29. Juni 2017, 20:23 Uhr

Perfekt für einen Sommerabend

29. Juni 2017, 20:23 Uhr
Das Ferdinand-Quartett mit (v. l.): Ludwig Hampe (Viola), Barbara Hefele (Violine), Paul Dahme (Flöte) und Philipp Bosbach (Violoncello, Moderation). (Foto: im)

Da der Himmel sich entschlossen hatte, nach Tagen glühender Hitze für eine kurze Erfrischung in Form winziger Schauer zu sorgen, konnte das diesjährige Notturno der Gesellschaft für Geschichte und Kultur Altenstadt und der Abtei Kloster Engelthal nicht wie gewohnt am Lindheimer Hexenturm im Park der Familie Demandt stattfinden. Doch dem Ferdinand-Quartett, besetzt mit Musikern aus führenden deutschen Opern-Ensembles in Frankfurt und Mannheim, gelang es ohne Schwierigkeiten, unter dem Motto »Zauberflötenklänge« auch die benachbarte evangelische Kirche mit wundervoll perlenden Streicher- und Flötenklängen zu erfüllen und somit die Natur quasi in das Gotteshaus hineinzuholen.

Paul Dahme (Flöte), Barbara Hefele (Violine), Ludwig Hampe (Viola) und Philipp Bosbach (Violoncello, Moderation) luden ihr Publikum zu einer facettenreichen, brillant inszenierten Entdeckungsreise durch die Zeit vor und nach der französischen Revolution ein, durch die Salons, in denen die Umbrüche der Epoche diskutiert, gleichzeitig aber auch emotionale Empfindsamkeit und Sehnsucht nach einem unverfälschten Leben zelebriert wurden.

Der Name des Quartetts, das sich die Wiederbelebung dieser Phase der Klassik in authentischer barocker Spielweise und Aufführungspraxis seit Jahrzehnten zur Aufgabe gemacht hat, leitet sich zum einen von dem niederländischen Arzt Ferdinand de Jean ab. Im Ostindieneinsatz zu Reichtum gekommen, trug der Hobby-Flötist dem 1777 gerade in Mannheim weilenden Wolfgang Amadeus Mozart an, ihm für ein Honorar von 200 Gulden »zwei leichte kurze Concertin und ein Paar quattro auf die flötte« zu schreiben – und dies, obwohl die Traversflöte nicht gerade zu den Lieblingsinstrumenten des Genies aus Salzburg zählte. Ohne Ferdinand de Jean wäre demnach auch das federleichte Quartett in D-Dur (KV 285) mit den Sätzen Allegro, Adagio und dem tänzerischen Rondo Allegretto niemals entstanden, das die vier Musiker nunmehr in Lindheim zur Aufführung brachten.

Der zweite Namensgeber des Quartetts, Ferdinand Ries, ebenfalls noch ein Zeitgenosse Mozarts, Schüler und später Assistent Beethovens, hinterließ nach einem kreativen Musikerleben mit zahlreichen Wirkungsstätten nicht zuletzt drei in Frankfurt komponierte Opern sowie sechs Flötenquartette, »die wir zu unseren größten Entdeckungen zählen«, sagte Moderator und Violoncellist Philipp Bosbach. Das erste der sechs Werke für Soloflöte, das Quartett in C-Dur, Opus 145 Nr. 1, war mit den Sätzen Allegro con brio, Larghetto cantabile, Scherzo Allegro vivace und Allegro all’espaniola in seiner vitalen, tänzerischen Anlage wie geschaffen für einen lauen Sommerabend.

Ebenfalls wundervoll gewählt war das nach der Pause erklingende Quartett Nr. 1 G-Dur von Gioacchino Rossini mit den Sätzen Moderato, Andante und Rondo Allegro. Auch hier spürte man in sich steigernder Form Tanz- und Lebensfreude sowie italienisches dolce vita – ausdrucksstark und hinreißend präsentiert von einer sympathischen, jederzeit seinem Publikum zugewandten Ensemble, das mit Paul Dahmer, Ludwig Hampe und Philipp Bosbach aus Mitgliedern der Frankfurter Opern- und Museumsorchesters besteht und mit Barbara Hefele die erste Geigerin am Nationaltheater Mannheim in seinen Reihen weiß. Das Publikum dankte mit rauschendem Applaus für ein barockes Sommerkonzert der Ausnahmeklasse.

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