01. Juli 2019, 17:00 Uhr

Genehmigt oder nicht?

Nachbar ärgert sich über Berge von Altreifenlager

Berge von Autoreifen am Ortsrand von Ossenheim stören einen Nachbarn. Der Kreis ist eingeschaltet, ob auf dem Hof des Reifenhändlers alles rechtens zugeht, lässt sich schwer beantworten.
01. Juli 2019, 17:00 Uhr
Darf das sein? Am Ortsrand von Ossenheim hat ein Reifenhändler Altreifen auf dem Hof abgelagert. »Nicht mehr als wir dürfen«, sagt der Händler. Ein Nachbar hat da seine Zweifel. Die Bauaufsicht des Wetteraukreises ist seit 2015 mit dem Fall beschäftigt. (Foto: Wagner)

Die Überschrift des WZ-Berichts vom Juni 2016 lautete »Zehnmonatiger Tiefschlaf«: Ein Nachbar des Reifenhändlers wollte vom Wetteraukreis wissen, ob die Ablagerung von zigtausend Reifen in unmittelbarer Nähe zur Wetter und zu einem Bio-Bauern rechtens sei. Zehn Monate lang hatte er versucht, eine Antwort auf seine Fragen zu bekommen. Er schickte Einschreiben auf Einschreiben an den Kreis, wurde nach eigenen Angaben immer wieder vertröstet. »Genehmigung Ja oder Nein? Mehr wollte ich nicht wissen«, sagte der Anwohner seinerzeit zur WZ. Die Antwort aber blieb aus.

Das städtische Bauamt hatte damals die Lagerung von Altreifen auf dem früheren Gelände eines Landmaschinenbetriebs nicht genehmigt, die letzte Entscheidung liegt in solchen Fällen beim Bauamt des Wetteraukreises. Von dort hieß es damals, die Sache werde noch »geprüft«. Es muss sich um eine intensive Prüfung handeln, denn offenbar ist sie noch immer nicht abgeschlossen. Zumindest stellt sich dieser Eindruck ein.

Mitte Mai schrieb der Nachbar mal wieder an den Wetteraukreis. Er rekapituliert kurz den Sachverhalt und kommt zum Schluss: »Getan hat sich bis heute nichts.« Der Nachbar spricht von Brandgefahr, weist auf die nahe Wetter und mögliche Umweltrisiken ebenso hin wie auf den benachbarten Betrieb für Bio-Lebensmittel. Er hat Fotos gemacht, sie zeigen Berge von Altreifen aus verschiedenen Perspektiven.

Zwangsgeld angedroht

Die kurze Antwort des Wetteraukreises lautet: »Wir teilen Ihnen dazu mit, dass es keine neue Genehmigung für eine Altreifenlagerung gibt. Momentan werden weitergehende Maßnahmen zur Durchsetzung der untersagten Lagerung geprüft.« Und was heißt das? Schwer zu sagen. Als die WZ beim Wetteraukreis nachfragt, ist laut einem Pressesprecher im Bauamt gerade niemand erreichbar. »Das Verfahren läuft, sowas dauert manchmal etwas länger.« Es gebe Fristen für Anhörungen und Widersprüche.

Ein Teil der Reifen, so stehe es in den Akten, müsse abgeräumt werden. Der Kreis habe dem Reifenhändler ein Zwangsgeld angedroht. Die Befürchtungen des Nachbarn kann der Kreissprecher aber nicht bestätigen: Eine Brandgefahr sehe er nicht, es sei denn, es komme zu einer Brandstiftung. Würde dann Löschwasser in den Fluss laufen, »wäre das schlecht«.

Tägliche Anlieferungen

Der Nachbar erzählt, täglich würden Kleinlaster alte Reifen anliefern. Alle 14 Tage komme dann ein großer Lkw, hole Berge von Reifen ab. Mitarbeiter des Ordnungsamtes seien mehrfach vor Ort gewesen. Der Nachbar sagt: »In der Halle darf er Reifen lagern, draußen nicht.«

Stefan Herrmann widerspricht, und er muss es wissen. Herrmann betreibt in der Ortsmitte von Ossenheim am Ende der Hirtengasse das »Reifenstübchen«. Wobei das »Stübchen« eher eine große Halle meint, wo er und zwei weitere Männer gerade dabei sind, einen Gummireifen von einer Felge zu ziehen. »Illegal?« Stefan Herrmann ist ein Baum von einem Mann, der eine große Seelenruhe ausstrahlt. »Das ist doch ’ne uralte Geschichte«, brummelt er. Wir gehen zum Hof, Herrmann deutet auf den Reifenberg: »Bis hierhin dürfen wir Reifen lagern«, sagt er und deutet in der Luft einen Strich quer durch den Hof an. Rechts zur Wetter hin sei die Ablagerung verboten, links vor der Halle sei sie erlaubt. »»Wir lagern nicht mehr als wir dürfen.« Na gut, ein wenig mehr schon, hin und wieder zumindest, wenn, wie neulich, ein Lkw, der 100 Reifen nach Irland bringen sollte, drei Tage Verspätung hat. Aber das sei die Ausnahme.

Und die Bußgeldandrohung? Das sei doch lange her. »Wenn der Nachbar Probleme hat, warum geht er dann zum Kreis und kommt nicht zu mir?«, fragt Herrmann. Andere Bewohner der Hirtengasse sehen die Sache offenbar entspannter. »Es gibt keine Probleme«, sagt eine Nachbarin, die sich nicht an dem Betrieb des Reifenhändlers stört. »Der ist ruhiger als die vorigen Nutzer.«

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