Wetterau

Opfern ein Gesicht geben

»Black Lives Matter«, kurz BLM (auf Deutsch: »Schwarze Leben zählen«) ist eine Bewegung, die in den USA als Reaktion auf dort häufig zutage tretende Diskriminierung gegen die afro-amerikanische Bevölkerung im Allgemeinen sowie Polizeigewalt im Speziellen entstanden ist. Offiziell gibt es sie seit 2013 als Reaktion auf den Tod des 17-jährigen Trayvon Martin, der von einem Angehörigen einer Bürgerwehr – angeblich aus Notwehr – erschossen worden war, der wiederum jedoch vor Gericht für unschuldig befunden wurde. Bereits 1991 hatte es jedoch wegweisende Proteste und Ausschreitungen gegeben, als der junge Farbige Rodney King Opfer unverhältnismäßiger Polizeigewalt geworden war, die keinerlei rechtliche Folgen für die Beteiligten gehabt hatte
05. Juli 2017, 20:01 Uhr
Redaktion

»Black Lives Matter«, kurz BLM (auf Deutsch: »Schwarze Leben zählen«) ist eine Bewegung, die in den USA als Reaktion auf dort häufig zutage tretende Diskriminierung gegen die afro-amerikanische Bevölkerung im Allgemeinen sowie Polizeigewalt im Speziellen entstanden ist. Offiziell gibt es sie seit 2013 als Reaktion auf den Tod des 17-jährigen Trayvon Martin, der von einem Angehörigen einer Bürgerwehr – angeblich aus Notwehr – erschossen worden war, der wiederum jedoch vor Gericht für unschuldig befunden wurde. Bereits 1991 hatte es jedoch wegweisende Proteste und Ausschreitungen gegeben, als der junge Farbige Rodney King Opfer unverhältnismäßiger Polizeigewalt geworden war, die keinerlei rechtliche Folgen für die Beteiligten gehabt hatte

Die Bewegung ist internationaler Natur und hat Ableger in Deutschland. Zwei ihrer Vertreterinnen sind Donna Liggins und Dr. Greta Olson, Professorin für Englische und Amerikanische Literatur und Kulturwissenschaften an der Justus-Liebig-Universität in Gießen, die am Ende des gerade abgelaufenen Schuljahrs an der Friedberger Augustinerschule zu Gast waren, um dort die drei Englisch-Leistungskurse der Q2 über das Anliegen von »Black Lives Matter« zu informieren.

Ihre Hauptaufgabe sehen Liggins und Olson darin, ein Bewusstsein dafür zu schaffen, welchen Ungerechtigkeiten Menschen afro-amerikanischer Herkunft – auch nach der achtjährigen Präsidentschaft Barack Obamas – noch ausgesetzt sind. So sei sogar schon jemand erschossen worden, nur weil er nicht auf dem Bürgersteig gegangen und der Aufforderung, dies zu tun, nicht unmittelbar nachgekommen sei. Auch dieses Opfer wurde namentlich vorgestellt, wie alle an diesem Vormittag. Auf diese Weise wollen die Vertreter von BLM den Betroffenen ein Gesicht geben – und sorgen so für Betroffenheit, was die Oberstufenschülerinnen und -schüler in der anschließenden Besprechung in den Lerngruppen zum Ausdruck gebracht haben.

Gleiches galt für die Vortragsweise der beiden Referentinnen. Da wurde nicht angeklagt und polemisiert; die Fälle wurden ohne weitere Kommentare vorgestellt und erst später in einen Kontext gestellt. Olson sprach in diesem Zusammenhang davon, wie wenig es vielen Leuten bewusst sei, dass die weiße Hautfarbe ein echtes Privileg darstelle. Dies sei nicht nur in den USA der Fall, sondern auch ein globales Problem. Hiermit schlugen die Referentinnen den Bogen zur aktuellen Flüchtlingsproblematik in Deutschland, wo Vorurteile und Diskriminierung ebenfalls an der Tagesordnung seien. Donna Liggins, genau wie Greta Olson in den USA geboren, im Gegensatz zu dieser aber afro-amerikanischer Herkunft, arbeitet ehrenamtlich mit Flüchtlingen zusammen. Sie ermunterte die sichtlich beeindruckte Zuhörerschaft, in Zukunft selbst Verantwortung zu übernehmen und die Gesellschaft, sei es auch durch »kleine Dinge«, positiv zu beeinflussen.

Artikel: https://www.giessener-allgemeine.de/regional/wetteraukreis/friedbergbadnauheim/Wetterau-Opfern-ein-Gesicht-geben;art472,280533

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