Friedberg (isi). »Früher fuhren aber regelmäßig Züge nach Buchenwald«, antwortete Shahak Shapira dem Schalterbeamten am Bahnhof Weimar, auf die Auskunft, dass es keine direkte Zugverbindung zur Holocaust-Gedenkstätte gebe. Sein tabuloser Humor verunsicherte anfangs die Zuschauer im Theater Altes Hallenbad.

Shahak Shapira, Israeli, der mit 14 Jahren nach Deutschland kam, Satiriker, Aktionskünstler und Buchautor, wurde durch sein »Yolocaust«-Projekt oder seine Twitter-Aktion bekannt. Bei dieser sprühte er mit Kreidefarben Hassparolen vor die Twitter-Zentrale im Hamburg, die Twitter sich geweigert hatte, zu löschen. Seine ironische und provokante Art hat Shapira inzwischen viele Fans eingebracht, aber nicht jeder versteht diesen Humor. »In das Lager kommen ist Glückssache«, »sehr unfreundliches Personal«, »nicht behindertengerecht«, »schlecht organisiert« so beurteilen Besucher die Konzentrationslager Auschwitz und Buchenwald. Shapira zeigte Kommentare auf den Bewertungsplattformen Yelp und Tripadvisor. Wo es sonst eher darum geht, ob das Schnitzel nicht knusprig genug war oder der Hotel-Pool ungeheizt, finden sich auch Bewertungen der Holocaust-Gedenkstätten. Offenbar habe es nicht jedem Besucher dort gefallen, die Auschwitz mit nur einem Stern, der schlechtesten Bewertung, versehen.

Peniswitze und mehr

Den Besuchern der Veranstaltung bei der Interkulturellen Woche blieb anfangs das Lachen ein bisschen im Hals stecken, denn Shapira hat einen pechschwarzen Humor. So war das Publikum leicht verunsichert, bei der Frage, warum so auffallend viele NPD-Plakate in der Stadt hingen. Auch Wahlplakate der AfD sind ein Thema: Eines zeigt eine Frau in der Küche mit der Aufschrift: »Sehen Sie auch eine Frau in einer Küche, die kocht?«, da stelle sich die Frage, seit wann Küchen kochen können, die Dame auf dem Plakat, die mit einem Schneebesen im Nudelsieb rühre, könne nicht gemeint sein. Der Online-Shop des Kopp-Verlags, der rechtsesoterische aber auch rechtsextreme Titel vertreibt, führe auch sein Buch »Das wird man ja wohl noch schreiben dürfen!«.

Schlüsse überlässt er anderen

Kunden die dieses Buch kauften, kauften auch einen Outdoor-Gulaschkanonen-Ofen, der »mit jeder Art von Brennstoff funktioniert«, wie Shapira vorlas. Die Schlüsse aus den gezeigten Bildern zu ziehen, überlässt er gerne dem Publikum, das mit der Zeit etwas lockerer auf seinen Humor reagierte.

Nach einer Pause begann Shapira mit »es gibt einen Mann mit zwei Penissen«. Klar, hatte er auch ein Bild dabei, verpixelt, dennoch allzu deutlich erkennbar. Mit selbstgezeichneten Strichmännchenfiguren erklärte er dessen Sexualleben, Peniswitze sind Teil seines Humors. Shapira las noch ein Kapitel aus seinem zweiten Buch »Holyge Bimbel: Storys vong Gott u s1 Crew«, in dem er die Bibel in die »Vong-Sprache« übersetzte. Ein Internetphänomen, das schnell als »neue Jugendsprache« wahlweise übernommen oder verteufelt wurde.

Immer wieder spielt das Thema Diskriminierung eine Rolle: »Warum dürfen Homosexuelle kein Blut spenden?«. Man unterstelle doch, dass alle Homosexuellen »Schlampen mit ausschweifendem Sexualleben« seien und Geschlechtskrankheiten verbreiteten.

Shahak Shapira legt in seinem Programm den Fokus auf vieles, das oftmals »unhinterfragt« hingenommen wird.

Schlagworte in diesem Artikel

  • Aktionskünstler
  • Alternative für Deutschland
  • Bahnhöfe
  • Friedberg
  • Geschlechtskrankheiten
  • Hallenbäder
  • Holocaustgedenkstätten
  • Jugendsprache
  • Konzentrationslager
  • Onlineshops
  • Personen aus Israel
  • Twitter
  • Isabell Steinhauer
  • Schlagwort zu
    Meine Themen

    Sie haben bereits 15 Themen gewählt

    Sie folgen diesem
    Thema bereits

Klicken Sie auf ein Schlagwort, um es zu „Meine Themen” hinzuzufügen oder weitere Inhalte dazu zu sehen.


0
Kommentare | Kommentieren

Bilder und Videos

Kommentare

Kommentar hinzufügen

Kommentar schreiben - Ihre Meinung zum Thema ist gefragt


Kommentare werden erst nach einer Prüfung durch die Redaktion veröffentlicht. Bitte beachten Sie die Netiquette sowie die Hinweise nach dem Absenden Ihres Beitrags.


Überschrift
Meine Meinung





Sie haben noch kein Login? Jetzt kostenlos registrieren.

Registrieren Sie sich kostenlos um Ihren Kommentar abzuschließen:

Wir garantieren Ihnen, dass alle persönlichen Daten nur beim Verlag intern verwendet werden und nicht ohne Zustimmung an Dritte weitergegeben werden.


Bitte beantworten Sie noch die folgende Sicherheitsfrage:
Wieviel ist 24 - 4: 




Sie sind bereits registriert? Zurück zum Login.