01. November 2018, 21:33 Uhr

Per Handy läuten die Glocken

01. November 2018, 21:33 Uhr

Heimatforscher Heinz Fink setzte am Reformationstag in der Kirche seine Reihe lokalhistorischer Vorträge fort. Nachdem er im vergangenen Jahr sein Diorama mit Gebäuden des Dorfplatzes »Weed« und dem berühmten Karussell präsentiert hatte, war jetzt sein Modell der barocken Kirche von 1737/1738 an der Reihe. Zahlreiche an der Ortsgeschichte interessierte Gäste fanden sich zu dem sorgfältig recherchierten Vortrag ein.

Fink dankt seinen Helfern vom Verein Dorfentwicklung Kaichen (DEK) und verblüffte mit der Information, man könne im laufenden Jahr das 280-jährige Jubiläum der Kirche feiern, da sie nicht, wie bislang angenommen im Jahr 1737, sondern erst 1738 geweiht worden sei. Im frühen 18. Jahrhundert seien zahlreiche Kirchen neu errichtet worden, da die Vorgängerkirchen baufällig waren. Der Dreißigjährige Krieg und die sich anschließenden Wirren lagen so lange zurück, dass wieder Wohlstand aufgekommen war. Als im beginnenden 18. Jahrhundert klar wurde, dass auch in Kaichen der Vorgängerbau, das »Kirchhäuslein«, aufgegeben werden musste, zog der Metzger Vollhard im Auftrag der Dorfbevölkerung in zwei Touren zuerst bis Regensburg, dann sogar bis Hamburg, bis in das Elsass und bis Zürich durch die Lande, um Geld für den Kaicher Kirchenbau zu sammeln, berichtete Fink.

Fink widmete sich der Feier zur Grundsteinlegung, die 14 Gulden gekostet habe. Die beteiligten Handwerker kamen zumeist aus dem Gebiet des Freigerichts und aus Friedberg. Die Mauersteine stammten aus dem Steinbruch im Hainwald. Die Gewerke wurden einzeln vergeben. Nach 19 Monaten stand die Kirche. Bei der Einweihung musste Wachpersonal sie vor Überfüllung schützen.

Der Referent klärte die Geschichte des Taufsteins, des Altars, der Kanzel, der Orgel, der Bildergalerie an den Emporen, des Bilds des Adlers mit Doppelkopf an der Decke und der vom alten Friedhof stammenden Grabsteine in der Vorhalle und draußen. 1744 wurde die Friedhofsmauer gebaut. Der Kirchturm ist nach dem Silo und mit den Basilika-Türmen das zweithöchste Gebäude in Niddatal, schmückte bereits die Vorgängerkirche und könnte zuvor schon zu einer Wehranlage gehört haben.

Mit seinem Mobiltelefon setzte Fink zunächst die Glocken der Kirche und dann die Geläutimitationen im Kirchenmodell in Betrieb. Nach dem kräftigen Applaus der Besucher durften diese alle aufgestellten Modelle begutachten. Das illuminierte Miniaturkarussell zog auf dem Diorama der »Weed« seine Zirkel. Der Erlös aus der Veranstaltung soll der Gestaltung der öffentlichen Räume im Amtshaus, das derzeit renoviert wird, zugutekommen.

Pfarrerin Evelyn Giese hatte den Abend mit einer Andacht eröffnet. Sie lud zu Gedanken an den Reformationstag ein. Mit den hohen Gedenktagen seien die ersten Novembertage die »Woche der Wahrheit«.

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