Wetterau

Oswin Veith bleibt in Berlin

Oswin Veith hat das Direktmandat im Wetteraukreis verteidigt. Das sind die Ergebnisse und Reaktionen.
25. September 2017, 07:05 Uhr
Jürgen Wagner
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Oswin Veith hat das Direktmandat im Wetteraukreis verteidigt, allerdings fiel der Sieg deutlich geringer aus als bei der Wahl vor vier Jahren. Veith holte gut 36 Prozent, die SPD-Kandidatin Natalie Pawlik kam auf 29 Prozent. Der einzige Direktkandidat, der noch über zehn Prozent kam, ist der AfD-Vorsitzende Klaus Herrmann (11).

Bei den großen Parteien gab es lange Gesichter, die kleineren konnten zufrieden sein. Die Wahlbeteiligung lag im Wetterauer Wahlkreis 177 bei 78,3 Prozent.

Der Wahlabend im Kreishaus hat längst seinen Reiz verloren. Als die ARD um 18 Uhr die Prognose verkündete, verloren sich vielleicht zehn Besucher im Plenarsaal. Verluste bei den großen Parteien, die AfD als drittstärkste Kraft: Schweigend wurde das Ergebnis aufgenommen.

Kurz nach 22 Uhr lag das Ergebnis bis auf einen Wahlbezirk vor. Nun kam auch Veith als letzter der Kandidaten in den Plenarsaal. Das Zweitstimmenergebnis nannte er »weder befriedigend noch erfreulich«. Er kritisierte, dass die SPD in die Opposition gehen will. Keine Partei könne in einer Koalition ihre Forderungen komplett umsetzen, sagte er in Richtung FDP und Grüne. Pawlik wurde mit viel Applaus begrüßt. Die SPD müsse sich personell und inhaltlich neu aufstellen, sagte sie. Das Ergebnis im Bund sei enttäuschend, die Oppositionsrolle folgerichtig.

 

Buhrufe für AfD-Kandidat

 

Klaus Herrmann lobte den Mut der AfD-Anhänger. Angesichts der »Diffamierungskampagnen der Kartellparteien« sei dies notwendig gewesen, sagte er und freute sich besonders, »dass die SPD ihr bislang schlechtestes Ergebnis eingefahren hat«. Das gab Buhrufe. Zu einer Jamaika-Koalition sagte Peter Heidt (FDP): »Wir machen das, wenn die anderen Parteien unser Programm übernehmen. Wir werden aber nicht die Retter der Republik spielen.« Kathrin Anders (Grüne) appellierte, die Parteien müssten, um eine Koalition zu bilden, nun verantwortungsvoll miteinander sprechen. Julian Eder freute sich über das beste Ergebnis der Linken in der Wetterau, warnte aber vor der Zusammenarbeit mit der AfD, da diese »offen faschistische« Mitglieder habe.

»Heute Abend gibt’s hier nur lange Gesichter«, meinte ein Journalist zu Beginn des Wahlabends. Das war nicht ganz richtig. Erstens frohlockten die AfD-Mitglieder und zweitens keimte nach Auszählung der ersten Wahlbezirke bei der SPD eine leise Hoffnung auf. »Wir sollten die Auszählung sofort stoppen«, flaxte ein SPD-Mitglied, als die Ergebnisse des ersten Wahlbezirks – der Butzbacher Ortsteil Wiesenthal – eintrafen: Pawlik führte mit fast 20 Prozentpunkten. Smartphones gingen in die Höhe, Schnappschüsse für die Ewigkeit wurden geschossen.

Puttrich: Der Ton wird rauer

»Das ist die Quittung für die Flüchtlingspolitik«, kommentierte Landrat Joachim Arnold (SPD) die Wahl. »Die lehnen die Leute ab, deshalb haben sie so gewählt.« Er habe das Ergebnis so erwartet. Landtagsabgeordnete Lisa Gnadl sprach von einem »bitteren Tag für die Sozialdemokratie«: »Eine Große Koalition ist nie eine gute Ausgangslage für uns; dazu kommt die Gesamtstimmung mit dem Erstarken der AfD.«

»Der Ton wird rauer«, sagte die CDU-Vorsitzende Lucia Puttrich auf die Frage, was sie vom Einzug der AfD in den Bundestag erwarte. Sie sei »tief betroffen« über die große Zustimmung für die AfD, die mit »menschenverachtenden Tönen« in den Bundestag einziehe. Dies sei eine Niederlage der Großen Koalition, sagte Puttrich. »Die Menschen haben aus Angst vor Veränderungen der Gesellschaft so gewählt.« Die Flüchtlinge seien hierbei nur ein Aspekt. »Die AfD gibt schnelle Antworten auf Fragen, die man nicht schnell beantworten kann.« Die Aufgabe sei es nun, die Gesellschaft zu einen und nicht zu spalten, wie die AfD dies tue.

Herrmann: Afd ist bürgerlich-konservativ-liberale Partei

Im Kreishaus wurden derweil Rechenspiele angestellt. Reicht es für Veith? Pawlik lag nach 25 Wahlbezirken vorne, nach 50 Wahlbezirken lagen sie und Veith gleichauf, während die CDU bei den Zweitstimmen stets die Nase vorn hatte. »Auch wenn es am Ende nicht reicht: Das ist eine Bestätigung für Natalie Pawlik und ihren engagierten Wahlkampf«, meinte Gnadl. »Pawlik hat ein erstaunlich gutes Ergebnis eingefahren, Veith ein erstaunlich schlechtes«, meinte Arnold.

»Natalie Pawlik hat sich gut verkauft«, kommentierte Achim Güssgen-Ackva (FDP). »Ich erinnere mich, als Nina Hauer Dr. Christian Schwarz-Schilling das Mandat abnahm. Es kann noch eine Überraschung geben.« Die blieb dann aus, aber Veiths Ergebnis war »eher mager«, wie ein CDU-Mitglied meinte.

Die Bestürzung über den Einzug der AfD zog sich wie ein roter Faden durch den Abend. Abgeordnete, die durch rassistische oder völkische Töne aufgefallen sind, werden in den Bundestag einziehen. Klaus Herrmann distanzierte sich gegenüber der Presse von solchen Positionen: »Das ist nicht mein Stil. Ich kenne diese Leute nicht persönlich, das ist auch nicht meine Rhetorik.« Für Herrmann ist die AfD eine »bürgerlich-konservativ-liberale Partei«.

Artikel: https://www.giessener-allgemeine.de/regional/wetteraukreis/friedbergbadnauheim/Wetterau-Oswin-Veith-bleibt-in-Berlin;art472,320046

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