16. April 2019, 19:21 Uhr

Online-Petition bringt die Wende

16. April 2019, 19:21 Uhr
So hat es ausgesehen, das Hölzinger-Modell, das eine abgerundete Wohnbebauung entlang der Ludwigstraße (oben) vorsah.

Ende 2017 hatten der Bad Nauheimer Architekt Prof. Johannes P. Hölzinger und Jürgen Patscha, Fachbereichsleiter Stadtentwicklung, ein Gesamtkonzept für die Entwicklung des Sprudelhof-Umfelds präsentiert. Das sogenannte Hölzinger-Modell – Therme-Neubau samt Anbindung ans Badehaus 2, Tiefgaragen, Hotel, Wohnbebauung entlang der Ludwigstraße und terrassenartige Begrünung – wurde als der »große Wurf« gefeiert und von einer klaren Mehrheit der Stadtverordneten grundsätzlich beschlossen. Heute ist das Konzept in seiner Gesamtheit schon wieder Geschichte. Grund ist der lautstarke Protest eines Teils der Bürgerschaft gegen die Wohnbaupläne, die schließlich im November 2018 vom Parlament ad acta gelegt wurden. Entscheidenden Anteil an der Formation des Widerstands hatte eine Online-Petition, die von der »Initiative für einen zügigen Thermenneubau ohne Reihenhausbebauung« vor einem Jahr gestartet worden war.

Am 17. April 2018 waren die Gegner des Hölzinger-Modells mit ihrem Protestaufruf online gegangen. »Die ersten 13 Unterstützer erhoben ihre Stimme gegen die Wahnsinnspläne der Bad Nauheimer Politiker, unser Jugendstildenkmal Sprudelhof durch Reihenhausbebauung zu verschandeln«, blickt Dr. Erik Meyer, einer der Sprecher der Initiative, zurück. Bis heute sei die Petition von 5247 Bürgern unterzeichnet worden, davon 2739 aus Bad Nauheim. Diese Manifestation des Bürgerwillens habe zum Umdenken der Stadtverordneten geführt. Zwei Drittel der Stadtverordneten hätten schließlich für einen Verzicht auf die Wohnbebauung votiert. Meyer spricht von einer »Vernunftwende«, die inzwischen weitgehend akzeptiert sei.

Wesentliche Bestandteile des städtebaulichen Entwurfs sollen weiter realisiert werden. Das gilt für Therme samt Anbindung ans Badehaus 2 und den Hotel-Neubau. Auch eine Tiefgarage ist vorgesehen, allerdings nur noch unter Hotel und Thermalbad, nicht mehr auf der anderen Seite der Sprudelhof-Verwaltungsgebäude. Nach dem Verzicht auf Wohnbebauung, die durch den Grundstücksverkauf an private Investoren viel Geld in die Stadtkasse gespült hätte, ist die entscheidende Frage der Finanzierung noch offen.

Der aktuelle Planungsprozess wird von Meyer und seinen Mitstreitern begrüßt. »Gemäß unserer Forderung nach einem zügigen Thermenneubau werden wir diesen Prozess aufmerksam beobachten und begleiten.« Die Initiative befürchtet, dass FDP und SPD jede Gelegenheit nutzen werden, um ihr Vorstellungen bezüglich der Wohnbebauung doch noch durchzuboxen. Deshalb wird die Online-Unterschriftenaktion drei Monate lang weiterlaufen. (Archivfoto: nic)

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