22. November 2017, 11:00 Uhr

Rücktritt

Ober-Mörlens Bürgermeister Wetzstein rechnet ab

Ende September 2018 läuft die Amtszeit von Ober-Mörlens Bürgermeister Jörg Wetzstein ab. Warum er kein zweites Mal zur Wahl antreten wollte, erklärt er im WZ-Gespräch.
22. November 2017, 11:00 Uhr
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Von Annette Hausmanns
Jörg Wetzstein verlässt die politische Bühne. Wer seinen Stuhl im Ober-Mörler Rathaus einnehmen wird, steht noch nicht fest. Die CDU will am Donnerstag einen Kandidaten für seine Nachfolge küren. (Foto: hau)

Der Schreibtisch von Jörg Wetzstein ist pikobello aufgeräumt. Auch scheint sich der Rathauschef bester Gesundheit zu erfreuen. Doch der Eindruck täuscht. Er müsse sich um seine angeschlagene Gesundheit kümmern, das sei mit dem Bürgermeisteramt nicht zu vereinbaren, erklärt Wetzstein. Nach dem Tod seiner Frau war Wetzstein ab Ende 2015 lange krankgeschrieben. Auch zuletzt gab es immer wieder Phasen, in denen die Erste Beigeordnete Krisitna Paulenz die Geschäfte übernehmen musste. Nach gut fünf Dienstjahren im Ober-Mörler Schloss und 20 ehrenamtlichen Jahren Politik für das Dorf will sich Wetzstein nun endgültig zurückziehen. Welche berufliche Möglichkeit er im Anschluss wählen werde, sei noch offen.

Bis zum Ende seiner Amtszeit habe er allerdings noch einiges vor, unterstreicht Wetzstein, »um den Weg für eine lebenswerte Zukunft weiter auszubauen«. Oberste Priorität sieht der Bürgermeister bei den Hallenbauplänen und einer »Neuen Mitte« mit guten Einkaufsmöglichkeiten auf dem Lekkerkerkplatz. Die Kinderbetreuung soll im Verbund mit den kirchlichen Einrichtungsträgern weiter ausgebaut, das neue Baugebiet »Schießhütte II« zügig vorangebracht und auch die restlichen Wachstumsmöglichkeiten entwickelt werden.


Großes Interesse an Wohnraum

Über allem stehe die »weiterhin sparsame Haushaltsführung zur Festigung eines soliden Gemeindehaushaltes«, schlägt der CDU-Politiker den Bogen zu seinem Credo bei Amtsantritt: Damals hatte es schon geheißen, er wolle die Entwicklung und Zukunft Ober-Mörlens »in sachlicher Zusammenarbeit aller Verantwortlichen voranzubringen – als Teil der Region und in Balance aus wünschenswert und machbar«. Drei DIN A4-Seiten unter dem Titel »Aufgabenerledigung« legen ein beredtes Zeugnis ab.

Er habe alle Zusagen umgesetzt oder vorangebracht, schaut Wetzstein zufrieden zurück auf Projekte, die vor ihm lange in der Schublade gelegen hätten. Für das neue Wohngebiet sei es allerhöchste Eisenbahn gewesen, um mit jungen Familien die gesunden dörflichen Strukturen erhalten zu können. Die Grundstücksankäufe durch die Entwicklungsgesellschaft liefen derart prosperierend, dass man hoffen könne, Anfang 2018 mit dem ersten Bauabschnitt zu beginnen. »Das kann schnell gehen, wenn alle an einem Strang ziehen.«


Wetzstein sieht Etliches auf seiner Haben-Seite

Das Gewerbegebiet sei komplett vermarket, freut sich Wetzstein, es gebe sogar noch mehr Nachfrage. Ärgerlich nur, dass durch den kommunalen Finanzausgleich bestraft werde, wer sich für eine derartige Entwicklung einsetze: Wegen der aktuell hohen Gewerbesteuereinnahmen erhalte die Gemeinde 700 000 Euro weniger. Zu häufiges Drehen an der »Stellschraube« Grundsteuer halte er für politisch bedenklich, spielt der Bürgermeister auf die neuerliche Senkung an.

Auf der Haben-Seite verbucht Wetzstein die Sicherung der Trinkwasserversorgung – eine ebenso riesige wie essentielle Investition im Verborgenen. Man habe die Verkehrssituation entschärft (durch stationäre Blitzer und Poller an neuralgischen Punkten), Bushaltestellen erneuert, bauliche Mängel auf den Friedhöfen in Angriff genommen, den lange vernachlässigten Bauhof aufgerüstet und die Feuerwehr auf den neuesten Stand der Technik gebracht.


Niederlage bei »Wohnen im Alter« tut noch weh

Stolz zeigt sich Wetzstein auf den Breitbandausbau in allen Ortsteilen und auf die Fertigstellung der Schlosssanierung. »Einer neuen Sport- und Kulturhalle sind wir näher denn je«, packt Wetzstein das heiße Eisen an, das ihn 2012 schon durch den Wahlkampf begleitet hatte. »Wir haben verbrieftes Baurecht geschaffen.« Bei gutem Willen könne man schnell loslegen, hofft der Bürgermeister auf eine politische Einigung.

Zu den schwierigeren Kapiteln zählt Wetzstein die Sanierung der Schillerstraße, die Tank- und Rastanlage, das Wochenendhausgebiet Bottenberg/Waldwiesen, die Flüchtlingsfrage oder den kränkelnden Wochenmarkt. Dass er das »Wohnen im Alter« nicht im Dorf verankern konnte, schmerze ihn sehr. »Das geht nicht ohne Partner, dafür sind wir offenbar zu nah an Bad Nauheim dran.«

Bürgermeisterwahl ist am 4. März

Er werde »mit anderthalb weinenden Augen« aus dem Amt scheiden, sagt Wetzstein. Das Gestalten und Entscheiden mache ihm viel Freude, und eine bessere Zusammenarbeit im Haus habe er sich nicht wünschen können. Auch die Zusammenarbeit im Gemeindevorstand sei von Wertschätzung und Solidarität geprägt. Nun hoffe er auf einen fairen und inhaltlich pointierten Wahlkampf. Streiten sei schließlich Sinn der Demokratie. »Aber bitte sachlich.«

Die Bürgermeisterwahl ist am 4. März. Fällt im ersten Wahlgang keine Entscheidung, öffnen die Wahllokale am 18. März erneut.



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