27. Februar 2018, 12:57 Uhr

AfD Wetterau

Neuer Kreisvorsitzender: Rückt AfD Wetterau weiter nach rechts?

Andreas Lichert ist neuer Vorsitzender der AfD Wetterau. Der Bad Nauheimer steht der Identitären Bewegung nah, das von ihm geleitete »Institut für Staatspolitik« gilt als Denkfabrik der Neuen Rechten.
27. Februar 2018, 12:57 Uhr
Andreas Lichert (Foto: pm)

Als Andreas Lichert aus Bad Nauheim 2015 als Beisitzer in den Wetterauer AfD-Kreisvorstand gewählt worden war, hatte das für erhebliche Unruhe in der Partei gesorgt. Die damalige AfD-Kreissprecherin Dr. Christiane Gleissner hatte damals ebenso ihren Posten niedergelegt wie andere Vorstandsmitglieder. Grund: Lichert wird dem rechten Parteiflügel zugeordnet, macht keinen Hehl aus Kontakten zur Identitären Bewegung (IB), die vom Verfassungsschutz beobachtet wird. Inzwischen sind die politischen Positionen des Kreisbeigeordneten in der Wetterauer AfD offenbar mehrheitsfähig. Am Samstag wurde Lichert zum neuen Kreissprecher der Partei gewählt. In einer Kampfabstimmung setzte er sich mit 25 :18-Stimmen gegen den Kreistagsabgeordneten Michael Kuger aus Bad Vilbel durch.

Lichert hatte 2013 eine »Projektwerkstatt« in Karben gegründet, in der sich auch IB-Mitglieder trafen. Zudem ist er für das »Institut für Staatspolitik« aktiv, das als Denkfabrik der Neuen Rechten gilt. Die Identitäre Bewegung wird vom Verfassungsschutz beobachtet. Amtschef Hans-Georg Maaßen sieht »Anhaltspunkte für Bestrebungen gegen die freiheitliche demokratische Grundordnung«. Aufgrund dieses Engagements ist Lichert auch innerhalb der hessischen AfD nicht unumstritten. Kürzlich bewarb er sich vergeblich um die Wiederwahl in den Landesvorstand.

 

Kompletter Umbruch

Im Wetterauer Kreisverband konnte der Bad Nauheimer dagegen jetzt die Spitzenposition übernehmen. Sein unterlegener Gegenkandidat Andreas Kuger, bisher stellvertretender Kreissprecher, verzichtete daraufhin auf eine Bewerbung für einen anderen Vorstandsposten. Kuger, der sich selbst politisch der »AfD-Mitte« zuordnet, sagte gegenüber der WZ, Lichert und andere neue Vorstandsmitglieder hätten ein anderes Politikverständnis als er, was die Außendarstellung der Partei angehe. »Ich habe allerdings keinen Zweifel, dass Lichert letztendlich die Ziele der AfD verfolgen wird«, sagte der Bad Vilbeler.

Im neuen AfD-Kreisvorstand ist es nach dem Rückzug des bisherigen Sprechers Klaus Herrmann, der seit Kurzem hessischer Landessprecher ist, zu einem Umbruch gekommen. Nur Lichert gehört dem Gremium nach wie vor an – er war bisher Beisitzer. Alle anderen Posten wurden neu besetzt. Stellvertretende Kreissprecherin ist jetzt Cornelia Marel, zum Schatzmeister wurde in Friedberg Dirk Borne gewählt. Die neuen Beisitzer: Anneli Ettling, Stefan Güldenring, Uwe Heinrich, Karel Marel und Wilfried Repp. Lichert sprach in der Versammlung von einer »motivierten Parteibasis« und geht von einem erfolgreichen Landtagswahlkampf aus.

Nach Ansicht von Andreas Balser von der Wetterauer Antifa-BI ist mit der Wahl Licherts der »Rechtsruck der AfD Wetterau« abgeschlossen. Aufgrund dieser Personalentscheidung würde die Antifa-BI einen Zusammenschluss von AfD, NPD und Identitärer Bewegung im Wetteraukreis für konsequent halten.

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