Wetterau

Naturschutzbehörde stoppt illegale Rodungsaktion

Von einer »großen Umweltschweinerei« spricht ein Mann, der eine Abholzaktion auf der »Wetter-Insel« in Steinfurth entdeckt hat. Das Naturschutzamt hat die illegalen Arbeiten gestoppt.
06. Juli 2019, 14:50 Uhr
Bernd Klühs
Zahlreiche Büsche und Sträucher, in denen Vögel nisteten, sind auf der »Wetter-Insel« gerodet worden. Auch die Grasnarbe hat erhebliche Schäden davongetragen.	(Fotos: Nici Merz)
Zahlreiche Büsche und Sträucher, in denen Vögel nisteten, sind auf der »Wetter-Insel« gerodet worden. Auch die Grasnarbe hat erhebliche Schäden davongetragen. (Fotos: Nici Merz)

Joachim Thönges, Jäger und Naturschützer aus Steinfurth, traute seinen Augen nicht, als er am Dienstag den nordwestlichen Teil der »Wetter-Insel« betrat. Mit Motorsäge und schwerem Gerät wurden dort viele Bäume - zum großen Teil Erlen - radikal beschnitten und Büsche, darunter Wildrosen, gerodet. Da dieses Gelände zwischen Wetter und Mühlbach zum Landschaftsschutzgebiet gehört, wandte sich Thönges an die Untere Naturschutzbehörde in Friedberg.

Nachdem die Nachricht im Landratsamt eingegangen war, machten sich Mitarbeiter sofort auf, um die Aktion zu begutachten und zu stoppen. Wie ein Beschäftigter der Naturschutzbehörde erklärt, seien solche Aktivitäten bis Oktober generell untersagt. Da die »Insel« Teil eines Landschaftsschutzgebiets sei, benötige der Eigentümer zu allen Jahreszeiten die behördliche Erlaubnis für einen solchen Eingriff. »Der Besitzer hat zuvor aber keinen Kontakt mit uns aufgenommen«, sagt der Bedienstete. Wie eine Kollegin von ihm, die am Mittwoch vor Ort war, ergänzt, sei ein Radlader zum Einsatz gekommen, um das umfangreiche Schnittgut zusammenzuschieben. Das schwere Gerät habe die Grasnarbe erheblich beschädigt. Welche Schritte gegen den Eigentümer unternommen werden, wollte die Behörde nicht mitteilen. Im Prinzip seien solche Aktionen aber »bußgeldbewehrt«.

Zahlreiche geschützte Vogelarten

Nach Angaben von Joachim Thönges weist dieser etwa 250 Meter lange Teil der »Insel« eine große Artenvielfalt auf. »Bisher waren dort geschützte Vögel heimisch - Zaunkönig, Grasmücke, Braunkehlchen, Specht, Meise, Laubsänger, Steinkauz sowie Bodenbrüter wie Teichhühner und Bekassine«, berichtet der Steinfurther. Von Zeit zu Zeit habe auch der Eisvogel im Steilufer der Wetter genistet. Laubfrösche, Biber und Waschbär seien dort ebenfalls anzutreffen, teilweise auch Rehe. Thönges vermutet, dass etliche Vögel, die gerade Nachwuchs aufpäppeln, Eidechsen und Insekten der Aktion mit dem riesigen Mulcher zum Opfer gefallen sind.

Wie der zuständige Fachdienstleiter Hans-Martin Herrmann von der Stadtverwaltung bestätigt, gehörte dieser »Insel«-Abschnitt früher zum Rosenbetrieb Beutnagel. Das gesamte ehemalige Betriebsgelände wurde an ein Immobilienunternehmen veräußert. Teile des Areals - darunter auch die »Insel« - werden von einem Makler zum Kauf angeboten. Zwischen Mühlbach und Wetter darf allerdings nicht gebaut werden.

Artikel: https://www.giessener-allgemeine.de/regional/wetteraukreis/friedbergbadnauheim/Wetterau-Naturschutzbehoerde-stoppt-illegale-Rodungsaktion;art472,609307

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