17. Juli 2019, 19:26 Uhr

Normale Mengen und ein Ausreißer

17. Juli 2019, 19:26 Uhr
Wasserwerksleiter Franz Poltrum (l.) und sein Stellvertreter Thomas Feuerstein im Wasserwerk der Ovag in Hungen-Inheiden. Poltrum berichtet auch von den technischen Voraussetzungen, die nötig sind, um zu Spitzenzeiten genügend Wasser fördern zu können. (Foto: pm)

»Trotz Hitzeperiode haben wir die umweltschonende Grundwassergewinnung im letzten Jahr aufrechterhalten« - diese Nachricht bringt Wasserwerksleiter Franz Poltrum von der Vorstellung des Wasserwirtschaftlichen Jahresberichtes der Ovag mit. Beteiligt waren auch obere und untere Wasser- und Naturschutzbehörden und Umweltverbände. »Alle konnten sich davon überzeugen, dass die Trinkwasserförderung der Ovag im ›Hitzejahr‹ 2018 natürlich ausnahmslos Anforderungen der Genehmigungen entsprach, zum anderen durch intelligent gelenkte Förderung die selbst gesetzten erhöhten Anforderungen erfüllt wurden, die die Natur in den Gewinnungsgebieten besonders schonen«, heißt es in einer Pressemitteilung des Energie- und Wasserversorgers.

Schaue man auf das erste Halbjahr 2019, so seien die normalen Trinkwasservorräte »durch die moderaten Temperaturen und die ausreichenden Niederschläge erhalten - kurz gesagt, die Wasserförderung verläuft normal«. Der 26. Juni sei ein Spitzenlasttag gewesen. Mit bis über 35 Grad war es sehr heiß, und die Sommerferien hatten noch nicht begonnen. An diesem Tag seien rund 125 000 Kubikmeter Wasser ins Fernleitungsnetz der Ovag eingespeist worden. »Zum Vergleich: Die mittlere Menge an einem Tag betrug 2018 rund 97 000 Kubikmeter Wasser. Der Verbrauch lag also etwa ein Viertel über dem Schnitt«. Es sei ein Wert gewesen, »der unsere technischen Anlagen an ihre Grenzen gebracht hat«, blickt Poltrum zurück.

Für die Zukunft sieht er solche Extremsituationen immer häufiger auf die Wasserversorger zukommen. Zum einen liege das am demografischen Wandel, denn immer mehr Menschen würden ins Ovag-Versorgungsgebiet an den Autobahnen 5 und 45 sowie an den Bahnlinien zwischen Frankfurt und Gießen ziehen. Zum anderen sei der klimatische Wandel ein Grund: Extreme Temperaturen und veränderte Niederschläge in Form von unwetterartigen Regenfällen, die nicht versickern würden wie anhaltender Landregen. »Darauf müssen wir uns einstellen. Deshalb kooperieren wir zum einen enger mit anderen Wasserversorgern, um vorhandene Grundwasservorkommen optimal zu steuern. Zum anderen entwickeln wir unsere technischen Förderanlagen weiter, damit sie noch flexibler reagieren können, wenn es zu einem Spitzenverbrauch kommt.« Poltrum vergleicht sein Wasserleitungsnetz mit einem Auto: »Bisher hat ein durchschnittlich motorisierter Wagen als Transportmittel ausgereicht, heute müssen wir einen Sportwagen vorhalten, der ab und zu mal mit Vollgas gefahren werden kann.«

Dem Wasserwerksleiter der Ovag ist es trotz der derzeit entspannten Fördersituation wichtig, zu sensibilisieren: »Unabhängig von der aktuellen Wetter- und Temperaturlage animieren wir Kommunen und Einwohner immer zum sorgsamen und sparsamen Wasserverbrauch. Jeder Wasserabnehmer sollte sehr bewusst mit dem lebensnotwendigen Lebensmittel Trinkwasser umgehen.« Auch die Nicht-Trinkwasservorräte müssten künftig noch besser genutzt werden. »Ob bei der Gartenbewässerung oder in der Toilette - nicht jeder Liter Nutzwasser muss Trinkwasserqualität haben.«

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