04. Februar 2018, 06:00 Uhr

Neue Parteimitglieder

Nicht nur wegen »GroKo«: Mitgliederzuwachs bei der SPD

Die SPD fällt in Umfragen weiter zurück, gleichzeitig werden immer mehr Neumitglieder begrüßt. In der Wetterau waren es im vergangen Jahr 111, seit dem Bundesparteitag kamen weitere 84 hinzu.
04. Februar 2018, 06:00 Uhr
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Von Jürgen Wagner

Die SPD ist bundesweit wieder die mitgliederstärkste Partei. Zum 31. Dezember 2017 wurden 443 152 Mitglieder gezählt. Da die CDU zwar ebenfalls mehr Eintritte aus Austritte zu verzeichnen hat, aber 7000 Mitglieder starben, rutschen die Christdemokraten mit 425 910 Mitgliedern auf den zweiten Platz. Es seien nicht nur »GroKo«-Gegner, die in die Partei eintreten, sagt die UB-Vorsitzende und Landtagsabgeordnete Lisa Gnadl. Viele wollten helfen, »damit die SPD nach dem erschreckenden Ergebnis bei der Bundestagswahl wieder an Kraft gewinnt«.

Die SPD-Wähler rücken zusammen. Gnadl sieht noch einen anderen Grund für den Aufwärtstrend: »Viele wollen die SPD gerade jetzt stärken, um etwas gegen die Rechtspopulisten zu tun.« Auch dürfe man nicht vergessen, dass die SPD nicht nur aus der Bundesebene bestehe. Gnadl: »In der Wetterau prägen wir die Kommunalpolitik, stellen viele Bürgermeisterinnen und Bürgermeister.«

Neumitgliederempfang der Wetterauer SPD: Über 200 Neumitglieder wurden innerhalb eines Jah...

Schon 2017 hatte die Wetterauer SPD mit 111 Neumitgliedern großen Zuwachs zu verzeichnen. Seit dem Bundesparteitag am 21. Januar kamen weitere 84 hinzu. »Dieser Trend darf gerne anhalten«, sagt Gnadl. Rund 200 Mitglieder seit Januar 2017 (damals begann der kurzzeitige Martin-Schulz-Hype) seien »eine sehr schöne Entwicklung«.

Altersdurchschnitt: 50 Jahre

Die Gründe für die Neueintritte sind vielfältig, hat Gnadl erfahren, als sie mit der Landratskandidatin Stephanie Becker-Bösch kürzlich zum Neumitgliederempfang einlud. »Viele fühlen sich von unserer Debattenkultur angesprochen und wollen mitentscheiden.« Ist die Abstimmung über die Große Koalition ein Motiv, in die SPD einzutreten? Die Jusos rufen dazu auf, wollen gegen die »GroKo« mobilisieren. »Ich finde es nicht richtig, dafür zu werben, nur für eine Abstimmung einzutreten. Die südhessischen und die Wetterauer Jusos haben diesen Aufruf auch nicht unterstützt.«

Es sei auch keine Generationenfrage, ob man für oder gegen eine »GroKo« ist, sagt Gnadl. »Die unterschiedlichen Auffassungen spiegeln sich in allen Altersgruppen wider. Das zeigt sich bei den Neumitgliedern: Von den 84 Neuen sind 19, also rund ein Viertel, im Juso-Alter; der Altersdurchschnitt liegt bei 50 Jahren.« Auch in der Wetterauer SPD gingen die Auffassungen über eine Regierungsbeteiligung auseinander. »Es gibt viele Unentschlossene, die das Ergebnis der Koa-Verhandlungen abwarten.«

Kritik an Juso-Kampagne

Kommt es zum Mitgliedervotum, hat jedes Mitglied eine Stimme – der Bundesvorsitzende genauso wie das Neumitglied. »Die SPD redet nicht nur von innerparteilicher Demokratie. Das scheint für viele attraktiv zu sein«, sagt Florstadts Bürgermeister Herbert Unger. Er sieht die Juso-Kampagne kritisch: »Für 10 Euro eintreten, abstimmen und wieder austreten? So muss man die Kampagne wohl verstehen. Die lebenslange Mitgliedschaft kostet aber etwas mehr«, merkt er an. Auch in Florstadt gebe es Neumitglieder, aber keine »Fake-Mitglieder«: »Es kommen auch Leute, die sagen: Wir sind für die ›GroKo‹.«

Natalie Pawlik, Juso-Vorstandsmitglied und Bundestagskandidatin 2017, sieht unabhängig vom Ja oder Nein zur »GroKo« einen anderen Grund für die Neueintritte: »Es gibt eine Hoffnung auf Veränderung. Die Leute wollen mitgestalten. Die Ergebnisse der AfD haben vielen klar gemacht: Jetzt müssen wir uns positionieren.«

»GroKo« in Berlin? Abwarten!

Bleibt die vielbeschworene Erneuerung der SPD. Geht das nur in der Opposition oder auch in der Regierung? »Wichtig ist, dass wir den Erneuerungsprozess ernsthaft führen, und zwar auf allen Ebenen, vom Ortsverein bis zur Bundesebene. Wir hatten in Florstadt ein erstes parteiinternes Dialogforum mit Thorsten Schäfer-Gümbel, zu dem über hundert Mitglieder kamen. Weitere Veranstaltungen werden folgen.«

Hinsichtlich der Großen Koalition will Gnadl das Ergebnis der Koalitionsverhandlungen abwarten. Die CDU sei mit dem Versuch, ein Jamaika-Bündnis zu schmieden, gescheitert; auch eine Minderheitsregierung habe die Union abgelehnt. »Große Koalitionen sollten die Ausnahme sein. Die Unterschiede zwischen den beiden Volksparteien müssen klar erkennbar bleiben, alles andere stärkt den rechten Rand.«



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