27. Juli 2018, 19:09 Uhr

Oft kommt es auf den richtigen Ton an

Es gibt noch ein paar offene Lehrstellen im Wetteraukreis – und manch ein Bewerber sucht noch den passenden Ausbildungsplatz. Worauf kommt es an, damit Bewerber und Arbeitgeber zusammenpassen? Jörg Päsel, Inhaber von Piano Palme, Nadine Speier und Sandra Mach von der Agentur für Arbeit geben Tipps.
27. Juli 2018, 19:09 Uhr
Geben jungen Leuten Tipps: Nadine Speier (Agentur für Arbeit), Jörg Päsel, Inhaber von Piano Palme, und Sandra Mach vom Arbeitgeber-Service Büdingen (r.).

Der Klavierbau-Ausbildungsbetrieb Piano Palme betreibt neben den Geschäftsräumen in Friedberg seit 1986 eine Werkstatt in Ockstadt, in der Reparaturen und Restaurationen von Klavieren und Cembalos ausgeführt werden. »Vor ein paar Tagen hatte ich einen Anruf eines Kollegen, der selbst nicht ausbildet, aber dringend einen Klavierbau-Meister suchte«, erzählt Inhaber Jörg Päsel. Die seien schwer zu finden – zu wenige Firmen bildeten noch aus. Etwa 40 Ausbildungsplätze gebe es in Deutschland, dreieinhalb Jahre dauere die Ausbildung zum Klavier- und Cembalobauer. Anforderungen seien vor allem handwerkliches Geschick und gute Mathematikkenntnisse. Ein größerer Vorteil, wie eine musische Begabung: »Viele, die zum Vorstellungsgespräch kommen, glauben, sie könnten hier Klavier spielen. Wir suchen eher Leute, die gerne schreinern«, so Päsel. Klavier spielen zu können sei nicht einmal notwendig, ein gutes musikalisches Ohr allerdings nützlich: »Trotzdem dauert es circa zehn Jahre, bis ein Klavierbauer ein Instrument stimmen kann und 20, bis man spitze ist«, sagt Päsel.

Ein Klavier besteht aus über 7000 Teilen, und viele Schritte sind notwendig, bis es wieder den richtigen Ton trifft: »Ich hatte mal einen Praktikanten, der sagte, ›88-mal das Gleiche machen, das kann ich nicht‹«, erzählt Päsel. So viele Tasten hat das Instrument und alle müssen bei einer Reparatur einzeln justiert werden – hier zählt Geduld und Präzision, fast wie bei einem Uhrmacher. Klavierbau-Azubi Vanessa Diehl legt kleine Papierscheibchen unter jede Taste. »Die Höhenabstände zwischen schwarzen und weißen Tasten müssen genau stimmen«, erklärt sie und misst immer wieder mit der Schieblehre nach.

Auch Klavierbaugeselle und Ausbilder Bernhard Greiner arbeitet an einer Tastatur. Damit die Filzhämmerchen, die die Saiten anschlagen, alle gerade stehen, klebt er feinste Papierstreifen unter die Mechanik – Schraube auf, Schraube zu, bis es stimmt: »Man muss sehr genau arbeiten, aber irgendwann auch mal fertig werden.«

Da es nicht viele Ausbildungsstellen gibt, erhält Jörg Päsel Bewerbungen aus ganz Deutschland und von Menschen jeder Altersstufe: »Der älteste Praktikant, den ich hatte, war 80 Jahre alt«, erzählt er. Ein Praktikum sei unerlässlich, um den Beruf kennenzulernen, und eine Übernahme nach Abschluss der Ausbildung sicher: »Klavierbauer sind sehr gesucht. Daher bilde ich selbst aus, um meinen Betrieb aufrechtzuerhalten.« Gerade wurde die Azubi-Stelle für 2018 besetzt.

370 offene Ausbildungsstellen

Die Agentur für Arbeit im Wetteraukreis verzeichnete im Juni noch 370 offene Ausbildungsstellen, 260 Bewerber suchten noch eine Stelle, sagt die Pressesprecherin Nadine Speier. Noch sei es nicht zu spät, eine Ausbildung anzutreten, glaubt auch Sandra Mach vom Arbeitgeber-Service in Büdingen: »Bis zu drei Monate nach Beginn des Lehrjahres kann man nachrücken.« Offene Stellen gebe es in allen Bereichen, sowohl im Handwerk als auch im kaufmännischen Bereich. »Die Agentur für Arbeit bietet Jugendlichen verschiedenste Möglichkeiten, den richtigen Ausbildungsberuf zu finden«, sagt Mach. Neben einer persönlichen Beratung gebe es auch online Berufsberatungstests, um Vorlieben und Stärken herauszufinden. »Viele, die beispielsweise KFZ-Mechatroniker lernen wollen, glauben, dort werde an Autos geschraubt, doch der Beruf hat viel mehr mit Computertechnik zu tun. Vielleicht ist dann ein handwerklicher Beruf doch geeigneter«, erklärt Speier. Um herauszufinden, ob der Berufswunsch passt, gebe es außerdem die Möglichkeit einer Einstiegsqualifizierung. Das Langzeitpraktikum von sechs bis zwölf Monaten werde von der Agentur für Arbeit unterstützt und ermögliche auch dem Arbeitgeber zu schauen, ob der zukünftige Azubi zum Unternehmen passt.

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