06. Juli 2017, 14:00 Uhr

Sprudelhof

Parkdeck-Streit: Minister greift ein

Jetzt muss sich ein Minister einschalten, damit sich im Sprudelhof überhaupt noch was bewegt. Auslöser ist die Dauerauseinandersetzung um die Erweiterung des Parkdecks.
06. Juli 2017, 14:00 Uhr
Eine Therapiepraxis und Veranstaltungsräume der Stiftung Sprudelhof sollen eines Tages im Badehaus 7 Platz finden. Voraussetzung ist die Grundsanierung, für die es bislang aber keine Baugenehmigung gibt. (Foto: Nici Merz)

Im Streit um die geplante Erweiterung des Parkdecks Sprudelhof in Bad Nauheim sind die Positionen der Kontrahenten festgefahren. Ohne dieses Bauprojekt ist aber an eine Sanierung der sechs Badehäuser nicht zu denken. Jetzt soll es zu einer Art Mediation auf höchster Ebene kommen, als Schlichter tritt ein Minister in Erscheinung.

Seit geraumer Zeit liegt eine Planung für die Erweiterung des Parkdecks Sprudelhof um 120 Plätze vor. Kein bedeutendes Bauvorhaben, sollte man meinen, doch tatsächlich ist es das vielleicht wichtigste aktuelle Projekt in Bad Nauheim. Ohne diesen Ausbau erhält die Stiftung Sprudelhof nämlich keine Genehmigung für die Sanierung der Badehäuser, die bereits seit dem letzten Jahr laufen sollte. »Nach der Instandsetzung werden alle Gebäude einer neuen Nutzung zugeführt. Die Baugenehmigung wird aber nur erteilt, wenn wir ausreichend Stellplätze nachweisen können«, sagt Frank Thielmann, Geschäftsführer der Stiftung Sprudelhof. Das ist aktuell und auf absehbare Zeit nicht der Fall.

 

Auswirkung auf Thermenanbindung

 

Dabei schien alles kein Problem zu sein. Im November 2016 war Bürgermeister Armin Häuser optimistisch, bald mit der Erweiterung starten zu können. Die Wohnungsbau-Gesellschaft (Wobau) hatte den Planungsauftrag vergeben und dafür 40 000 Euro bereitgestellt. Stadt und Land waren sich einig, die Investitionskosten von 2,5 Millionen Euro zu teilen. Das galt auch für die 120 neuen Parkplätze, die unter- und oberirdisch in Richtung Ludwigstraße angelegt werden sollen. Etwa die Hälfte sollte den Mietern der Badehäuser dienen, den Rest würde die Wobau als gebührenpflichtige Plätze nutzen.

Doch das Landesamt für Denkmalpflege will nicht mitspielen. Häuser kann das Verhalten der Behörde nicht nachvollziehen. »Präsident Dr. Harzenetter hat erst signalisiert, sich den Ausbau vorstellen zu können, dann schwenkte er plötzlich um«, sagt der Bürgermeister. Im Prinzip wird diese Aussage von Geschäftsführer Thielmann bestätigt. Eine Vertreterin des Landesamtes sei bei der Besprechung über die Parkdeck-Erweiterungspläne anwesend gewesen und habe das Konzept mitgetragen. Präsident Dr. Markus Harzenetter sei aber anderer Ansicht.

Harzenetter lehnt ein Interview mit der WZ über die Parkdeck-Erweiterung und die Anbindung des Badehauses 2 an die neue Therme mit dem Hinweis auf die laufenden Verhandlungen ab. Seine Pressesprecherin nimmt aber Stellung zu den Ausbauplänen. »Die von Stadt und Stiftung favorisierte Lösung wird aus denkmalpflegerischer Sicht als städtebauliche Fehlentwicklung eingeschätzt. Das Landesamt für Denkmalpflege hat seit über einem Jahr erhebliche Bedenken vorgetragen«, betont Dr. Katrin Bek. Stattdessen habe das Landesamt angeregt, zunächst eine historisch-topografische und städtebauliche Analyse des Areals rund um den Sprudelhof vorzunehmen. Schließlich gibt es ja nicht nur Pläne für die Parkdeck-Erweiterung, sondern auch für den Therme-Neubau in unmittelbarer Nähe der denkmalgeschützten Jugendstilanlage.

Thielmann kennt diese Äußerungen der Wiesbadener Behörde, wartet aber bis heute auf nähere Erläuterungen. Wie soll diese Analyse genau aussehen, welches Gebiet soll untersucht werden und nach welchen Gesichtspunkten? »Solange wir das nicht wissen, können wir auch über die Kosten nur spekulieren«, erklärt der Geschäftsführer. Wer die Expertise bezahlen soll, ist ebenfalls offen. Häuser lehnt eine Kostenübernahme durch die Stadt rundweg ab, schließlich sei der Stellplatzzuwachs zu allererst im Interesse der Stiftung Sprudelhof.

Aus Sicht des Bürgermeisters blockiert die Denkmalpflege jeglichen Fortschritt im Sprudelhof. Den Grund versteht er nicht, denn die Erweiterungspläne sähen ja keine Aufstockung des Parkdecks vor, die den Blick auf den Sprudelhof beeinträchtigen könnte. Ohne zusätzliche Parkplätze können die Badehäuser nicht saniert werden. Ohne Instandsetzung gibt es keine Anbindung des Thermalbads ans Badehaus 2, kein Jugendstilzentrum und keine Umsiedlung der Theodora-Konitzky-Krankenpflegeschule in den Sprudelhof. Auch die Zukunft des Theaters Alte Feuerwache und des Balneologischen Instituts in unmittelbarer Nachbarschaft zum Sprudelhof bleibt unklar.

»Ohne Parkplätze kommen wir einfach nicht weiter«, sagt Thielmann, der einer Meinung mit dem Bürgermeister ist, dass sich jetzt endlich etwas tun muss. Vielleicht wird eine Nachricht aus Wiesbaden von den beiden Verantwortlichen als positives Signal aufgefasst. Der FDP-Landtagsabgeordnete Jörg-Uwe Hahn (Bad Vilbel) berichtet nämlich von einem hochrangigen Treffen, zu dem der hessische Minister für Wissenschaft und Kunst, Boris Rhein (CDU), eingeladen hat. Teilnehmen sollen neben dem Minister auch Dr. Bernadette Weyland, Staatssekretärin im Finanzministerium und Vorsitzende des Kuratoriums der Stiftung Sprudelhof, Kunststaatssekretär Ingmar Jung sowie Dr.

Markus Harzenetter, Präsident des Landesamtes für Denkmalpflege. Im Ministerium wird die Initiative von Pressesprecher Christoph Schlein etwas anders dargestellt. Boris Rhein habe ein solches Treffen »angeregt«, heißt es da. Ziel sei es, sich »auf eine gemeinsame Position des Landes zu einigen«. Einen Termin nannte der Pressesprecher nicht.

Thielmannn befürchtet weitere Verzögerungen. Denn Weyland (CDU) ist nur noch bis Ende August Finanzstaatssekretärin und Kuratoriumsvorsitzende. Dann legt sie diese Ämter nieder, um sich ihrer Kandidatur für das Oberbürgermeisteramt in Frankfurt zu widmen. Ein Nachfolger steht mit Martin Worms, bislang Leiter der Haushaltsabteilung, zwar fest, muss aber erst mal offiziell ernannt und dann irgendwann zum Kuratoriumsvorsitzenden gewählt werden.

Info

Badehäuser: Sanierung ab 2018?

Der Zeitplan für die Sanierung der Badehäuser im Bad Nauheimer Sprudelhof wird nicht zum ersten Mal geändert. Ursprüngliches Ziel war der Auftakt mit der Instandsetzung des Badehauses 7 ab Frühjahr 2016. Ein Jahr später sollte mit dem Badehaus 3 begonnen werden. Diese Planung hat sich zerschlagen, weil die Parkplatzfrage nach wie vor offen ist. Falls der Vermittlungsversuch von Minister Rhein Erfolg hat, können Handwerker frühestens 2018 im Badehaus 7 loslegen. Für die oberirdische Restaurierung der Jugendstilanlage stellt das Land Hessen insgesamt 28 Millionen Euro zur Verfügung. Pro Badehaus wird eine Bauzeit von bis zu zwei Jahren veranschlagt. (bk)

Schlagworte in diesem Artikel

  • Armin Häuser
  • Bernadette Weyland
  • Boris Rhein
  • CDU
  • Denkmalpflege
  • Ingmar Jung
  • Instandhaltung
  • Jörg-Uwe Hahn
  • Minister
  • Parkplätze
  • Sprudelhof Bad Nauheim
  • Stiftung Sprudelhof
  • Bad Nauheim
  • Bernd Klühs
  • Schlagwort zu
    Meine Themen

    Sie haben bereits 15 Themen gewählt

    Sie folgen diesem
    Thema bereits

Klicken Sie auf ein Schlagwort, um es zu „Meine Themen” hinzuzufügen oder weitere Inhalte dazu zu sehen.


0
Kommentare | Kommentieren

Bilder und Videos