15. August 2018, 10:00 Uhr

Burggarten Friedberg

Naturbühne soll wieder öfter bespielt werden

Am Sonntag fand im Friedberger Burggarten ein eher seltenes Ereignis statt: ein Konzert auf der Naturbühne. Wie die Stadt miteilt, sollen in Zukunft weitere Kulturveranstaltungen folgen.
15. August 2018, 10:00 Uhr
Die Kulisse ist einzigartig, die Akustik dank der Hänge an drei Seiten sehr gut: Hans Eckhardt und das Jugendorchester der Stadtkapelle Friedberg musizieren auf der selten genutzten Naturbühne im Burggarten. (Foto: Wagner)

Es waren wilde Konzerte, damals beim Burgfest, als der Burggarten von tausenden jungen Leuten okkupiert wurde und auf mehreren Bühnen Folk, Rock, Blues, Punk und Hardrock ertönte. Die Naturbühne am Ende des Burggartens galt vielen als die schönste und stimmungsvollste Bühne. An drei Seiten von Böschungen umgeben, konnten die Zuschauer von weit oben auf das Geschehen runter blicken – oder es sich am Hang bequem machen, was zur Folge hatte, dass das Erdreich bald fest wie Lehm war und dort nicht einmal mehr Unkraut wuchs.

2010 wurde der Burggarten saniert. Alt-Bürgermeister Michael Keller prägte das Wort vom »schönsten Balkon der Wetterau«. Die Sicht aufs Umland ist überwältigend, auch die Fotoausstellungen von Stadtarchiv und Wetterau-Museum locken Spaziergänger in diesen einzigartigen Park.

Infrastruktur an der Bühne fehlt

Mit Konzerten auf der Naturbühne war es nach der Sanierung ernst einmal vorbei. Die Infrastruktur fehlt, der Weg durch den Burggarten wurde so verkleinert, dass allenfalls Kleinfahrzeuge des Bauhofs dort fahren können. Abendliche Veranstaltungen sind ohnehin ein Problem. Es gibt keine Beleuchtung; Alt-Bürgermeister Keller hatte seinerzeit darauf gedrungen, im Zuge der Sanierungsarbeiten wenigstens Leerrohre entlang des Weges zu verlegen. Das lehnte die damalige Koalition aus CDU, FDP und Grünen ab.

Die FDP entwickelte vor rund zehn Jahren die Idee, die Bühne zu drehen und an den Hang unterhalb der Burgmauer zu verlegen. Gegenüber sollte dann eine Zuschauertribüne mit 400 Plätzen entstehen. Nach einigem Hin und Her, politischem Streit und Bedenken aufseiten der Denkmalschutzbehörde ließen die Liberalen das Projekt dann fallen.

»Non Sero« spielt groß auf

Am Sonntag bespielte Dirigent Hans Eckhardt mit zwei Ensembles die Naturbühne: Das Jugendorchester der Stadtkapelle Friedberg und das Orchester »Non Sero« aus Karben präsentierten Ergebnisse ihrer Probenarbeit. »Non Sero« besteht seit fünf Jahren. Bei den Musikern handelt es sich um Erwachsene, die spät ein Instrument erlernten, aber mit großer Freude bei der Sache sind. Das Repertoire reichte vom Wiener Walzer bis zur Peer-Gynt-Suite von Edvard Grieg. Das 30-köpfige Ensemble gefiel mit gutem Timing sowie gekonnten Soli am Schlagzeug und am Alt-Saxofon. Eckhardt bekam vom Orchester für »viel Geduld in den vergangenen fünf Jahren« ein Geschenk überreicht.

Komödiantische Einlage

Die Stadtkapellen-Jugend begeisterte mit der »Bohemian Rhapsody« der Rockgruppe Queen und einem Medley aus Musical-Melodien von Andrew Lloyd Webber. Auch dies ein gekonnter Auftritt, der durch ein (unfreiwilliges) komödiantisches Kabinettstück von Drummer Nico bereichert wurde. Dessen Kampf mit dem Notenständer war dem belustigten Publikum einen Sonderapplaus wert – zumal auch Nicos Drum-Solo vom Feinsten war.

Eckhardt wollte schon vor zwei Jahren mit dem Jugendorchester auf der Naturbühne auftreten. Damals vertrieb der Regen die Musiker. 2017 und 2018 klappte es. Auch diesmal mussten die Musiker vor ihrem Auftritt Bänke und Stühle aus dem Burggymnasium in den Burggarten tragen. Eine Bewirtung gab es nicht. »Aber eine gute Akustik«, wie ein Musiker sagte. Auf größere Werbung war verzichtet worden. 100 Zuschauer fanden sich ein, es hätten doppelt oder auch dreimal so viele sein dürfen.

 

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Friedbergs schönste Bühne

Wie geht es weiter auf der Naturbühne? Die Stadt will den Burggarten mehr als bisher touristisch nutzen. Wie Christine Böhmerl, Leiterin des Kulturamtes, der WZ sagte, habe es seit der Sanierung mehrere Veranstaltungen auf der Naturbühne gegeben: Konzerte, Kleinkunst und Lesungen. Das alles fand im kleinen Rahmen statt, ohne größeren logistischen Aufwand und fast unbemerkt von der Allgemeinheit. Böhmerl: »Wir als Stadt sind für Interessenten immer der erste Ansprechpartner und stellen dann das Einvernehmen mit dem Land Hessen her.« Der Burggarten ist in Besitz des Landes, zuständig ist die Hessische Verwaltung der Schlösser und Gärten in Bad Homburg. Wie Böhmerl sagte, gibt es direkt an der Naturbühne eine Stromversorgung. Allerdings fehlt ein Leitungsnetz über den gesamten Burggarten. »Wir wollen den Burggarten mehr bespielen, arbeiten an verschiedenen Ideen und führen konkrete Gespräche«, sagte Böhmerl. Mehr will sie noch nicht verraten. Man darf auf jeden Fall gespannt sein auf weitere Konzerte auf der schönsten Bühne Friedbergs. (jw)

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