18. Juli 2017, 12:41 Uhr

Sanierung

Ober-Mörler Schloss: Vollendung nach zehn Jahren

Im August soll das Schloss Ober-Mörlen nach seiner Rundumerneuerung endlich fertig sein. Die schon fertigen Teile bezirzen mit Schönheit. Bis dahin war es aber ein hartes Stück Arbeit.
18. Juli 2017, 12:41 Uhr
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Von Annette Hausmanns
Am Ober-Mörler Schloss werden nach über zehn Jahren gerade die letzten Arbeiten am Sockel und an den Stützpfeilern erledigt. Das Mauerwerk wird gut verfugt und bleibt offen sichtbar, um Wasserschäden vorzubeugen. (Foto: hau)

Gefühlt steht das Gerüst seit einer Ewigkeit. Tatsächlich ist das Schloss Ober-Mörlen »erst« seit eineinhalb Jahren eingerüstet. In Kürze werden auch die letzten Hüllen fallen und den Blick freigeben auf das i-Tüpfelchen: das frisch restaurierte Sandsteinwappen über dem Haupteingang. Seit Tagen steht Restaurator Stefan Born in den Startlöchern, um dem Wappen der einstigen Schlossherren den letzten Schliff zu geben. Fürs Vergolden war es stets zu heiß, zu nass oder zu windig. Vorher hatten die Spengler und Dachdecker am Giebel alle Hände voll zu tun, und der liegt genau über dem Wappen.

 
Fotostrecke: Ober-Mörler Schloss saniert

Die Steinmetze können unterdessen die Bruchsteinsockel und Stützpfeiler verfugen und nach gut zehn Jahren ihr Werk vollenden. »Das Mauerwerk wird dann genauso aussehen wie überall hier im Hof«, sagt Meister Martin Merz, der es noch gar nicht glauben kann, dass es danach nichts mehr zu tun geben soll an Ober-Mörlens Wahrzeichen. Wie seinem Team und ihm geht es einigen, die sich seit über zehn Jahren der Sanierung des Dorfkerns verschrieben haben. Dazu gehören neben Handwerkern und Verwaltungsmitarbeitern auch Planer Rainer Tropp und Treuhänder Wolfgang Isack sowie – speziell fürs Schloss – Architekt Steffen Herrmann-Adamczyk.


Im Inneren schon länger verjüngt

Das historische Wappen wird farblich neu gefasst. (Foto: hau)

Bereits vor dem Start des Landesprogramms »Einfache Stadterneuerung« im Jahr 2002 hatte sich das Schlossinnere im Jahr 2000 einer kompletten Verjüngungskur unterzogen. Zuerst sollten dann der Hof und die Nebengebäude aus ihrem Dornröschenschlaf geweckt werden, dann das Schloss selbst. »Die Schlosshofsanierung hat unter Bewahrung denkmalgeschützter Bausubstanz in Kombination mit modernen Elementen ein multifunktionales Kulturzentrum für private und öffentliche Belange zum Ziel«, hieß es. Im Jahr 2006 wurden Bäume gefällt, Spielplatz und Brunnen verschwanden. Eine Naturtribüne entstand, im ehemaligen Ökonomiegebäude sind seither das Jugendzentrum und ein Veranstaltungsraum untergebracht. Der Schlosshof wurde gepflastert, eine Naturbühne gebaut. Die beiden Remisen feierten Ende 2007 Richtfest, eine wurde zum Veranstaltungsraum, in der anderen startete im November 2011 der »Schlossgeist«. Da waren auch die Arkaden als verglaste Veranstaltungsfläche fertig.

Fast wieder so schön wie auf der Postkarte von vor über 100 Jahren: das Ober-Mörler Schlos...

Im Hauptgebäude folgten 2015 umfangreiche Brandschutz-Umbauten. Vor dem Haupteingang wurde der Söller erneuert, und 2016 schloss sich die Fassadensanierung an mit alleine 98 neuen Fenstern, Stein-, Putz-, Dach- und Spenglerarbeiten. Die Fenster sind jetzt purpurrot, die Wandfarbe strahlt in hellem Ocker wie auf historischen Bildern vom Renaissance-Schloss. »Das sieht so gelb aus wie eine Sandburg«, erinnert sich Bauamtsleiter Ingo Linke, wie ihm der Schreck durch die Glieder fuhr als er die nasse Farbprobe sah. »Am nächsten Morgen war alles gut.« Da alle Gewerke nur in bestimmten Reihenfolgen arbeiten konnten, habe es Verzögerungen gegeben. Auch das Wetter machte Striche durch die Rechnung. Trotz allem bewegten sich die reinen Baukosten am Hauptgebäude bei 930 000 Euro und damit deutlich unter den bewilligten 1,06 Millionen. Die Förderung durch Land und Bund liege zwischen 54 und 57 Prozent.


"Sind stolz auf unser Schloss"

Im November 2011 ging in der Schlosshof-Remise das Bistro »Schlossgeist« an den Start. (F...

Laut Linke steht jetzt noch das Verfugen und Abdichten an, also das »Berappen« von Sockel und Stützpfeilern, ebenso die Beleuchtung und eine begehbare Dämmung auf dem Dachboden.

»Wir sind stolz auf unser Schloss«, ist Erste Beigeordnete Kristina Paulenz angetan vom Sanierungs-Ergebnis, auch wenn man viel Geld und Nerven gelassen habe. Wie Bürgermeister Jörg Wetzstein im Parlament mitteilte, wird das Ende der Sanierung gewürdigt: Mit einer akademischen Feier und Ausstellung am 30. September und musikalischem Frühschoppen am 1. Oktober – also genau 300 Jahre nach der Sanierung durch den damaligen Schlossherrn Eugen Alexander Freiherr von Wetzel.



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