25. Oktober 2018, 14:00 Uhr

Bald ohne Vorstand?

Naturheilverein Bad Nauheim-Bad Vilbel droht Auflösung

Schiere Größe sagt nichts über die Überlebensfähigkeit eines Vereins aus. Aktuell kämpft der Naturheilverein Bad Nauheim-Bad Vilbel, der größte Klub dieser Art in Deutschland, gegen das Aus.
25. Oktober 2018, 14:00 Uhr
Die Naturheiltage sind alle drei Jahre der Höhepunkt im Veranstaltungsprogramm des Naturheilvereins Bad Nauheim/Bad Vilbel, der große Personalprobleme hat. Findet sich kein neuer Vorstand, geht es nicht weiter. (Fotos: WZ-Archiv/pv)

Petra Hellmeck ist so etwas wie das »Urgestein« des Naturheilvereins Bad Nauheim-Bad Vilbel. »Ich dachte früher, es würde mir das Herz brechen, wenn wir die Arbeit einstellen müssten. Aber ich muss jetzt einfach an mich selbst denken«, sagt die Rodheimerin. Seit 1985 hat sie eine führende Position im Verein inne, doch im Frühjahr 2019 wird sie definitiv aufhören.

Ebenso fest entschlossen sind ihre vier Mitstreiter im Teamvorstand, Angelika Körner, Silke Mithoff, Wolfgang Schaller und Lutz Fiedler. Zu viel ehrenamtliche Arbeit lastet auf ihren Schultern, zumal von den rund 900 Mitgliedern nur 20 bis 30 regelmäßig aktiv sind. Finden sich bis April keine Nachfolger, wird das Aus besiegelt. »Der Bestand des Vereins ist definitiv gefährdet. Es soll niemand glauben, wir würden im Notfall doch weitermachen«, betont Hellmeck.

Hauptproblem: Kassenverwaltung

Mit Marion Hermann, Patricia Torff und Karin Haßinger haben sich zwar drei jüngere Mitglieder gemeldet, die sich engagieren würden. Damit ist es aber nicht getan, auch wenn extra die Satzung geändert wurde, um die Mindestzahl an Vorstandsmitgliedern von fünf auf drei zu reduzieren. Alle drei Kandidatinnen sind berufstätig und nur begrenzt belastbar. »Wenn absehbar ist, dass keine weiteren Leute hinzukommen, werde ich mich gar nicht erst aufstellen lassen«, sagt Patricia Torff, Marion Hermann nickt zustimmend.

Hauptproblem ist es, einen Nachfolger für Wolfgang Schaller zu finden, der seit 2003 die Kassen- und Mitgliederverwaltung stemmt. Beim Naturheilverein ist damit weit mehr Arbeit verbunden als bei anderen Klubs. Beispiel: Der Naturheilverein hat in Bad Nauheim (Kurstraße 13-15) Räumlichkeiten angemietet, in denen ein Großteil des Kursprogramms abgewickelt wird. Bei jedem der 70 bis 80 Seminare muss mit dem Leiter abgerechnet werden. Andere Funktionen, für die keine Lösung gefunden wurde, sind Schriftführung und Management des Vereinszentrums. Sehr viel Aufwand ist zudem mit der Ausarbeitung des Seminarprogramms verbunden.

Neue Ideen gefragt

Der Teamvorstand hat Nachfolgeprobleme kommen sehen und rechtzeitig gehandelt. Bereits bei der letzten regulären Versammlung im Frühjahr wurde an die Mitglieder appelliert, sich zur Verfügung zu stellen. »Es folgten ein ›Brandbrief‹ und das außerordentliche Treffen im September. Beides hat nicht viel bewirkt«, sagt Petra Hellmeck.

Die Führungscrew hinterlässt ein gut bestelltes Feld und wäre bereit, den neuen Vorstand in der Übergangsphase zu beraten. Zwar ist die Mitgliederzahl von über 1000 auf 900 geschrumpft, trotzdem ist der Bad Nauheimer Klub nach wie vor der mitgliederstärkste im Naturschutzbund Deutschland, dem rund 40 Vereine angehören. »Finanziell stehen wir gut da«, sagt Schatzmeister Wolfgang Schaller. Es seien aber neue Ideen gefragt, um die Überalterung zu bremsen. Dazu sei eine verstärkte Präsenz in den sozialen Medien nötig, bei Facebook wird gerade ein Versuch unternommen.

Probleme bereitet den Naturheilfreunden die wachsende Zahl von Angeboten auf dem Gesundheitssektor. An Seminaren gibt es gerade in Bad Nauheim nichts, was es nicht gibt. Veranstalter wie der Kneipp-Verein erweisen sich als starke Konkurrenz. Zudem wird es schwieriger, für gut besuchte Vorträge mit prominenten Referenten große Räumlichkeiten zu finden.

Riesenaufwand für Naturheiltage

»In Bad Nauheim gibt es seit der Sportheim-Schließung nichts mehr, was bezahlbar wäre«, sagt Petra Hellmeck. Wenigstens die Stadthalle Friedberg steht alle drei Jahre für die Naturheiltage zur Verfügung. Dabei handelt es sich um die wichtigste Veranstaltung des Vereins, die stets deutlich mehr als tausend Interessenten anlockt. Auch dieses Informationsangebot wird allerdings in Frage gestellt, weil die mehrmonatige Vorbereitung kaum noch zu schultern ist.

Auf der Tagesordnung der Mitgliederversammlung im April 2019 wird aller Voraussicht nach der Punkt »Auflösung des Vereins« stehen. Kommt es wirklich dazu, dürfte die Abwicklung Monate dauern. Hauptgrund: Die Kündigung des Mietvertrags fürs Vereinszentrum wäre laut Wolfgang Schaller erst zum Februar 2020 möglich.

 

Info

Schon 1985 fast das Aus

Vor 35 Jahren, 1983, wurde der Naturheilverein ins Leben gerufen, damals noch mit dem Namenszusatz Bad Nauheim/Friedberg. »Schon zwei Jahre später drohte zum ersten Mal das Aus, weil die damalige Vorsitzende umgezogen ist«, erinnert sich Petra Hellmeck. Sie selbst sprang in die Bresche und brachte den Verein damals mit anderen Vorstandsmitgliedern wieder auf Kurs. Erst seit 2005 verfügt der Klub über das eigene Zentrum in der Bad Nauheimer Kurstraße, seitdem wurde das Seminarangebot, das hauptsächlich von Heilpraktikern gestaltet wird, deutlich ausgeweitet. Alle Aspekte der seelischen und körperlichen Gesundheit werden berücksichtigt, auch esoterische Themen spielen eine Rolle. 2010 stand der Naturheilverein Bad Vilbel wegen Mitgliederschwund und Mangel an Aktiven vor dem Ende, eine Fusion wurde beschlossen. Seitdem ist der Naturheilverein Bad Nauheim/Bad Vilbel der einzige Klub seiner Art in der Wetterau. (bk)

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