01. September 2019, 19:11 Uhr

In Gaststätte

Neonazis wollten Kriegsbeginn in Berstadt feiern

Am Samstagabend sollte auf einem Privatgrundstück in Hungen-Villingen ein Rechtsrock-Konzert stattfinden. Ursprünglicher Treffpunkt der Neonazis war eine Gaststätte in Wölfersheim.
01. September 2019, 19:11 Uhr
Die Polizei ist in Villingen mit einem größeren Aufgebot vor Ort. (Foto: ast)

Nach Angaben von Anwohnern und Mitgliedern der Antifaschistischen Bildungsinitiative Friedberg hatten sich in einem Kleingartengelände eine unübersichtliche Zahl Neonazis aus Hessen und benachbarten Bundesländern versammelt.

»Am Abend liefen Gruppen glatzköpfiger und schwarz gekleideter Männer durchs Dorf«, berichtete eine Anwohnerin dieser Zeitung. In der Nähe des Veranstaltungsorts parkten auch Autos mit Kennzeichen aus Nordrhein-Westfalen. Die Bereitschaftspolizei war mit einem größeren Aufgebot vor Ort und hatte den Veranstaltungsort abgeriegelt.

Die Rechtsextremisten wollten offensichtlich den Beginn des Zweiten Weltkriegs vor 80 Jahren feiern. Am frühen Morgen des

1. September 1939 waren Truppen des nationalsozialistischen Deutschlands in Polen einmarschiert.

Die Antifaschistische Bildungsinitiative (Antifa BI) aus Friedberg hatte seit Tagen die Information, dass die bundesweit bekannte Hooligan-Band »Kategorie C« in Hessen aus Anlass des Kriegsbeginns vor 80 Jahren ein Konzert geben wird, der Ort war aber unklar. Am frühen Samstagabend gab die Band aus Bremen in ihrem Telegram-Account dann bekannt, dass ihr »Balladenabend« im Hungener Stadtteil Villingen stattfinden wird. Die Polizei war nach Angaben eines Sprechers über die Konzertveranstaltung informiert. Der Auftritt der Band sollte zunächst in einer Gaststätte in Berstadt stattfinden. Laut Polizei hatten die Veranstalter den Wirt über den wahren Hintergrund der Veranstaltung aber im Unklaren gelassen, woraufhin der den Mietvertrag auflöste. Daraufhin seien die Besucher nach Villingen ausgewichen. Laut Polizei habe das Konzert von »Kategorie C« dann aber nicht stattgefunden.

51 Personalien überprüft

Dieser Darstellung widerspricht Andreas Balser, Sprecher der Antifa BI, der bis gegen 22 Uhr vor Ort war. »Wir haben gehört, dass die Band gespielt hat«, sagte Balser. Ihm gegenüber habe die Polizei erklärt einzugreifen, sollte die Band indizierte Stücke spielen. Balser: »So lange ich da war, war das nicht der Fall.« Laut Polizei waren bei Kontrollen die Personalien von 51 Besuchern überprüft worden. Zu strafbaren Handlungen sei es nicht gekommen.

Nach Informationen von BI-Sprecher Balser war auch ein Auftritt des rechtsextremen Liedermachers Philipp Tschentscher, der unter dem Pseudonym »Reichstrunkenbold« bekannt ist, geplant. Der habe aber nicht stattgefunden.

Der Hungener Stadtteil Villingen war bereits vor fünf Jahren Schauplatz eines Rechtsrock-Konzerts.

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