemusik« von Felix Mendelssohn-Bartholdy, die das »Peter und der Wolf«-Prinzip gewissermaßen vorwegnimmt, in dem sich die einzelnen Instrumentengruppen nacheinander dem Publikum vorstellen. Richard Wagners »Einzug der Gäste« aus der Oper »Tannhäuser« wurde von acht Blechbläsern und drei Schlagwerkern vorgetragen, majestätisch füllten die warmen Harmonien das festlich beleuchtete Kirchenschiff. Die »Serenade für 13 Bläser« von Richard Strauss, bei der flehentlich vorgetragene Waldhornklänge mit Oboe, Fagott, Klarinette und Querflöte korrespondieren, war zwar für ungeübte Ohren keine leichte Kost, regte aber so manchen jungen Zuhörer dazu an, sich bei Meininger die Feinheiten des Dirigats abzugucken.

Stadtverordnetenvorsteher Hendrik Hollender überreichte am Ende dem Vorsitzenden der Stadtkapelle Friedberg, Herbert König, eine Spende von 600 Euro. Die Stadtkapelle sei nicht zuletzt dank der Goldmedaille bei der Weltmeisterschaft der Blasorchester im holländischen Kerkrade ein exzellenter Botschafter der Stadt. Mit der »Weihnachtshymne« von Mendelssohn-Bartholdy, bei der die Zuschauer mitsingen durften, beendete das Orchester sein bislang erfolgreichstes Jahr in der Vereinsgeschichte.

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