05. Oktober 2018, 20:53 Uhr

Patrick K. bleibt vorerst in Haft

05. Oktober 2018, 20:53 Uhr
Patrick K. mit seiner Mutter Claudia S.

Es waren schlimme Stunden bangen Wartens, die Claudia S. am Freitag durchleiden musste, und dann blieb die erlösende Nachricht auch noch aus: Ihr Sohn Patrick K. bleibt vorerst in türkischer Untersuchungshaft. Ein Gericht in der südosttürkischen Stadt Sirnak lehnte am Freitag zum Prozessauftakt die sofortige Freilassung des 29-jährigen Gießeners ab. K. wird laut seinem Anwalt Hüseyin Bilgi vorgeworfen, Mitglied der in Syrien kämpfenden Kurdenmiliz YPG zu sein und im vergangenen März eine »militärische Sperrzone« im türkisch-syrischen Grenzgebiet betreten zu haben. Seitdem sitzt Patrick K. in Haft.

Zuschaltung per Video

Seine Mutter erfuhr von der Haftverlängerung am Freitag zunächst vom Anwalt ihres Sohnes und dann vom Istanbuler Büro der Deutschen Presseagentur. Ihre Hoffnung richtet sich nun auf den zweiten Verhandlungstag am 26. Oktober und darauf, dass er dann aus der Haft entlassen wird »und dieser Albtraum endlich endet«. Der Anwalt werde aber versuchen, früher eine Freilassung zu erwirken.

Patrick K. nahm selbst am Prozess nicht teil und wurde nur per Video aus dem mehrere Hundert Kilometer von Sirnak entfernt liegenden Gefängnis aus Elazig zugeschaltet. Dies habe bei ihrem Sohn im Vorfeld für viel Verunsicherung gesorgt, weil er nicht einmal gewusst habe, wer seine Aussage dem Gericht übersetzt, sagte seine Mutter.

Claudia S. ist hundertprozentig davon überzeugt, dass die Anschuldigungen gegen ihren Sohn ungerechtfertigt sind. Patrick habe seinerzeit Wandern wollen und habe sich verlaufen, ehe er aufgegriffen wurde. Sie hofft, dass sie mit ihm am kommenden Montag wieder telefonieren und ihm Mut machen kann und auch mehr über den Prozess erfährt. »Wie das gestern in dem Gericht abgelaufen ist, kann ich nicht sagen«, erklärte Claudia S. Gegen 15.30 Uhr hatte sie der Anwalt angerufen, der Prozess begann gegen 13 Uhr.

Behauptungen der türkischen Sicherheitsbehörden gleich nach der Festnahme im März, wonach K. bei der Bundeswehr militärisch ausgebildet worden sei, sind längst widerlegt. Laut Bundeswehr hat K. nicht gedient. Auch gibt es zumindest in Gießen keinerlei Hinweise darauf, dass sich K. politisch für die Sache der Kurden engagiert. Den hiesigen Aktivisten, die in Gießen zuletzt Demonstrationen gegen den Militäreinsatz der Türkei im nordsyrischen Kurdengebiet Afrin organisiert hatten, ist der 29-Jährige gänzlich unbekannt.

Freunde von K. hatten auf Facebook eine Solidaritätsseite (Free Patrick) eingerichtet und eine Online-Petition gestartet. Deutsche Medien zählen K. zu einer Handvoll deutscher Staatsbürger, die in der Türkei aus politischen Gründen in Haft sitzen und denen das Tauwetter in den türkisch-deutschen Beziehungen nutzen könnte. Seit Erdogans Staatsbesuch in Deutschland hat es aber keine Freilassungen gegeben. (Foto: pv)

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