11. Juni 2019, 20:36 Uhr

Neuland wagen und Talente fördern

11. Juni 2019, 20:36 Uhr
Konzertmeisterin Karin Hendel (M.) und Dirigent Uwe Krause (r.) freuen sich über 20 erfolgreiche Jahre Kammerphilharmonie. Seit 2012 ist Diethard Bauer mit im Bunde, der mit dem Förderverein den Fortbestand der Konzertreihe sichert. (Foto: hms)

Es war 1999 als der Butzbacher Kantor Uwe Krause und die Geigerin im Sinfonieorchester des Hessischen Rundfunks, Karin Hendel, eine Vision in die Tat umsetzten: ein professionelles Orchester in der Kurstadt. Schnell wuchs aus den bekannten Musikerkreisen die Kammerphilharmonie Bad Nauheim. Mit einem Festkonzert am kommenden Sonntag feiert sie ihr 20-jähriges Bestehen. Dirigent Uwe Krause, Konzertmeisterin Karin Hendel und der Vorsitzende des Fördervereins sinfonische Musik Bad Nauheim, Diethard Bauer, erzählen die Erfolgsgeschichte:

Insgesamt weit über 100 sinfonische Konzerte und Oratorienaufführungen, mehrere Konzertreisen nach Griechenland und China sowie eine Fülle von großartigen Werken stehen auf der Bilanzseite des Orchesters. Besonders stolz sind die Initiatoren darauf, dass sie mutig genug waren, immer wieder Unbekanntes zu spielen. »Da gibt es wunderbare Musik, die nur niemand kennt. Ich denke an das Rock Requiem von Vaughan Williams, an eine Sinfonie von Kodály, die Erstaufführung des Requiems von John Foulds mit einem riesigen Bläseraufgebot und mehreren Schlagzeugen«, schwärmt Uwe Krause, der bisher alle drei Konzerte pro Jahr dirigiert hat.

Große Herausforderung

Das waren zum Teil große musikalische Herausforderungen, die bei den Mitwirkenden oft für Skepsis sorgten. »Hinterher waren aber alle begeistert«, bestätigt Hendel. Und auch das Publikum schätzt es inzwischen, wenn das Programm eine spannende Mischung ausweist. Gespielt wurde zunächst im halbfertigen Saal der Waldorf-Schule. Seit 2004 tritt die Kammerphilharmonie im Jugendstil-Theater auf. Noch bevor 1999 die erste Probe stattfand, flatterte ein Konzertauftrag des Verlagshauses André in Offenbach zum 200. Firmenjubiläum ins Haus. Sie studierten Haydn- und Mozart-Sinfonien und ein Kontrabasskonzert ein. Zwei Proben pro Woche waren in den ersten zehn Jahren notwendig. Inzwischen ist der Klangkörper so gefestigt, dass in der Regel eine Probe pro Woche reicht. »Wir nehmen uns zu Vorbereitung sehr viel Zeit, um tief in die Musik einzusteigen«, erklärt Hendel. Die Stammbesetzung aus angestellten Orchesterprofis, freiberuflichen Musikern und Musikpädagogen ist bis heute geblieben, die Bläser sind handverlesen. Integriert werden junge Talente etwa aus Bundes- oder Landesjugendorchestern.

Für andere Interessenten gibt es ein Probeprojekt. »Wer überfordert ist, merkt das. Auswahlvorspiele gibt es bei uns nicht«, sagt Hendel. Auch jungen Solistinnen und Solisten bietet die Kammerphilharmonie eine Bühne, wie jetzt Helena Knapp, Violine, beim Jubiläumskonzert. »Wir haben eigentlich schon alle Soloinstrumente auf der Bühne gehabt. Manche Solisten fragen sogar an, ob sie ein besonders ausgefallenes Stück spielen dürfen«, sagt Hendel. Sie selbst wird 2020 zum ersten Mal ihr Orchester dirigieren.

2011 drohte der Sinfoniekonzertreihe allerdings das Aus, denn die Stadt zog sich als Veranstalter zurück. Mit idealistischen Menschen wie Diethard Bauer, unterstützt vom damaligen Kulturamtsleiter Johannes Lenz, gründete sich der Förderverein, der seitdem verantwortlich für den wirtschaftlichen Erfolg ist. 74 Mitglieder, zahlreiche Spender und eine stets wachsende Zuhörerschar sichern den Fortbestand der Konzertreihe. Inzwischen gibt es auch wieder einen kleinen Zuschuss von der Stadt. »Kostendeckend sind die Konzerte nie. Mitglieder und Förderer sind jederzeit willkommen«, erklärt Bauer. Für die Zukunft wünscht sich das Orchester mehr Jugend im Publikum. Eine Kooperation mit dem Musikkurs der Ernst-Ludwig-Schule besteht bereits. Bauer erinnert sich am liebsten an das Konzert im September 2012: »Als es hieß, die Reihe wird eingestellt, waren alle 740 Karten im Theater ausverkauft. Das würde ich mir wieder wünschen.«

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