14. April 2018, 18:00 Uhr

Wasserleitung

Ovag verlegt Wasserleitung auf besondere Art

Es hat den Anschein, als werde in den späten Abendstunden ein Science-Fiction-Film in der Hügelstraße gedreht. Dabei geht es um die Grundversorgung der Bingenheimer.
14. April 2018, 18:00 Uhr

Es hat den Anschein, als werde in den späten Abendstunden ein Science-Fiction-Film in der Hügelstraße gedreht. Ein 400 Meter langer Lindwurm schiebt sich am Ende der Straße nahe des Waldes in den Untergrund. Aber es handelt sich ebenso wenig um einen Film wie um eine Raupe, sondern um ein Trinkwasserrohr, um das sich in dieser Nacht alles dreht. Genau genommen windet es sich auch nicht in den Boden, sondern wird von einem Roboter ans andere Ende der Straße gezogen, bis es in seiner Gänze verschwunden ist. Dann erst kann es an beiden Enden an die bestehende Trinkwasserleitung angeschlossen werden.

Nachtschicht für die Mitarbeiter der Ovag und einer für Spezialaufgaben beauftragte Firma: Da in der Hügelstraße der Straßenbelag und die unterirdischen Leitungen ausgetauscht werden, hatte sich die Ovag entschlossen, auf besagten 400 Metern die 100 Jahre alte erste Fernwasserleitung von Hungen nach Frankfurt auszutauschen.

 

Dann streikt die Zugmaschine

Nun ist der Austausch einer Trinkwasserleitung für die Mitarbeiter der Ovag nichts Ungewohntes – allerdings war die Art und Weise, wie sie in der Hügelstraße vorangingen, eine Art Premiere. »Normalerweise bauen wir parallel zur alten Leitung die neue und bleiben mit der Leitung so lange wie möglich in Betrieb. Dies war aber hier nicht möglich, weil die Straße zu eng ist«, erklärt Projektleiter Florian Odermatt.

Deshalb wurde ein sogenanntes Relining-Verfahren gewählt, bei dem die neue in die alte Leitung gezogen wird. Die neue Leitung aus Polyethylen ist zwar etwas dünner als die ursprüngliche 70-Zentimeter-Leitung, »aber auf dieser relativ kurzen Distanz hat dies keinerlei Nachteile für die Verbraucher«, sagt Odermatt. Auch könne man mit diesem Verfahren die Unterbrechung der Versorgung auf wenige Stunden beschränken.

 

Nicht alles läuft glatt

Dass die Sanierung nicht alltäglich ist, wird spätestens klar, als nicht alles glatt läuft. Die Arbeiter stehen vor der Herausforderung, bedingt durch die enorme Wandstärke und niedrige Temperaturen, die Startgrube – die Baugrube, an der das Rohr von der Erdoberfläche in die Tiefe und letztlich in das Altrohr gelangt – zu verlängern. Zudem hat die Zugmaschine trotz vorheriger Wartung einen Defekt, wird flugs gegen eine bereitstehende Ersatzmaschine ausgetauscht.

Nach dem Einzug des rund 25 Tonnen schweren Rohrs in das Altrohr in zweieinhalb Metern Tiefe erfolgt der Anschluss an beiden Enden, bis die Fernwasserleitung wieder in Betrieb genommen werden kann. Rund 350 000 Euro hat das Unternehmen in diese Verlegung investiert.

Die Anwohner bekamen außer der spektakulären »Filmkulisse« nicht viel mit: Auf den Zugang zum Trinkwasser habe keiner von ihnen verzichten müssen.

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