26. Juni 2017, 20:36 Uhr

Burgfestspiele

Nur ein bisschen wie im Himmel

Es ist ein Appell für Mitmenschlichkeit und Toleranz. Am Ende steht die Erkenntnis, dass im Leben nicht alles perfekt ist und eben nur fast »wie im Himmel« sein kann.
26. Juni 2017, 20:36 Uhr
Lass es bleiben: Dirigent Daniel Daréus (Tino Lindenberg, M.) möchte auf den schlagenden Lastwagenfahrer Conny losgehen. Sein Kirchenchor muss ihn zurückhalten. Bei seiner Arbeit mit dem Chor entfaltet sich vor ihm ein ganzer Mikrokosmus menschlicher Sorgen und Nöte. (Foto: Eugen Sommer/ pv)

Eindrucksvoll zeigt das jetzt das Stück »Wie im Himmel« bei den Burgfestspielen. Regisseurin Milena Paulovics hat sich dessen angenommen und ein Bühnenstück nach dem Film von Kay Pollak kreiert. Jetzt war Premiere in der Wasserburg.

Der weltberühmte Dirigent Daniel Daréus (Tino Lindenberg) kehrt nach einem körperlichen Zusammenbruch in sein schwedisches Heimatdorf zurück. Eigentlich will er sich von der Welt zurückziehen, aber dann lässt er sich überreden, den Kirchenchor (Chor Vil-bel Canto) als Kantor zu leiten. Bei seiner Arbeit mit dem Chor der kleinen Gemeinde entfaltet sich vor ihm ein ganzer Mikrokosmus menschlicher Sorgen und Nöte. Er ist überglücklich, als er erkennt, dass er mit Hilfe der Musik einen Weg in die Herzen der Menschen findet und ihnen ein neues Selbstvertrauen vermitteln kann. Es ist die Erfüllung seines Traumes, mit dem er vor Jahrzehnten aus dieser Gegend aufgebrochen war.

Das Schauspiel nach dem Film von Kay Pollak und der deutschen Übersetzung von Jana Hallberg, hat am Freitag bei den Burgfestspielen Premiere gefeiert. Regie führte Milena Paulovics. Gezeigt wird ein schillerndes Künstlerporträt, das von Liebe bis hin zum tragischen Tod Daniels eine große Bandbreite an Emotionen zeigt. Zwar findet Daréus in der blonden Lena (Mirjam Sommer) die Liebe seines Lebens, doch bringt seine Anwesenheit auch die herrschenden Verhältnisse in vielerlei Hinsicht ins Wanken.

Verstecke Pornohefte

Neider stellen sich ihm in den Weg. Die Figuren werden in kleinen, prägnanten Szenen charakterisiert. Virtuos werden mehrere Zeitebenen miteinander verknüpft. Paulovics entwirft das klischeehafte Bild einer nordschwedischen Provinzgemeinde und ihrer Bewohner, welche unter der durch die protestantische Kirche bestärkten Doppelmoral zu leiden haben. Pfarrer Stig Berggren (Julian Mehne) predigt wider Unmoral, während er gleichzeitig Pornozeitschriften versteckt, ohne die ihm ein erfülltes Sexualleben nicht möglich wäre. Der jähzornige Lastwagenfahrer Conny (Niklas Herzberg), der seine Frau schlägt, wird von der Dorfgemeinschaft gedeckt. Neuankömmling Daréus gelingt es, mit Unterstützung Lenas die Fesseln der Ignoranz zu lösen. Besonders die Probleme im zwischenmenschlichen Bereich sind hervorragend dargestellt und zeigen, wie schädlich Bigotterie und Prüderie auf Menschen wirken.

Zugleich ist die Geschichte ein ergreifender Appell für Mitmenschlichkeit und Toleranz im Umgang miteinander. Schnell wird deutlich, dass bei den Menschen um Daniel nicht alles perfekt ist. Dass es eben nur ein bisschen »wie im Himmel« ist. Denn, Gabriella (Jenny Klippel) muss mit zwei Kindern ein neues Leben anfangen, die Pfarrersfrau Inger (Britta Hübel) verlässt ihren geliebten Ehemann und Lena leidet. Entscheidend für das Begreifen dessen, was erlebbar gemacht wird, ist jedoch die Botschaft, auf sich selber genau hören zu können, denn erst dann, höre man auch den anderen Menschen. »Ich trete nicht mehr auf. Ich werde zuhören«, sagt Daniel zu Beginn und ist plötzlich mitten drin in einer Geschichte, die das Leben vieler Menschen spiegelt. Das Schauspiel wird zum Abbild der Gesellschaft des realen Lebens, mit der Botschaft, selbst in den Spiegel zu sehen.

In seiner Gesamtheit schafft es das Stück, die Vielschichtigkeit menschlicher Beziehungen und Gefühle darzustellen, ohne zu verurteilen. Es geht um Scheinheiligkeit und Moralvorstellungen, aber auch um Unterhaltung, die gemessen am Applaus der Festspielbesucher gut gelungen ist.

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