01. März 2019, 10:00 Uhr

Buckelpiste soll verschwinden

Ockstädter Ortsdurchfahrt: Für Traktoren zu eng

Die Ortsdurchfahrt vom Ockstadt ist auf halber Strecke saniert, nun sollen die Friedberger Straße erneuert werden. Bei der Präsentation der Pläne forderten Landwirte eine breitere Fahrbahn.
01. März 2019, 10:00 Uhr
Seitdem der Ernst-Ludwig-Ring in Bad Nauheim saniert wurde, trägt die Friedberger Straße in Ockstadt den inoffiziellen Titel »Schlimmste Buckelpiste der Wetterau«. Damit ist es bald vorbei. Nur über die Fahrbahnbreite wirde noch gestritten. (Foto: Nici Merz)

Schreib das auf!«, sagt der Ockstädter Landwirt. »Das will ich Schwarz auf Weiß lesen.« Kein Problem, ist ja unser Job. Also: Bürgermeister Dirk Antkowiak (CDU) hat angekündigt, die Planungen zur Sanierung der Friedberger Straße überarbeiten zu lassen. »Wir legen eine alternative Planung vor.« Mit einer möglichst breiteren Fahrbahn, denn mit den 5,50 Metern, die bislang vorgesehen sind, wollen sich die Landwirte mit ihren bis zu drei Meter breiten Anhängern nicht zufriedengeben.

Vom Plan, dem zentralen Platz in der Dorfmitte an der Bachgasse, bis zum Ortsausgang Richtung Friedberg soll die Ortsdurchfahrt saniert werden. Keine andere Straße in Friedberg sieht so mitgenommen aus, weist so viele Risse, Unebenheiten und schadhafte Stellen auf. »Mein Vater hat immer gesagt: Dieses Jahr wird die Straße gemacht«, erzählt ein Anwohner. »Jetzt ist er schon elf Jahre tot.« Nachdem die Stadtverordneten im Dezember die Straßenbeitragssatzung abgeschafft haben, soll es nun bald losgehen. Wann genau? Das steht noch nicht fest. Aber die Ockstädter, die am Mittwochabend im Rathaus die gemeinsame Sitzung von Verkehrsausschuss und Ortsbeirat verfolgten, würden auch ein weiteres Jahr Warten in Kauf nehmen. »Das muss nicht schnell gehen, das muss gut werden«, sagte einer.

Norbert Zimmermann vom Ingenieurbüro Pöyry stellte die Pläne vor. Trotz der Umgehungsstraße B 3 gebe es immer noch ein hohes Verkehrsaufkommen, es werde wahllos geparkt, große Fahrzeugbreiten (besonders zwischen Edeka-Markt und Ortsausgang) begünstigten hohe Fahrzeuggeschwindigkeiten. Grünflächen und behindertengerechte Überwege fehlten, die Fahrbahn gleicht einem Flickenteppich, Bordsteine fehlen oder sind beschädigt. Auf einer Länge von 670 Metern sollen nun nicht nur Fahrbahn und Gehwege erneuert sowie Parkbuchten mit Bäumen angelegt werden. Die Straße soll auch schmaler werden. 5,50 Meter, wie in der Bachgasse.

 

Immer noch viele Raser

»Das ist zu schmal.« Kaum hatte Zimmermann die Zahl genannt, bekam er Gegenwind, nicht nur von den Landwirten, auch von den Ortsbeiratsmitgliedern. »Begegnen sich Bus und Lkw in der Kurve, kommt es zum Stillstand«, beschrieb Reinhold Merbs (FDP) die Situation in der Bachgasse. Dort waren aufgrund der Enge nur 5,50 Meter Fahrbahnbreite möglich. In der Friedberger Straße gebe es Platz, zumal die Gehwege ja nicht gleich »zu Flaniermeilen« ausgebaut werden müssten. »Ich war begeistert von den 5,50 Meter in der Bachgasse«, sagte Werner Schaupp (CDU). »Es hieß, das würde den Verkehr drosseln. Das stimmt aber nicht, die fahren immer noch zu schnell.« Laut einer aktuellen Verkehrsmessung fahren 79 Prozent aller Fahrzeuge in der Bachgasse (trotz B 3 noch immer die »Hauptverkehrsader« für Autos mit HG-Nummer) über 50 km/h.

Auch Ortsvorsteher Günther Weil will die 5,50 Meter Breite nicht als »Dogma« verstanden wissen. »Wo es möglich ist, sollte breiter gebaut werden.« Wenn eine engere Fahrbahn – entgegen den Vorstellungen der Verkehrsplaner – nicht dazu führt, dass die Autofahrer aufs Bremspedal treten, dann vielleicht eine Tempo-30-Zone? Nein, das geht nicht, antwortete Verkehrsdezernentin Marion Götz (SPD). Ortsdurchfahrten könnten nur in Ausnahmefällen zur 30er-Zone umgewidmet werden (etwa wenn Krankenhaus, Schule oder Kita am Weg liegen).

 

Auf Parkbuchten verzichten?

Für die Gehwege gibt es Mindestbreiten. Die werden in der Friedberger Straße teilweise unterschritten, aus Platzmangel. Wo der Platz vorhanden ist, soll er auch genutzt werden, damit sich Rollatoren und Rollstühle begegnen können. Wenn also die Gehwege nicht schmaler geplant werden können, müssten Parkbuchten entfallen. Bislang sind 19 neue Bäume vorgesehen. Die Parkbuchten könnten entfallen, meinte ein Besucher der Sitzung. In der (vor fünf Jahren sanierten) Nauheimer Straße könne man beobachten, dass diese Parkbuchten ganztägig von Anwohnern belegt seien, »die zu faul sind, ihr Auto in den Hof zu fahren«.

»Wir sind hier im Dialog«, betonte Bürgermeister Antkowiak mehrmals, um deutlich zu machen: Noch ist nicht das letzte Wort gesprochen. Bis zum Herbst aber muss die fertige Planung vorliegen, dann läuft die Frist zur Beantragung von Fördermitteln ab.

 

Info

Ausbau der Friedberger Straße

670 Meter lang ist die Friedberger Straße vom Plan bis zum Ortsausgang in Höhe des Baumarktes Dönges. Auf dieser Strecke sollen nicht nur die Straßendecke erneuert, sowie Gehwege und Parkbuchten samt Bäumen angelegt werden. Die Beleuchtung wird verbessert, die Bushaltestellen werden behindertengerecht, das »wilde Parken« soll verhindert werden. Zwischen dem Haus Nr. 52 (Bushaltestelle Beunestraße) und der Ritterstraße muss der Kanal erneuert werden, einige Hausanschlüsse werden ausgetauscht. Im übrigen Teil der Friedberger Straße reichen Reparaturen am Kanal aus. Parallel zu den Bauarbeiten sollen auch Wasser-, Gas-, Strom-, Beleuchtungs- und Fernmeldekabel ausgetauscht bzw. erneuert werden. Ein besonderes Augenmerk gilt der Kreuzung mit Eichelsgarten- und Ober-Wöllstädter-Straße, die für Fußgänger übersichtlicher gestaltet werden soll. (jw)

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