Wetterau

Parkstraße: Gefahr auf Zebrastreifen

Fußgänger sind unachtsam, Autofahrer abgelenkt, bremsen im letzten Moment. In der Bad Nauheimer Parkstraße kommen Beinahe-Unfälle häufig vor, doch bisher ist alles gut gegangen.
04. September 2019, 08:00 Uhr
Bernd Klühs
Ein gewohntes Bild. Andrang auf einem Zebrastreifen in der Parkstraße. In diesem Fall kein Problem, der SUV-Fahrer bremst nach dem Linksabbiegen rechtzeitig ab. 	(Foto. Nici Merz)
Ein gewohntes Bild. Andrang auf einem Zebrastreifen in der Parkstraße. In diesem Fall kein Problem, der SUV-Fahrer bremst nach dem Linksabbiegen rechtzeitig ab. (Foto. Nici Merz)

Die junge Frau ist »echt am Verzweifeln«. Innerhalb weniger Wochen ist sie auf einem Zebrastreifen in der Parkstraße zweimal in Gefahr geraten. Sie hatte ihre Kinder dabei, eines davon saß im Buggy. »Ich habe vor dem Überqueren der Straße geschaut, ob wir rübergehen können, und wurde von einer jungen Dame trotzdem fast angefahren«, schildert die Bad Nauheimerin den jüngsten Vorfall. Noch schlimmer war ihre Erfahrung drei Wochen zuvor. Auch da kam sie mit ihren Kindern fast unter die Räder. Doch nicht nur das: Die Fahrerin, die im letzten Moment vor dem Fußgängerüberweg anhielt, zeigte ihr den Vogel. »Ich bin als Nazi beschimpft worden, mir wurden Schläge angedroht.« Die junge Frau ist fassungslos, zumal sie gerade selbst den Führerschein macht und die strengen Regeln der Straßenverkehrsordnung kennenlernt. Als Erzieherin macht sich die Bad Nauheimerin vor allem Gedanken über die Sicherheit von Kindern.

Gerade noch wird mit quietschenden Reifen gebremst - das hat vermutlich fast jeder Fußgänger erlebt, der die Parkstraße öfters überquert. Die Ursachen sind vielfältig. Da gibt es Fußgänger, die den Zebrastreifen als hundertprozentig sichere Schutzzone ansehen. Auf dem Handy eine Whatsapp tippend, aus dem Kopfhörer dröhnt laute Musik, die Sicht ist durch eine Kapuze eingeschränkt - so passieren manche junge Leute die Straße. Auch abseits eines Überwegs. Andere joggen, rasen mit Rad oder Tretroller drüber, ohne vorher anzuhalten. »Zebrastreifen bieten keine absolute Sicherheit. Der Fußgänger muss schauen, Blickkontakt mit dem Fahrer aufnehmen, bevor er drübergeht«, weißt Erster Stadtrat Peter Krank auf Grundregeln hin, die jedem geläufig sein sollten.

Handy lenkt ab, Sonne blendet

Doch selbst bei korrektem Verhalten können Fußgänger auf einem der vier Zebrastreifen in der Parkstraße gefährdet sein. Autofahrer sind durchs klingelnde Handy abgelenkt oder durch die tiefstehende Sonne geblendet. Auf den Überwegen an der Einmündung der Terrassen-, der Kur- und der Zanderstraße kommt ein weiteres Problem hinzu. Fahrer, die auf die stark frequentierte Parkstraße einbiegen wollen, achten auf den fließenden Verkehr und starten schnell, wenn sich eine Lücke ergibt. Der Fußgänger auf dem Zebrastreifen wird erst im letzten Moment wahrgenommen.

Verkehrsdezernent Krank beurteilt die Sicherheitslage auf der Parkstraße nicht als dramatisch. Und er hat ein gutes Argument: »In den Jahrzehnten, die ich zurückblicken kann, hat sich dort kein schwerer Unfall mit Fußgängern ereignet.« Gegenseitige Rücksichtnahme sei das A und O. Nicht alle Verkehrsteilnehmer hielten sich daran, notfalls sollte Anzeige erstattet werden.

In Jahrzehnten kein schwerer Unfall

Handlungsbedarf vonseiten der Stadt sieht der Dezernent nicht. Das gilt auch für die obere Parkstraße, wo die abbiegende Vorfahrt in Höhe der Friedrichstraße schwer überschaubar ist. Besonders Kinder und Alte sind oft verunsichert. Wer die Friedrichstraße an der Einmündung in die Parkstraße überqueren möchte, muss motorisierten Verkehr aus drei Richtungen beobachten. Krank zufolge kein Problem: »Das lernen Kinder schon in der Kita.« Er hält es nicht für notwendig, in der Friedrichstraße einige Meter vor der Einmündung einen weiteren Zebrastreifen anbringen zu lassen.

Mehr Gedanken macht sich der Erste Stadtrat über die hohe Verkehrsbelastung der Parkstraße. In Sachen Luftqualität dient das Bad Nauheim nicht beim gerade anstehenden Versuch, den Heilbad-Status zu behalten. Anlieferverkehr, die Bushaltestelle und vor allem das Ein- und Ausparken sorgen ständig für Staus. »Die Aufenthaltsqualität in der Kurstadt wird dadurch beeinträchtigt«, sagt Krank. Bei der Entwicklung eines Gesamtverkehrskonzepts für die Stadt wird die Parkstraße eine wichtige Rolle spielen.

»Nicht ausschließen« möchte der Erste Stadtrat das Nachdenken über eine radikale Verkehrsberuhigung. Theoretisch könnte der Verkehr über Zanderstraße, Ernst-Ludwig-Ring, Karl-, Haupt- und Friedrichstraße umgeleitet werden, um die untere Parkstraße zu entlasten. Dort könnte beispielsweise nur noch Anliegerverkehr zugelassen werden.

25 Tote pro Jahr auf Überwegen

Auch die Unfallforschung der Versicherungswirtschaft befasst sich eingehend mit Gefahren, die auf Fußgänger lauern. Einer Studie zufolge verunglückten in Deutschland 2016 gut 5400 Personen an Zebrastreifen, 25 davon tödlich. An besonders gefährlichen Stellen empfehlen die Versicherungskonzerne Fußgängerüberwege mit Mittelinsel. Laut Straßenverkehrsordnung gilt an solchen Überwegen, die seit über 65 Jahren existieren, Vorrang für Fußgänger und Rollstuhlfahrer. Voraussetzung: Sie müssen ihre Absicht, die Straße zu überqueren, eindeutig signalisieren. Räder und andere Gefährte müssen über die Straße geschoben werden.

Motorisierte Verkehrsteilnehmer, die sich nicht an die Regeln halten, müssen mit Bußgeldern rechnen. Wer zu schnell an einen Zebrastreifen heranfährt, kann mit 80 Euro zur Kasse gebeten werden. Entsteht dadurch eine Gefahr für Fußgänger, sind 100 Euro fällig, bei einem Unfall 120 Euro. Wer bei Stau auf dem Überweg anhält, muss 5 Euro berappen.

Artikel: https://www.giessener-allgemeine.de/regional/wetteraukreis/friedbergbadnauheim/Wetterau-Parkstrasse-Gefahr-auf-Zebrastreifen;art472,624105

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