10. Oktober 2018, 19:02 Uhr

Neue musikalische Kooperation

10. Oktober 2018, 19:02 Uhr
Avatar_neutral
Aus der Redaktion
Bald werden die Konzerte im Jugendstiltheater stattfinden und nicht mehr in der Trinkkuranlage. (Foto: pv)

Mit Beethovens 3. Sinfonie »Eroica« und Franz Schuberts »Unvollendeter« bezauberte das Kur-Sinfonieorchester im Konzertsaal der Trinkkuranlage ein begeistertes Publikum. Das Kur-Sinfonieorchester, erstmals unter Leitung des Gastdirigenten Florian Erdl, konnte das Versprechen einlösen, die beiden berühmten Werke der Wiener Klassik in einem frischen Gewand zu Gehör zu bringen.

Und es wird Neuerungen geben: 2019 werden diese Sinfoniekonzerte in das Jugendstiltheater umziehen, das mehr Gästen Platz bietet. In Kooperation mit dem »Förderverein sinfonische Musik Bad Nauheim« werden die Konzerte des Kur-Sinfonieorchesters in der Sinfoniekonzertreihe im Wechsel mit der Kammerphilharmonie Bad Nauheim zu hören sein.

Florian Erdl, unter anderem Dirigent an der Oper Frankfurt und stellvertretender Generalmusikdirektor am Theater Pforzheim, verstand es, das Orchester mit großer, emotionaler Geste zu führen und seine Interpretation der beiden großen Werke schlüssig zu vermitteln.

Warum der 25-jährige Schubert 1822 die Arbeit an seiner Sinfonie h-Moll einstellte, ist bis heute ungeklärt. »Schubert selbst hat nie eine Aufführung seiner Sinfonie h-Moll erlebt«, so Ulrich Nagel, der als Intendant der Kurkonzerte in die Werke einführte und bildhaft das »Neue« der heute so geläufigen Sinfonien erläuterte. Uraufgeführt wurde die »Unvollendete« erst ein halbes Jahrhundert später 1865, als sie zufällig entdeckt wurde. Vor dem Hintergrund wurde das Werk, das heute fast als Unterhaltungsmusik taugt, in ein anderes Licht gerückt. Düster und dramatisch beginnt der 1. Satz, bevor er sich in das schwierigere Seitenthema wendet. Sehr romantisch interpretierte Florian Erdl die Sinfonie, mit wechselnden Tempi und dynamischen Gegensätzen, der voluminöse Bläsersatz ließ Gänsehaut aufkommen.

Ungewöhnliche Ausmaße

Der zweite Teil des Konzertes mit der 3. Sinfonie von Ludwig van Beethoven konnte das noch toppen. Mit der »Eroica« – der heroischen – gelingt Beethoven der entscheidende Schritt von der »klassischen« Symphonie des 18. Jahrhunderts zur »großen« Symphonie des 19. Jahrhunderts: Neu sind die ungewöhnlichen Ausmaße, die kühn klingende Instrumentation und Harmonik, die Rhythmik. »Beethoven schuf seinerzeit damit eine neue, weltbürgerliche Musik-Sprache«, sagte Ulrich Nagel in der Einführung. Ob er dafür einen äußeren Anstoß brauchte, welche Widmung tatsächlich erfolgte, ließ Nagel dabei offen.

Mit Bravorufen goutierte das Publikum die frische Interpretation der 3. Sinfonie unter Florian Erdls Dirigat. Er verstand es, klangliche Nuancen und Kontraste herauszuarbeiten und manche neue Höreindrücke zu vermitteln. Es gelang eine schöne Transparenz, wenn etwa das Thema durch die Bläsergruppen und die Streicher wanderte.

Das Kur-Sinfonieorchester, in dem etliche Lehrende der Musikschule Bad Nauheim mitwirken, erwies sich als ein beachtlich homogener Klangkörper. Besonders hervorzuheben sind Frieder Uhlig, erste Oboe, und Christian Claus, erste Klarinette, die die vielen Solostellen der Sinfonie bravourös meisterten. Der 2. Satz »Marcia funebre« – der Trauermasch – ging sichtlich unter die Haut. Michael Strecker als Konzertmeister führte die Streicher sicher vom ersten Pult, was in dem spritzigen 3. Satz von Bedeutung war. Ein furioses Finale, mit teils ungewöhnlichen Tempiwechseln, fast romantisch interpretiert, beendete das berauschende Konzert.

So darf man auf die weiteren Sinfoniekonzerte des Kur-Sinfonieorchesters gespannt sein.

Verschiedene Abonnements für die Konzertreihe sind ab Dezember bei der Bad Nauheimer Tourist-Info erhältlich.



0
Kommentare | Kommentieren

Bilder und Videos