29. Oktober 2019, 17:00 Uhr

Vatikan-Korrespondent

Papstkenner Andreas Englisch plaudert aus dem Nähkästchen

1987 zog Andreas Englisch nach Rom, um Italienisch zu lernen. Bis heute lebt der Journalist mit Frau und Sohn in der italienischen Hauptstadt, von wo er seit drei Jahrzehnten als Vatikan-Korrespondent für verschiedene Medien tätig war und bis heute ist.
29. Oktober 2019, 17:00 Uhr
Statt aus seinen Büchern zu lesen, erzählt Andreas Englisch bei »Friedberg lässt lesen« 80 Minuten lang ohne Punkt und Komma Geschichten aus dem Vatikan und von den Päpsten, die er getroffen hat. (Foto: lod)

Dabei kam der studierte Literaturwissenschaftler ganz nah ran an die drei Päpste Johannes Paul II., Benedikt VI. und Franziskus. Aus dem einstigen Papstskeptiker wurde ein Papst-Freund und zugleich ein Vatikan-Experte, der zahlreiche Papst-Bücher sowie Romane veröffentlichte.

Warum Englisch - zumindest im deutschsprachigen Raum - der bekannteste Vatikan-Korrespondent überhaupt ist, zeigte er am Freitagabend im sehr gut gefüllten Stadthallensaal. Angekündigt war die Veranstaltung im Rahmen der Reihe »Friedberg lässt lesen« als Lesung mit Hinweis auf das vor vier Jahren erschienene Buch »Der Kämpfer im Vatikan« über den 2013 gewählten Papst Franziskus. Auf eine »normale« Lesung deuteten auch Tisch und Stuhl sowie ein Stehtisch auf der Stadthallenbühne hin.

Wie der Papst Ski gefahren ist

Doch statt aus seinen Büchern zu lesen, erzählt Englisch 80 Minuten lang ohne Punkt und Komma Geschichten aus dem Vatikan und in erster Linie von den drei Päpsten, die er begleiten durfte. Er tut dies in der ihm ganz eigenen Art. Englisch nutzt die ganze Bühne, flaniert geradezu darüber. Er plaudert in atemberaubendem Tempo ohne jegliches Manuskript und völlig fehlerlos, dafür aber mit viel Humor aus dem päpstlichen Nähkästchen. Dabei bleibt offen, ob ein Papst etwas genauso gesagt hat, wie es der Journalist erzählt.

Die Besucher jedenfalls sind begeistert und erstaunt zugleich, wenn Englisch beispielsweise über sein erstes Treffen mit dem polnischen Papst Johannes Paul II. erzählt. Dieser habe sich gewundert, dass er als junger Vatikankorrespondent kaum Italienisch spreche und sich besser mit Fußball als mit dem Vatikan auskenne.

So erzählt Wojtyla ihm, dass er als Kind mal als zweiter Pfosten bei einem Fußballspiel seines Bruders herhalten musste. Es sind diese kleinen überraschenden Geschichten, mit denen es Englisch mühelos gelingt, die Zuhörer zu faszinieren.

»Stellen Sie sich den polnischen Papst nicht so steif vor«, sagt Englisch und erzählt, warum Johannes Paul II. in seinen Anfangsjahren seine Audienzen schnell durchzog, wenn auf den Bergen Schnee lag: »Er wollte Ski fahren und ließ sich im Fiat 500 mit den Skiern auf dem Knien heimlich in die Berge fahren.«

Relativ kurz erzählt Englisch, der die drei Päpste auf 31 Auslandsfahrten begleitete, von seinen Erlebnissen mit Papst Benedikt VI., dessen Abdankung er ebenso vorhersagte wie dessen Wahl. Englisch: »Ich vertraute meinem Gefühl.« Er habe schon Glück gehabt, dass seine Prognosen zutrafen, was ihn noch bekannter machte.

Am meisten beeindruckt ihn jedoch der amtierende Papst Franziskus. Dass der Wahl des Argentiniers ein Machtkampf vorausgegangen war, erzählt Englisch so: »Die Wahl-Kardinäle aus aller Welt wollten es den römischen Kurienkardinälen im Vatikan mal zeigen«. Dass sich Franziskus nicht an die Jahrhundert alten Regeln hält, ist hinreichend bekannt. Er lehnt jeden Pomp ab, wohnt in einer kleinen Wohnung im Schwesternhaus und nimmt auf seinen Reisen schon mal eine Krankenschwester oder seinen »Fahrstuhlmann« mit. »Seit seiner Wahl ticken die Uhren im Vatikan völlig anders«, sagt Englisch, der den Abend mit einem Appell an die deutschen Christen beendet: »Es ist unglaublich, dass sich in Deutschland Evangelen und Katholiken noch immer gegenseitig in die Suppe spucken. Ihr seid alle Christen und werdet in der Welt gebraucht.«

Nicht enden wollender Beifall waren der Dank der Besucher für den humorvollen Blick hinter die Kulissen des Vatikans.

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